Allgemeines, Gartengestaltung

Gartenfotograf Martin Staffler über Vielfalt und Schottergärten

Martin Staffler, Landschaftsgärtner und Fotograf, spricht über die Entwicklung der Pflanzenvielfalt in Gärten. Er beleuchtet Motive für vielfältige Gestaltungen und die Rolle von Fachleuten. Zudem äußert er sich kritisch zu Schottergärten und betont die Bedeutung von Inspiration und Austausch unter Gartenliebhabern.

Positive Entwicklung der Pflanzenvielfalt in Gärten

Im Hinblick auf die Pflanzenvielfalt in Gärten ist eine positive Entwicklung erkennbar. Staffler nennt als Beispiel Rosengärten: Während um 2002 noch Rosengärten in Monokultur weit verbreitet waren, werden Rosenbeete heute ästhetisch und vielfältig mit Stauden, Gräsern und Zwiebelpflanzen gestaltet. Dies führt zu mehr Abwechslung und einer längeren Blühdauer über das Jahr. Aktuelle Trends zeigen zudem Rosen mit einfachen, offenen Blüten, die Insekten einen gewissen Nutzen bieten. Der ökologische Wert und Nutzen von Gärten für die Tierwelt wird heute stärker beachtet.

Aus gestalterischer Sicht geht es bei der Pflanzplanung um die Schaffung von Räumen, Höhenstaffelung und Farbgebung. Staffler weist jedoch darauf hin, dass nicht alles, was fotografisch und gestalterisch reizvoll ist, zwangsläufig ökologisch wertvoll sein muss. Blickfänge wie Statuen, Brunnen oder Immergrüne sind für den optischen Eindruck wichtig, auch wenn sie nicht immer „lebendig“ sind. Um Akzeptanz zu schaffen und einen strukturlosen oder unordentlichen Eindruck zu vermeiden, empfiehlt er grüne Strukturen wie immergrüne Hecken als Hintergrund für vielfältige Beete. Dort können Gestaltungsideen wie Wiederholungen, Gruppierungen und Höhenstaffelungen umgesetzt werden, idealerweise so, dass die Beete natürlich wirken.

Motive für vielfältige Gärten und ökologische Aspekte

Die Motive für die Gestaltung vielfältiger Gärten sind unterschiedlich. Einerseits können Pflanzen zum Statussymbol werden, was sich in der Anschaffung großer, kostenintensiver Solitärbäume zeigt. Diese schaffen schnell einen Raum für weitere Gestaltungen. Andererseits folgen Gartenfreunde der ökologischen Spur, um im kleinen Gartenraum Ersatz für die artenärmer werdende Landschaft zu schaffen. Staffler äußert hier eine gewisse Skepsis, da sich im Allgemeinen nur Generalisten in den Garten locken lassen und selten gewordene Arten davon nicht profitieren. Dennoch können viele kleine Schritte einen wertvollen Beitrag leisten. Das Schlagwort vom „blühenden Garten rund ums Jahr“ ist ebenfalls präsent, wobei oft das Wissen für Pflanzungen fehlt, die nicht nur im Juni attraktiv sind.

Die Rolle der Fachleute im Kampf gegen Schottergärten

Viele Privatpersonen sind unsicher bei der Gartengestaltung und orientieren sich an der Umgebung. Wenn dort Schottergärten vorherrschen, passen sie sich oft an. Hier sieht Staffler die Rolle der Fachleute im Garten- und Landschaftsbau:

Da muss der Profi in die Diskussion gehen und sich beratend einbringen. Und diese Diskussion gehört zu unserem Beruf, das muss ich ganz klar sagen! Zur Not auch mal einen Schottergartenauftrag ablehnen (es geht hier gar nicht um einen „Garten“ im eigentlichen Sinn, ich bevorzuge den Ausdruck „Abstandsfläche“). Das macht den Gestalter glaubwürdiger und stärkt zugleich die gesamte Branche.

Professionelle Gartengestalter, die tiefgehendes Pflanzenwissen mitbringen und dieses in die Gestaltungswünsche der Kunden integrieren können, tragen dazu bei, dass der Garten als Lebensraum begriffen wird.

Inspiration und Wettbewerb unter Gartenliebhabern

Einen anstrengenden Wettbewerb unter Gartenbesitzern nimmt Staffler nicht wahr. Vielmehr geht es den meisten darum, sich in anderen Gärten Inspirationen zu holen. Man besucht sich gegenseitig, lobt und tauscht sich aus, was auch auf Social-Media-Plattformen zu beobachten ist. Die Begeisterung für Gärten kann so auf andere übergreifen, was der Vielfalt im Garten zugutekommt.

05.01.2022

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