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Grün im Fokus: Der Garten- und Landschaftsbau als Krisenanker und Klimaschützer

Der Garten- und Landschaftsbau (GaLaBau) in Baden-Württemberg verzeichnete 2021 ein Umsatzplus von über vier Prozent und erreichte 1,87 Milliarden Euro. Trotz dieses Wachstums kämpft die Branche mit Fachkräftemangel und Preissteigerungen, positioniert sich aber gleichzeitig als wichtiger Partner im Kampf gegen den Klimawandel.

Umsatzwachstum und Fachkräftesicherung im GaLaBau Baden-Württemberg

Der Garten- und Landschaftsbau (GaLaBau) in Baden-Württemberg verzeichnete im Jahr 2021 erneut ein Umsatzplus von über vier Prozent und erreichte 1,87 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Zuwachs von rund 90 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr. Die Branche erwies sich damit auch im zweiten Jahr der Pandemie als stabil. Bundesweit betrug der Umsatz des GaLaBaus 9,68 Milliarden Euro.

Wachstumstreiber sind weiterhin private Hausgärten, die in Baden-Württemberg über 62 Prozent des Umsatzes ausmachen. Aufträge der öffentlichen Hand blieben mit 17 Prozent konstant, während Industrie und Gewerbe etwas über 18 Prozent zum Umsatz beitrugen. Die Mitgliederzahl des Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg (VGL BW) stieg um 1,5 Prozent auf 809 Betriebe.

Trotz des Wachstums steht die Branche vor Herausforderungen wie dem Fachkräftemangel. Die Zahl der gewerblichen Arbeitnehmer stieg zwar um knapp 2,5 Prozent, doch der Mangel an verfügbaren Fachkräften hemmt weiteres Wachstum. Der VGL BW begegnet diesem Problem aktiv: Die Gesamtzahl der Ausbildungsverhältnisse erhöhte sich um zwei Prozent auf 1.475 in Baden-Württemberg (bundesweit 7.637). Im Jahr 2021 wurden 600 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen und 29 neue Ausbildungsbetriebe anerkannt.

„Die Gesamtzahl der Ausbildungsverhältnisse entwickelte sich mit einem Zuwachs von zwei Prozent und aktuell 1.475 Ausbildungsverhältnissen (bundesweit 7.637) erneut positiv in Baden-Württemberg. Die 600 neuen Ausbildungsverträge in 2021 sowie 29 neu anerkannten Ausbildungsbetriebe zeigen, wie wir mit eigenen Mitteln das Problem des Fachkräftemangels aktiv angehen“, so Martin Joos, Vorstandsvorsitzender des VGL BW.

Zur Fachkräftesicherung startete der VGL BW gemeinsam mit den Landesverbänden in Bayern und Nordrhein-Westfalen die Social-Media-Kampagne „Wechsle über dich hinaus“. Diese hebt die Krisensicherheit und den Beitrag des GaLaBaus zu Natur und Umwelt hervor. Zusätzlich bieten „diedreivomgalabau“ auf TikTok und Instagram Einblicke in den Ausbildungsberuf.

Preissteigerungen und Materialengpässe belasten die Kalkulation

Neben dem Fachkräftemangel stellen Preissteigerungen bei Materialien und Verzögerungen bei Vorgewerken erhebliche Herausforderungen dar. Die Kalkulation von Aufträgen wird dadurch komplexer und aufwendiger. Im letzten Jahr war Überzeugungsarbeit bei Auftraggebern notwendig, um Kostensteigerungen durch Preisanpassungen auszugleichen.

Die Preisentwicklung zeigt deutliche Sprünge: Betonstahl verteuerte sich um rund 45 Prozent, Bauholz um knapp 60 Prozent gegenüber Januar 2021. Hinzu kommen gestiegene Energiekosten, wie über 30 Prozent höhere Dieselpreise im Vergleich zum Vorjahresmonat. Auch Pflanzen sind durch CO2-Bepreisung, höhere Einkaufspreise für Jungpflanzen und knappe Verfügbarkeit teurer geworden, mit Preissteigerungen von 10 bis 15 Prozent im Jahr 2021. Aufgrund der hohen Nachfrage während der Pandemie und dem daraus resultierenden Ausverkauf in vielen Sortimenten sind weitere Preissteigerungen zu erwarten.

