Warum Flächenentsiegelung wichtig ist
Vorgärten und Auffahrten sind oft vollständig versiegelt, was als pflegeleichte Lösung erscheint. Eine naturnahe Umgestaltung dieser Flächen kann jedoch die Sicherheit und Wohnqualität erhöhen.
Längere Hitzeperioden und starke Regenfälle nehmen auch in NRW zu. Derartige Wetterextreme wirken auf natürlich gestaltete Flächen weniger belastend. Daher sollten Grundstücks- und Eigenheimbesitzer:innen über die Entsiegelung von Flächen rund um ihr Zuhause nachdenken.
Dies rät Sara Luz vom Projekt Klimafolgen und Grundstücksentwässerung (KluGe) der Verbraucherzentrale NRW.
Vorteile entsiegelter Flächen
Entsiegelte Flächen verhindern örtliche Überschwemmungen. Bei gepflasterten und verfugten Vorgärten kann Regenwasser nicht versickern, wodurch das Grundwasser nicht aufgefüllt wird. Bei Starkregen staut sich das Wasser an der Oberfläche und kann zu Überflutungen von Flächen, Wegen oder vollgelaufenen Kellern führen. Ein naturnah gestalteter und entsiegelter Vorgarten stellt die natürlichen Bodenfunktionen wieder her und schützt das Grundstück vor Überschwemmungen.
Ein weiterer Vorteil entsiegelter Flächen zeigt sich bei Hitze. Unversiegelter Boden heizt sich weniger auf. Wo Wasser versickern kann und Pflanzen wachsen, ist der Boden durch Verdunstung frischer und kühlt nachts besser ab. Solche Flächen sorgen in heißen Sommerperioden für angenehmere Temperaturen rund ums Haus im Vergleich zu aufgeheizten Pflasterflächen.
Umsetzung der Entsiegelung
Der wichtigste Schritt bei der Entsiegelung ist die Auflockerung des Bodens. Zuerst müssen versiegelnde Materialien wie Asphalt, Beton oder Pflastersteine vollständig entfernt werden. Anschließend sind Tragschichten und Aufschüttungen wie Schotter, Kies oder Splitt ganz oder teilweise zu entsorgen. Die anschließende Lockerung des verdichteten Bodens ist entscheidend, damit Regenwasser wieder natürlich versickern kann.
Eigentümer können versiegelte Wege und Bereiche auf ihrem Grundstück oder in Gartenflächen oft selbst mit Hacke und Schaufel entsiegeln. Pflaster, Schotter, Kies oder Splitt lassen sich mit eigenem Körpereinsatz entfernen. Der Abbau von Beton- und Asphaltdecken erfordert hingegen meist den Einsatz eines Fachbetriebs, da hierfür schweres Gerät notwendig ist.
Geeignete Bodenbeläge und Kosten
Um die Versickerung von Regenwasser zu gewährleisten, eignen sich je nach Flächennutzung verschiedene Alternativen. Dazu gehören Bepflanzungen mit Stauden, Gehölzen oder Rasen, aber auch Schotterrasen, durchlässiger Kies, Holzhäcksel, Holzroste, Rasengittersteine oder Pflaster mit großen offenen Fugen. Ein Schotterrasen ist dabei nicht mit einem Schottergarten zu verwechseln, da Letzterer durch Folien oder Vliese keine Versickerung ermöglicht.
Die Kosten für Abbruch, Entsorgung und Neugestaltung können erheblich sein. Einige Kommunen in Nordrhein-Westfalen bieten daher Förderungen für die Entsiegelung von Flächen an. Interessenten sollten sich vor Ort über mögliche Vorgaben zur Gestaltung von Vorgärten und Förderprogramme informieren. Ein weiterer finanzieller Vorteil kann sich bei den Abwassergebühren ergeben: Für vollständig entsiegelte Flächen entfallen auf Antrag die Niederschlagswassergebühren.
