Verbesserte Lieferketten und Geschäftsaussichten
Der Abwärtstrend im Verarbeitenden Gewerbe hat sich zum Jahresende 2022 weiter abgeschwächt. Dies ist maßgeblich auf eine verbesserte Funktion der Lieferketten zurückzuführen, wie S&P Global berichtet. Der saisonbereinigte S&P Global/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) erreichte im Dezember 2022 einen Wert von 47,1 Punkten. Obwohl dieser Wert weiterhin unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten liegt, stellt er eine Steigerung gegenüber dem Novemberwert von 46,2 Punkten dar und markiert den höchsten Stand seit drei Monaten.
Die verbesserte Materialverfügbarkeit trug zu einer leichten Entspannung in der deutschen Industrie bei. Auch die Geschäftsaussichten werden von vielen Umfrageteilnehmern positiver eingeschätzt. Allerdings bleiben die gestiegenen Energiepreise eine Belastung für die Unternehmen.
Die aktuellen EMI-Daten zeigen, dass sich die Lage in der deutschen Industrie dank verbesserter Materialverfügbarkeit zum Jahresende etwas verbessert hat. Auch die Geschäftsaussichten werden von vielen EMI-Umfrageteilnehmern positiver beurteilt.
Die Stimmung wird weiterhin durch die hohe Inflation und den Konflikt in der Ukraine beeinflusst. Positiv ist hingegen die Entwicklung der Einkaufspreise, die im Dezember den dritten Monat in Folge gesunken sind.
Ausblick auf das Jahr 2023
Die aktuelle Stimmung in der deutschen Industrie deutet weiterhin auf eine Rezession hin, jedoch zeigen sich erste positive Anzeichen für das Jahr 2023. Es wird erwartet, dass die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal rückläufig sein wird, danach jedoch wieder positive Wachstumsraten verzeichnen könnte. Die Entspannung auf der Angebotsseite durch weniger Probleme in den Lieferketten trägt dazu bei. Obwohl die Preise auch 2023 steigen werden, wird die Intensität des Anstiegs voraussichtlich geringer sein als im Vorjahr.
Noch signalisiert die Stimmung in der deutschen Industrie Rezession, allerdings zeigen sich erste Lichtblicke für das Jahr 2023. Im ersten Quartal wird die deutsche Wirtschaft rückläufig sein, aber danach sollten wieder positive Wachstumsraten auftreten.
Nach den Herausforderungen der Energieversorgung im Winter wird für den weiteren Jahresverlauf eine Stabilisierung erwartet. Kurzfristig wird mit einer Konjunkturerholung gerechnet, die bereits in der zweiten Jahreshälfte 2023 einsetzen könnte. Mittelfristig könnten jedoch Herausforderungen bei der Erzielung zufriedenstellender Wachstumsergebnisse bestehen bleiben. Die deutsche Wirtschaft befindet sich aufgrund von Demografie, Klimakrise, Deglobalisierung und technologischen Umbrüchen in einer Phase des Wandels, die sich im neuen Jahr fortsetzen wird.
Zu Jahresbeginn zeichnen sich leise Hoffnungsschimmer ab, dass die Industrie etwas glimpflicher als befürchtet durch den Winter kommen könnte. Die Lieferengpässe entspannen sich schrittweise. Unternehmen können ihre Aufträge besser abarbeiten. Jedoch bleiben Risiken: Die weltweite Nachfrage schwächelt und hohe Corona-Zahlen in China und damit verbundene Produktionsausfälle könnten den internationalen Lieferverkehr wieder aus dem Gleichgewicht bringen.
Entwicklung der Rohstoffpreise
Die Rohstoffpreise zeigten im Dezember überwiegend eine Seitwärtsbewegung und setzten damit ihre Bodenbildung fort. Eine Entlastung ergab sich durch tendenziell rückläufige Energiepreise, die jedoch weiterhin auf einem hohen Niveau verbleiben. Eine Kältephase im Dezember führte nur kurzfristig zu höheren Gaspreisen, wobei die Gasspeicher weiterhin gut gefüllt sind. Die ersten LNG-Lieferungen über schwimmende Terminals in Wilhelmshaven und Lubmin stützen die Versorgung zusätzlich. Ein Anziehen der LNG-Preise ist kurzfristig nicht zu erwarten, insbesondere aufgrund der pandemiebedingt gedämpften Nachfrage aus China.
Insgesamt könnten jedoch milder ausfallende Rezessionserwartungen bei niedrigen Lagerbeständen zu steigenden Rohstoffnotierungen im Verlauf des ersten Quartals führen. Dies gilt insbesondere, falls die Entwicklung der Corona-Situation in China eine erneute Verschärfung der Lieferkettenprobleme zur Folge haben sollte.
