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Deutsche Industrie: Wachstum trotz Lieferengpässen

Die deutsche Industrie verzeichnete im Juni einen erneuten Aufschwung mit steigenden Produktionsraten und Neuaufträgen. Trotz dieser positiven Entwicklung bleiben weitverbreitete Versorgungsengpässe und hohe Preise für Rohstoffe eine zentrale Herausforderung, die das Produktionsniveau beeinträchtigen.

Wachstum und Herausforderungen im Juni

Die deutsche Industrie verzeichnete im Juni einen erneuten Aufschwung. Sowohl die Produktionsraten als auch die Neuaufträge stiegen erstmals seit drei Monaten wieder stärker an. Der saisonbereinigte IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) verbesserte sich von 64,4 Punkten im Mai auf 65,1 Punkte im Juni. Dieser Anstieg wurde maßgeblich durch eine höhere Produktionsrate getragen, die insbesondere im Vorleistungsgüterbereich zulegte.

Trotz dieser positiven Entwicklung bleiben weitverbreitete Versorgungsengpässe eine zentrale Herausforderung. Viele Unternehmen berichten, dass anhaltende Materialknappheit das Produktionsniveau weiterhin beeinträchtigt, obwohl die Nachfrage hoch ist.

„Die deutsche Industrie trotzt offenkundig weiter einzelnen Schwierigkeiten wie der begrenzten Verfügbarkeit und den hohen Preisen mancher Vorleistungsgüter. Denn die globale Nachfrage ist hoch, und der konjunkturelle Aufholprozess setzt sich fort. Vor allem die sehr hohen Auftragsbestände sprechen dafür, dass sich an diesem Bild in der nächsten Zeit wenig ändern wird“, so Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank.

Herausforderungen bei Preisen und Lieferketten

Die Einkaufspreise für Rohstoffe und Komponenten verharren auf einem extrem hohen Niveau. Dies ist primär auf das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage zurückzuführen. Besonders betroffen sind elektronische Bauteile, Metalle wie Aluminium und Stahl, Verpackungen, Kunststoffe und Holz. Obwohl der saisonbereinigte Teilindex für Einkaufspreise im Juni leicht nachgab, liegt er weiterhin deutlich über allen bisherigen Werten seit Beginn der Datenerfassung.

Auch die Verkaufspreise stiegen im Juni weiter an und erreichten den vierten Monat in Folge ein Rekordhoch. Der stärkste Anstieg war im Vorleistungsgüterbereich zu verzeichnen. Dennoch verteuerten sich die Verkaufspreise langsamer als die Einkaufspreise.

Dr. Heinz-Jürgen Büchner, Managing Director Industrials, Automotive & Services der IKB Deutsche Industriebank AG, kommentierte die Entwicklung der Einkaufspreise: „Der Anstieg der Rohstoffpreise hat sich weiter fortgesetzt, bei einigen Commodities jedoch in abgeschwächter Form. Unverändert ist die Marktversorgung noch zu knapp. Bei den Stahlpreisen dürfte der Peak für die Spotmarktpreise jedoch nun langsam erreicht sein. Die Rohölmärkte waren im Vorfeld des OPEC-Ministertreffens Anfang Juli extrem nervös. Man hofft hier auf eine Ausweitung der Fördermenge, was im zweiten Halbjahr 2021 zur Entspannung bei den Preisen führen könnte. Zu einer immensen Belastung werden bei vielen Firmen im Verarbeitenden Gewerbe zudem die stark angezogenen Transportpreise, welche zudem oft nicht einfach weitergereicht werden können. Gemeinsam mit höheren Energiepreisen dürfte dies alles zusammen die Ertragssituation vieler Unternehmen stark negativ belasten.“

Details zu den EMI-Teilindizes

  • Produktion: Das Wachstum der Produktion gewann im Juni an Dynamik, nachdem es in den beiden Vormonaten leicht zurückgegangen war. Mehr als ein Drittel der befragten Unternehmen meldete höhere Produktionsraten, was hauptsächlich auf den gestiegenen Auftragseingang zurückzuführen ist.
  • Auftragseingang: Die Steigerungsrate der Neuaufträge beschleunigte sich leicht. Die zugrundeliegenden Daten zeigen eine weiterhin steigende Nachfrage in allen drei Industriesektoren, wobei der Vorleistungs- und Investitionsgüterbereich die stärksten Zuwächse verzeichneten.
  • Auftragseingang Export: Auch im Export gab es kräftige Zuwächse. Der entsprechende Teilindex blieb nahezu unverändert auf einem der höchsten Stände seit Beginn der Umfrage im Jahr 1996. Impulse kamen hauptsächlich aus den US-amerikanischen und europäischen Märkten.
  • Geschäftserwartungen: Die Geschäftsaussichten verbesserten sich im Juni leicht und übertrafen sogar das bisherige Allzeithoch vom April. Rund 48 Prozent der Hersteller erwarten binnen Jahresfrist ein höheres Produktionsniveau, gestützt auf die Annahme einer weiter steigenden Nachfrage nach Abklingen der Pandemieeffekte.
  • Beschäftigung: Die kontinuierlichen Bemühungen zur Kapazitätserweiterung führten zum vierten Beschäftigungsanstieg in Folge. Das Tempo nahm leicht zu, und der Teilindex erreichte den höchsten Wert seit Januar 2018. Das größte Plus verzeichneten Hersteller von Investitionsgütern, gefolgt von Vorleistungsgüterproduzenten.

Über den EMI

Der IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) bietet einen umfassenden Überblick über die konjunkturelle Lage der deutschen Industrie. Er basiert auf einer Befragung von 500 Einkaufsleitern und Geschäftsführern der verarbeitenden Industrie in Deutschland und wird seit 1996 unter der Schirmherrschaft des BME veröffentlicht. Der Index orientiert sich am US-Purchasing Manager's Index (Markit U.S.-PMI).

15.07.2021

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