Der GaLaBau als Partner im Kampf gegen den Klimawandel

Die größte Herausforderung für die Branche ist der Klimawandel. Der VGL BW hat im September 2021 auf dem Verbandskongress des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e.V. einen Antrag gestellt, um die Politik und Öffentlichkeit von der Rolle der GaLaBau-Fachbetriebe bei der Abmilderung der Klimawandelfolgen zu überzeugen. Ziel ist es, die Arbeit der Fachbetriebe in Klimaschutzprogrammen zu verankern und bei der Vergabe von Fördermitteln und Aufträgen zu berücksichtigen.

Städte sind maßgeblich vom Klimawandel betroffen und können durch ihren baulichen Aufbau die Krise verstärken. Eine Entwicklung hin zu mehr Stadtgrün ist daher unerlässlich. Dies umfasst die Reduzierung des Individualverkehrs, die Nutzung erneuerbarer Energien, die energieeffiziente Sanierung von Gebäuden und die Entsiegelung von Flächen.

„Und hier kommen wir Landschaftsgärtner/innen dann gleich mehrfach mit unserer Expertise zum Einsatz“, betont Erhard Schollenberger, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des VGL BW. „Neben dem Wissen um hitzetolerante Stadtbaum-Arten und die entsprechenden notwendigen Standortvorkehrungen, damit diese auch langfristig wachsen, kennen wir uns auch bei modernen Fassaden- und Dachbegrünungen bestens aus. Zu unseren Lösungsideen gehören zudem nutzbare Retentionsräume für anfallendes Niederschlagswasser in den Städten.“

Die Ableitung von Niederschlagswasser über überlastete Kanalsysteme gilt als überholt. Zukünftig wird dieses Wasser dringend zur Kühlung der Städte benötigt. Schollenberger plädiert für die Nutzung aller möglichen Lösungsstrategien, um Städte zügig anzupassen.

Grün und Blau in der Stadtentwicklung: Das Schwammstadtprinzip

Urbane Räume benötigen eine Transformation, die sich an den Bedürfnissen der Bewohner orientiert. Quartiere, die Wohnen, Arbeiten und Freizeit vereinen, reduzieren Verkehr und schaffen Freiflächen für mehr Grün. Schollenberger ist überzeugt: „Die Zukunft unserer Städte wird über grüne Freiräume entschieden.“

Eine nachhaltige Stadtentwicklung ist ökonomisch erfolgreich, ökologisch wertvoll und sozial gerecht. Städte mit viel Glas, Beton und versiegelten Flächen leiden unter dem Hitzeinseleffekt. Pflanzen hingegen kühlen die Luft durch Verdunstung und verhindern durch Schatten eine Aufheizung. Eine clevere Umnutzung von Flächen kann somit Umwelt- und Klimaschutz fördern.

Parks und Grünflächen fungieren als grüne Lungen, die für Luftaustausch und nächtliche Abkühlung sorgen. Wasserflächen wie Seen, renaturierte Flüsse, Rinnen und Gräben unterstützen diesen Effekt, indem sie Niederschlagswasser in unterirdische Retentionsflächen oder Teiche leiten. Der Kühlungseffekt entsteht auch hier durch Verdunstung. Das gespeicherte Niederschlagswasser kann zur Bewässerung von Dach- und Fassadenbegrünungen, Stadtbäumen, Parks und Sportflächen genutzt werden.

„Bei derartigen Systemen spricht man vom Schwammstadtprinzip: Der vorbereitete Unterbau saugt über verschiedene technische Finessen die Niederschläge auf und speichert diese, um sie bei Bedarf an die Pflanzen abzugeben. Ein solches Wassermanagement ist beispielsweise ideal für den Erhalt von Stadtbäumen in Straßenzügen, die ansonsten genauso wie wir Menschen unter Hitze und Dürre leiden“, erläutert Schollenberger.

Bestehende Parks können durch Umstrukturierungen zu Multifunktionsflächen werden, die neben Erholung auch Wasserspeicherung ermöglichen. Offene Mulden und Gräben leiten Wasser an der Oberfläche und strukturieren Räume. Schollenberger empfiehlt einen Maßnahmenmix, da eine einzelne Strategie die Folgen des Klimawandels nicht minimieren kann.

Investitionen in städtisches Grün steigern zudem den Wert von Immobilien und machen Arbeitsplätze attraktiver. Eine Forsa-Umfrage von Juni 2020 zeigte, dass 97 Prozent der Stadtbevölkerung öffentliche Grünflächen nutzen, und jeder Vierte seit der Corona-Krise noch häufiger. