Optimale Lebensbedingungen für Stadtbäume schaffen
Bäume in städtischen Umgebungen sind oft widrigen Bedingungen ausgesetzt, die ihre Lebensdauer verkürzen. Insbesondere an Straßen oder auf Plätzen leiden sie unter geringem Wurzelraum, unzureichender Wasserversorgung durch versiegelte Flächen sowie erhöhten Temperaturen und Windexposition. Dies führt dazu, dass Stadtbäume selten älter als 80 Jahre werden, während ihre Artgenossen in Wäldern oder Parks deutlich höhere Lebensalter erreichen.
Die Schaffung optimaler Lebensbedingungen für Stadtbäume beginnt bereits bei der Planung. Helmut Selders, Präsident des Bundes deutscher Baumschulen (BdB) e.V., betont die Bedeutung eines umfassenden Baummanagements.
Jede Baumpflanzung ist eine Investition in die Zukunft. Wir empfehlen Kommunen deshalb ein gutes Baummanagement, das schon mit der Planung beginnt und die gesamte Lebensdauer des Baumes umfasst.
Dazu gehören die Auswahl geeigneter Baumarten und -sorten für den jeweiligen Standort sowie eine fachgerechte Pflanzung nach FLL-Standards. Ein ausreichend großer Wurzelraum und gegebenenfalls optimiertes Substrat sind hierbei entscheidend. Darüber hinaus ist der Schutz des Baumbestandes durch die Stadtverwaltung wichtig, beispielsweise durch mechanischen Baumschutz oder die Pflege von Baumscheiben.
Nach dem Anwachsen ist die laufende Baumkontrolle und -pflege wichtig, damit Bäume die Leistungen erbringen können, die Kommunen und Bürger von ihnen erwarten.
Regelmäßige Baumkontrollen sind notwendig, um Pflegemaßnahmen abzuleiten. Angesichts der Ausbreitung neuer Krankheiten und Schädlinge durch den Klimawandel rät Selders zu frühzeitigem Handeln, um wirtschaftliche Schäden für Kommunen zu vermeiden.
Neue Krankheiten und Schädlinge bedrohen Stadtbäume
Dr. Joachim Bauer, Leiter des Arbeitskreises Stadtbäume der Gartenamtsleiterkonferenz (GALK), unterstreicht die gestiegenen Anforderungen an die Qualifikation von Mitarbeitern in Grünflächenämtern und Baumpflegefirmen.
Die veränderten Umweltbedingungen und die höheren Erwartungen, die in das städtische Grün gesetzt werden, erfordern auch besondere Maßnahmen, um den Baumbestand möglichst lange gesund zu erhalten. Vor allem aber geht es darum, Gefahren, die von den Bäumen ausgehen, rechtzeitig zu erkennen und diesen entgegenzuwirken. Schließlich sind wir als Kommune Eigentümer des öffentlichen Grüns und somit für die Verkehrssicherheit verantwortlich.
Bisher bewährte Stadtbaumarten wie Platanen, Rosskastanien, Eschen und Ahorn sind zunehmend durch neue Krankheiten und Schädlinge gefährdet. Verschiedene Insekten und Pilzerreger schwächen die Gehölze, oft in Kombination mit anderen Faktoren.
- Rosskastanien: Viele Rosskastanien zeigen bereits im Frühsommer braune Blätter, was die Vegetationszeit verkürzt und die Bäume schwächt.
- Platanen: Die Massaria-Krankheit, ein Pilzbefall, führt dazu, dass Äste abbrechen können. Dieser Pilz war vor zehn Jahren in Deutschland unbekannt, hat sich aber durch veränderte Witterungsbedingungen stark ausgebreitet.
- Eschen: Ein Pilz verursacht Triebsterben bei Eschen und bedroht befallene Bäume ernsthaft.
- Zickzack-Ulmenblattwespe: Dieser aus Ostasien stammende Schädling schwächt Ulmen durch Blattfraß und macht sie anfälliger für weitere Krankheiten.
- Asiatischer Laubholzbockkäfer und Citrusbockkäfer: Diese holzzerstörenden Insekten sind als Quarantäneschadorganismen eingestuft. Ihre Larven fressen im Stamm verschiedener Laubbäume und führen innerhalb weniger Jahre zum Absterben der befallenen Bäume.
Erfahrungen und Empfehlungen für die Baumpflege
Die Kontrolle auf Massariabefall bei Platanen erfordert den Einsatz von Hubarbeitsbühnen oder Baumkletterern, um die Kronen zu inspizieren. Dies führt zu erheblichem Mehraufwand und zusätzlichen Kosten für Kommunen. Vielerorts reicht der bisher übliche einjährige Rhythmus zur Überprüfung der Verkehrssicherheit nicht mehr aus. Einige Städte stellen ihre Grünflächen und Baumbestände schrittweise um, ein Prozess, der Jahrzehnte dauern wird und neue Baumarten integriert.
Der Arbeitskreis Stadtbäume der GALK bietet Kommunen mit der Straßenbaumliste Empfehlungen zur Verwendung von Baumarten. Auf der zugehörigen Website finden sich auch Informationen zu Schadinsekten und Krankheiten sowie Empfehlungen zur Beurteilung von Schadbildern.
Wir brauchen das Stadtgrün als wirksames Instrument der Stadtklimatologie und als Ausgleich für die Belastungen, die das Stadtleben mit sich bringt. Aber wir brauchen eben auch die richtigen Sortimente und die entsprechenden Qualitäten.
Der BdB engagiert sich in Forschungsprojekten zur Suche nach alternativen Baumarten und -sorten, die besser an das zukünftige Stadtklima angepasst sind. Im Forschungsprojekt „Stadtgrün 2021“ der Bayerischen Landesanstalt für Wein und Gartenbau werden an drei Standorten in Bayern verschiedene Baumarten auf ihre Eignung getestet. Erste Ergebnisse dieser Sichtung sind online verfügbar. Ähnliche Untersuchungen laufen in Zusammenarbeit mit dem BdB auch an Versuchsanstalten in Nord- und Ostdeutschland.
