Pflanzen und Pflanzenteile

Hülsenfrüchteanbau in Europa: Das Projekt TRUE fördert Nachhaltigkeit und regionale Wertschöpfung

Das EU-Projekt TRUE zielt darauf ab, den Anbau von Hülsenfrüchten in Europa zu intensivieren, um Importe zu reduzieren und die Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft zu stärken. Forscher der Universität Hohenheim sind maßgeblich an diesem Vorhaben beteiligt.

Hohenheimer Forscher treiben Leguminosenanbau voran

Der Anbau von Hülsenfrüchten in Europa soll intensiviert werden, um Importe zu reduzieren, den Düngemitteleinsatz zu minimieren und die Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft zu stärken. Obwohl diese Eiweißpflanzen derzeit nur einen geringen Anteil der europäischen Ackerflächen einnehmen, zielt das EU-Projekt TRUE darauf ab, dies zu ändern. Forscher der Universität Hohenheim sind maßgeblich an diesem Vorhaben beteiligt.

Die Hohenheimer Wissenschaftler untersuchen Fallbeispiele, analysieren wirtschaftliche Auswirkungen und fördern den Wissensaustausch innerhalb des Projekts. Mit einer Förderung von über 540.000 Euro aus dem insgesamt 5 Millionen Euro umfassenden Projekt leisten sie einen wesentlichen Beitrag. Hülsenfrüchte wie Erbsen und Bohnen sind wichtige Proteinquellen für die menschliche Ernährung, insbesondere für Vegetarier, und Soja ist in der Tierernährung etabliert. Derzeit deckt Europa seinen Bedarf jedoch nur zu einem geringen Teil selbst, da Körnerleguminosen auf lediglich etwa zwei Prozent der Ackerflächen angebaut werden, was zu einer hohen Importabhängigkeit führt.

Das europaweite Forschungsprojekt TRUE, an dem Pflanzenbau-Experten, Agrarökonomen und das Forschungszentrum für globale Ernährungssicherung und Ökosysteme (GFE) der Universität Hohenheim beteiligt sind, soll hier Abhilfe schaffen. Insgesamt arbeiten 24 Partner aus zehn europäischen Ländern und Kenia zusammen, um Anbausysteme und Nahrungsmittelketten in der EU zu analysieren.

Vorteile von Leguminosen: Stickstoffbindung und Bodengesundheit

Leguminosen besitzen die Fähigkeit, Stickstoff aus der Luft mithilfe von Bakterien in ihren Wurzelknöllchen zu binden. Dies bietet sowohl ökonomische als auch ökologische Vorteile.

Sie produzieren ihren Dünger gewissermaßen selbst und verbessern den Boden für die nachfolgenden Kulturen.

Dies erklärt apl. Prof. Dr. Sabine Gruber, Pflanzenbau-Expertin an der Universität Hohenheim. Gemeinsam mit Dr. Sabine Zikeli, Koordinatorin für ökologischen Landbau und Verbraucherschutz der Universität Hohenheim, leitet sie zwei der 24 Fallstudien des Projekts.

Die Forschung konzentriert sich auf die Erfolgsgeschichten von Linsen und Soja. Apl. Prof. Dr. Gruber merkt an, dass der Sojaanbau in Deutschland früher nicht existierte und der Linsenanbau nach den 1950er Jahren stark zurückging. In den letzten Jahren sei jedoch eine Zunahme bei beiden Pflanzenarten zu verzeichnen. Bei Linsen sei dies auf die Wertschätzung regionaler Produkte durch Verbraucher zurückzuführen. Für Sojabohnen, die ursprünglich wärmebedürftig sind, gebe es mittlerweile Sorten, die an kühlere Klimabedingungen angepasst sind, und der Klimawandel trage ebenfalls zur Ausbreitung bei.

Leguminosenanbau in Biobetrieben und wirtschaftliche Aspekte

Dr. Zikeli ergänzt, dass Soja insbesondere in Biobetrieben zunehmend angebaut wird. Dies ermögliche kurze Lieferwege, eine größere Unabhängigkeit von Importen und erhöhte Sicherheit, da Biokunden gentechnisch veränderte Soja ablehnen. Da der Anbau gentechnisch veränderter Soja in Deutschland verboten ist, bestehe hier kein Risiko für Erzeuger und Verarbeiter. Zudem profitiere die Sojabohne vom wachsenden Interesse an veganer Ernährung, wobei viele Bio-Sojabohnen zu Tofu verarbeitet und nicht als Tierfutter genutzt werden.

Die gesammelten Daten sollen dazu beitragen, den Erfolg dieser beiden Leguminosen besser zu verstehen und möglicherweise den Weg für andere Arten zu ebnen. Apl. Prof. Dr. Gruber ist überzeugt, dass dies auch anderen Leguminosen zugutekommen kann, und nennt die Kichererbse als Beispiel, die bereits in den Startlöchern stehe.

Die wirtschaftlichen Aspekte des Leguminosenanbaus werden an der Universität Hohenheim von den Agrarökonomen um Prof. Dr. Enno Bahrs und Prof. Dr. Christian Lippert untersucht. Dr. Beate Zimmermann vom Fachgebiet Landwirtschaftliche Betriebslehre berichtet, dass mangelnde Ertragssicherheit und Wirtschaftlichkeit bisher als Haupthindernisse galten.

Wir wollen wissen, welche wirtschaftlichen Auswirkungen eine Ausweitung des Anbaus hätte und wie es mit der Wettbewerbsfähigkeit aussieht.

Die Forscher analysieren zunächst die Ist-Situation anhand von Daten typischer Betriebe einer Region. Anschließend simulieren sie am Computer, wie neue Produktionsverfahren, stabilere Erträge oder Preise die Wettbewerbsfähigkeit des Leguminosenanbaus beeinflussen würden. Auch die Auswirkungen verschiedener politischer Förderinstrumente werden dabei berücksichtigt. Die Akzeptanz bei den Landwirten sei ebenfalls wichtig, insbesondere hinsichtlich der Risikobereitschaft bei Ertragsschwankungen. Ökologische Faktoren wie Treibhausgasemissionen und die Stickstoffbilanz fließen ebenfalls in die Betrachtung ein.

Wissensaustausch und politische Empfehlungen

Die Arbeiten an der Universität Hohenheim werden vom Forschungszentrum für globale Ernährungssicherung und Ökosysteme (GFE) koordiniert. Henrik Maaß vom GFE betont die Bedeutung des Austauschs zwischen Wissenschaft und Praxis im Projekt TRUE. Das Forschungszentrum organisiert hierfür Veranstaltungen, die Projektpartner, Landwirte, Unternehmen, Organisationen und Verbraucher zusammenbringen. Informationen werden über Newsletter und soziale Medien verbreitet, um ein europaweites Leguminosen-Netzwerk aufzubauen.

Auch der Dialog mit der Politik ist ein zentraler Bestandteil des Projekts. Alicia Kolmans, Leiterin des GFE, erklärt, dass ein konkretes Ziel des Projekts die Erarbeitung politischer Empfehlungen ist. Diese sollen beispielsweise Förderinstrumente im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU betreffen, um die Wettbewerbsfähigkeit der Leguminosenanbauer zu sichern.

Hintergrund: Projekt TRUE

Das Projekt TRUE (TRansition paths to sUstainable legume-based systems in Europe) wird von der Europäischen Union im Rahmenprogramm Horizont 2020 mit insgesamt 5 Millionen Euro gefördert. Es sind 24 Projektpartner aus zehn Ländern beteiligt: Kroatien, Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Griechenland, Ungarn, Irland, Portugal, Slowenien, Spanien und Kenia. Die Koordination des Vorhabens liegt bei Dr. Pietro Iannetta vom James Hutton Institute in Schottland.

24.06.2017

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