Die Entwicklung der Gartenschauen im Wandel der Zeit
Bundesgartenschauen (BUGAs) präsentieren sich seit ihrer Premiere 1951 in Hannover als Spiegelbild zeitgenössischer Gartengestaltung und Architektur. Sie gelten als modern und zukunftsweisend, bieten Anregungen für die Gartengestaltung und zeigen innovative Entwicklungen auf. Auch Kinder und Jugendliche finden durch altersgerechte Angebote Zugang zu Naturthemen. Für Stadtplaner sind BUGAs zudem ein Instrument der zukunftsorientierten Stadtentwicklung.
Trotz ihres innovativen Charakters haben Gartenschauen eine lange Tradition, deren Ursprünge im 18. Jahrhundert liegen. Diese Epoche der Aufklärung, geprägt von kritischem Denken und gesellschaftlichem Wandel, führte zu Entdeckungsreisen. Seefahrer wie der Engländer James Cook erforschten im Auftrag der Regierung die Südhalbkugel. Cook wurde 1769 auf seiner Reise zur Erkundung des Gebiets südlich des 40. Breitengrades vom Botaniker Joseph Banks begleitet. Banks, der die Expedition mitfinanzierte, kehrte drei Jahre später mit zahlreichen exotischen Pflanzen aus dem heutigen Australien zurück, darunter Eukalyptus, Mimose und Akazie. Eine von ihm entdeckte Gattung der Silberbaumgewächse wurde nach ihm als "Banksia" benannt.
Neben Cook und Banks erkundeten weitere Entdecker, vorwiegend aus England, Spanien und Frankreich, aber auch aus den Niederlanden, Belgien und Dänemark, unbekannte Teile der Welt. Viele dieser Seefahrer brachten fremde Pflanzen mit nach Hause. Dies weckte in den wohlhabenden Gesellschaftsschichten ein neues Interesse am Sammeln und Kultivieren exotischer Pflanzen. Seltene und exotische Spezies wurden zu begehrten Objekten, für die hohe Summen gezahlt wurden. Der Besitz botanischer Raritäten erfüllte die Reichen mit Stolz.
Bald reichte der bloße Besitz nicht mehr aus; die Sammler wollten ihre pflanzlichen Schätze auch präsentieren. Dies führte zur Entstehung der ersten privaten Pflanzenschauen. Auch die nicht-adelige, aber vermögende Bürgerschaft wollte sich mit Pflanzen umgeben. Neben den bestehenden Hof- und Herrschaftsgärtnereien entstanden Handelsgärtnereien, um die wachsende Nachfrage zu bedienen. Verkaufsausstellungen der Handelsgärtner entwickelten sich zur nächsten Stufe der Pflanzenschauen. Exotische Pflanzen galten als Trendprodukt.
Mit der Zeit schlossen sich Gleichgesinnte in Vereinen und Verbänden zusammen. In England und Belgien entstanden die ersten Pflanzengesellschaften. Im Gebiet des Deutschen Bundes wurde 1822 auf Veranlassung von Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. der erste Gartenverein gegründet, gefolgt von weiteren Vereinigungen wie dem sächsischen "Verein für Blumistik und Gartenbau" und der Dresdner "Gesellschaft für Botanik und Gartenbau".
Die Organisation und Durchführung von Pflanzenschauen gehörte zu den Hauptaufgaben dieser Vereine. Jede Vereinigung veranstaltete eigene Schauen, was schnell zu einem Wettbewerb führte. Jeder wollte die schönsten, besten und exotischsten Pflanzen präsentieren. Handelsgärtner konnten es sich kaum leisten, bei solchen Schauen nicht vertreten zu sein. Dies führte zu immer größeren Veranstaltungen, die schließlich auch international wurden. Die erste internationale Blumenausstellung fand 1837 in Gent statt, veranstaltet von der belgischen Société d’Agriculture. Es dauerte 32 Jahre bis zur ersten Internationalen Gartenbauausstellung (IGA) auf deutschem Boden.
Die erste deutsche IGA in Hamburg 1869 war mit rund 420 Ausstellern aus neun europäischen Ländern und den USA ein großer Erfolg. Weitere 28 Jahre vergingen bis zur zweiten IGA, ebenfalls in Hamburg. Die Konzepte der Pflanzenschauen hatten sich grundlegend gewandelt: Von der reinen Produktpräsentation entwickelten sie sich zu Gesamterlebnissen. Das Ausstellungsgelände wurde integraler Bestandteil der Schau, wobei jeder Baum, Strauch und jede Blume zum Gesamtbild beitrug. Dies erforderte mehr Arbeit, Aufwand und finanzielle Mittel. Die bis dahin übliche Öffnungsdauer von etwa zwei Wochen war nicht mehr ausreichend, weshalb der Zeitraum einer Gartenschau erstmals deutlich verlängert wurde, von Mai bis Oktober. Damit war das erste sommerlange Gartenfest geboren.
Der Erfolg der zweiten Hamburger IGA löste einen Boom an Gartenschauen aus. 1925 wurden allein in Deutschland 28 Gartenschauen gezählt. Um sich abzuheben, gaben die Veranstalter ihren Schauen klangvolle Namen. Aus dieser Zeit stammt die Bezeichnung "Gruga" für die Große Ruhrländische Gartenbauausstellung 1927 in Essen. Heute ist Gruga der Name des Parkgeländes der BUGA 1965. Ab 1936 wurden Reichsgartenschauen veranstaltet, die während der Kriegsjahren ausgesetzt wurden. Trotz der Kriegserlebnisse blieb die Freude an der Natur und schönen Gärten erhalten. Schon vier Monate nach Kriegsende öffnete in Erfurt wieder eine Gartenschau. Es dauerte jedoch sechs Jahre, bis im beginnenden Wirtschaftswunder die erste Bundesgartenschau stattfand.
1951 waren in Deutschland noch erhebliche Kriegsschäden sichtbar. Viele Städte sahen in der vom Zentralverband Gartenbau (ZVG) ausgeschriebenen ersten BUGA eine Chance für den Wiederaufbau und die Steigerung ihrer Attraktivität. Hannover wurde als Austragungsort gewählt. Bundespräsident Theodor Heuss und seine Gattin Elly Heuss-Knapp eröffneten die BUGA am 28. April 1951 im Stadthallengarten. Dies markierte den Beginn einer erfolgreichen Veranstaltungsreihe, die zu einem festen Bestandteil des deutschen Kulturlebens wurde.
Über vierzig Jahre lang war der ZVG der federführende Verband für die Vergabe und Durchführung von BUGAs und IGAs. Ende der 1980er-Jahre erreichten diese Aufgaben eine Dimension, die ein einzelner Verband nicht mehr bewältigen konnte. Dies führte 1993 zur Gründung der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft (DBG) in Bonn. In der DBG haben sich neben dem ZVG auch der Bund deutscher Baumschulen (BdB) und der Bundesverband GaLaBau e.V. (BGL) als Partner für die Vergabe von BUGAs, IGAs und Internationalen Gartenschauen (IGS) zusammengeschlossen.
Zwischen den ersten privaten Gartenschauen im 18. Jahrhundert und der BUGA 2007 in Gera und Ronneburg liegen weit mehr als einhundert Jahre. Eine Bundesgartenschau ist heute ein zukunftsweisendes Großereignis für die ausrichtende Stadt oder Region. Im Vordergrund stehen nicht mehr einzelne Pflanzenraritäten, sondern die umfassende Landschafts-, Stadt- und Regionalentwicklung. Die heutigen Hallen- und Freilandschauen einer BUGA sind eine Leistungsschau der innovativen grünen Branche und unterscheiden sich grundlegend von den Ausstellungen der ersten Handelsgärtner. Der moderne Gärtner ist heute mehr als nur ein handwerklicher Pflanzenfachmann.
Die Liebe zu Pflanzen und die Freude an schönen Anlagen und Parks haben sich über die Jahre erhalten. Allerdings betrachten die Menschen Pflanzen und Grünanlagen heute mit anderen Augen. Sie sind sich der Bedeutung der Natur für ihre Lebensqualität bewusst und wissen, dass auch städtische Bereiche viel Natur benötigen. Gartenschauen unterstützen die Bevölkerung und Stadtverantwortliche dabei und sind daher heute wichtiger denn je. Die nächste BUGA findet 2009 in Schwerin statt.