Pflanzen und Pflanzenteile

Gräser im Garten- und Landschaftsbau: Vielseitigkeit und Struktur

Gräser bieten im Garten- und Landschaftsbau vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten, von naturnahen bis hin zu formalen Konzepten. Sie ordnen Räume, strukturieren Pflanzungen und schaffen Ruhepole. Ihre breite Farbpalette und unterschiedlichen Wuchsformen machen sie zu beliebten Gestaltungselementen.

Gestaltungspotenziale von Gräsern im Garten

Gräser vermitteln ein Gefühl von Freiheit und Leichtigkeit. Ob in Dünenlandschaften, auf Bergwiesen oder in Prärien – sie präsentieren sich selbstbewusst und unabhängig. Ihre Präsenz in der Natur ist oft mit Erholung und Freizeit verbunden, was zu ihrer positiven Wahrnehmung beiträgt.

Im Garten- und Landschaftsbau bieten Gräser vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten, von naturnahen bis hin zu formalen Konzepten.

Vielseitigkeit in der Gestaltung

Ingrid Gock, eine Pflanzplanerin aus Lübeck, hebt die Vielseitigkeit von Gräsern hervor. Sie hat auf nationalen und internationalen Gartenschauen mit großflächigen Gräser- und Staudenbändern gearbeitet und integriert Gräser auch in kleinere Gärten. Ein wichtiger Aspekt ist ihre Fähigkeit, Räume zu ordnen, Pflanzungen zu strukturieren und Ruhepole zu schaffen. Dies ist besonders relevant bei abwechslungsreichen und farbenfrohen Gestaltungen, um eine Reizüberflutung zu vermeiden.

Für die Verwendung als Leitpflanzen, die sich im Beet wiederholen, eignen sich vor allem horstbildende Gräser. Auf kleineren Flächen können kompakte Sorten wie Carex morrowii (Japan-Segge) oder Festuca cinerea (Blau-Schwingel) in teppichartige Mischpflanzungen oder geometrische Muster integriert werden. Auch für Pflanzgefäße auf Balkonen und Terrassen sind Gräser eine etablierte Wahl.

Farben und Strukturen jenseits des Grüns

Die breite Farbpalette der Gräser trägt zu ihrer Beliebtheit bei. Namen wie Blaustrahlhafer (Helictotrichon sempervirens), Weißrand-Japan-Segge (Carex morrowii 'Variegata'), Purpur-Rutenhirse (Panicum virgatum 'Shenandoah') und Fuchsrote Segge (Carex buchananii) weisen bereits auf ihre spezifischen Merkmale hin. Ingrid Gock betont, dass viele spätblühende Gräser eine attraktive Herbstfärbung entwickeln und ihre Blütenstände auch im Winter einen dekorativen Aspekt bieten.

Auch ohne auffällige Blüten können Gräser Gärten bereichern. In schattigeren Lagen bieten sie durch ihre vielfältigen Blattstrukturen und -oberflächen spannende Gestaltungsmöglichkeiten. Ingrid Gock schätzt beispielsweise die gelbgrünen Sorten des Japanischen Waldgrases (Hakonechloa macra) für ihren weich überhängenden Wuchs, der Licht in dunklere Bereiche bringt.

Entwicklung und Kauf von Gräsern

Viele Gräser benötigen zwei bis drei Jahre, um ihre volle Pracht zu entfalten. Obwohl der Kauf von Gräsern in großen Töpfen verlockend sein kann, empfiehlt Ingrid Gock für die Verwendung im Garten, auf die klassischen Gärtnergrößen im 9er- oder 11er-Topf zurückzugreifen. Die Geduld zahlt sich aus, da Gräser, die sich direkt im Gartenboden entwickeln, langlebiger sind.

Für ein sofortiges Volumen empfiehlt sie den Einkauf im Fachbetrieb, beispielsweise in einer Staudengärtnerei, und das direkte Zusammenpflanzen von drei 9er- oder 11er-Töpfen. Dies sei ein bewährter Trick auf Gartenschauen.

Pflanzung und Pflege von Ziergräsern

Ingrid Gock gibt Hinweise zur Pflanzung und Pflege von Ziergräsern:

  • Sortenwahl: Es ist ratsam, gezielt nach Sorten zu suchen, da sich Gräserarten in Wuchshöhe, Gestalt und Farbe stark unterscheiden können.
  • Wuchsverhalten: Einige Gräser bleiben an ihrem Platz, während andere sich über Ausläufer oder Samen ausbreiten. Für kleine Flächen sollten standorttreue oder sterile Sorten gewählt werden, die sich nicht über Samen vermehren.
  • Standort: Die Auswahl der Gräser sollte zum Standort passen. Neben Lichtverhältnissen (Sonne, Halbschatten, Schatten) spielt auch die Bodenart eine wichtige Rolle.
  • Bodenverbesserung: Viele Gräser bevorzugen durchlässigen, mageren Boden. Eine Drainage aus Splitt und gewaschenem Sand im Pflanzloch kann die Lebensdauer in frischeren und nährstoffreicheren Gartenböden erhöhen.
  • Pflanzzeit: Die optimale Pflanzzeit für Gräser ist das Frühjahr. Im Herbst sollte nur gepflanzt werden, wenn es unvermeidbar ist, und dann direkt Anfang September.
  • Rückschnitt: Gräser mit attraktiven Samenständen im Winter sollten erst im zeitigen Frühjahr zurückgeschnitten werden. Wintergrüne und immergrüne Gräser werden nicht zurückgeschnitten, sondern lediglich ausgeputzt. Bei Bedarf können sie nach einigen Jahren durch Teilen verjüngt werden.
  • Winterschutz: Wärmeliebende Gräser profitieren von einem Winterschutz. Dazu wird das Gras zurückgeschnitten und Fichtenreisig schräg in den Boden gesteckt. Die Zweige sollten nicht direkt aufliegen, um eine ausreichende Luftzirkulation zu gewährleisten.

16.06.2019

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