Konjunkturerholung und Ausblick
Das Verarbeitende Gewerbe in Deutschland verzeichnet eine zunehmende Belebung. Der saisonbereinigte IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) stieg im September auf 56,4 Punkte, nach 52,2 im Vormonat. Damit erreichte er ein 26-Monatshoch.
Die deutsche Industrie konnte ihre Produktion den dritten Monat in Folge ausweiten. Dies trägt zur Konjunkturerholung bei. Für das vierte Quartal wird entscheidend sein, wie sich die Corona-Krise entwickelt.
Gedämpfter Optimismus ist durchaus angebracht.
Die Stimmung in der deutschen Industrie hat sich zuletzt stark aufgehellt. Das Vor-Corona-Krisenniveau wurde überschritten, und ein Großteil der Auswirkungen der Industrierezession 2018/2019 wurde bereits überwunden. Das dritte Quartal wird voraussichtlich besser ausfallen als erwartet.
Steigende Infektionszahlen sind für die wirtschaftliche Aktivität weniger entscheidend als politische Einschränkungen. Da insbesondere Urlaubsrückkehrer aus Risikogebieten und große Feiern für die Ausbreitung relevant sind, bleiben andere Wirtschaftsbereiche weitgehend verschont.
Das dritte Quartal ergibt für Deutschland ein höheres Wachstum als erwartet. Der Industrie geht es insgesamt wieder leidlich gut. Aber der einfache Teil der Erholung ist vorbei, die letzten Meter werden schwerer.
Die Schwäche der Dienstleister wird als bedenklich eingestuft und könnte sich in den kommenden Monaten auf die Gesamtwirtschaft auswirken.
Im Teilindex Einkaufspreise belastete in der zweiten Septemberhälfte die Furcht vor einer zweiten Pandemiewelle die globalen Märkte. Etliche Rohstoffe gaben nach. Der Rohölpreis geriet zusätzlich unter Druck durch Gerüchte über ein Ausscheren des Irak aus der OPEC-Disziplin. Für das Gesamtjahr 2020 wird ein Rückgang der Rohölnachfrage um knapp zehn Prozent erwartet.
Die OPEC-Produktion lag zuletzt deutlich über dem Bedarf, was die Kunststoffpreise weiter drücken könnte. Stahl erhält hingegen Unterstützung von festeren Vormaterialpreisen, die teilweise weitergegeben werden konnten.
Geschäftserwartungen
Die Einschätzungen zu den zukünftigen Produktionsniveaus verbessern sich kontinuierlich. Der Teilindex Geschäftsaussichten stieg den sechsten Monat in Folge an und signalisiert die größte Zuversicht seit Januar 2018.
In den Führungsetagen der Industrieunternehmen wächst der Optimismus, dass sich die Nachfrage in den kommenden zwölf Monaten erholen wird. Viele Manager erwarten jedoch, dass das Wachstum deutlich unter den Werten vor Ausbruch der Pandemie bleiben wird.
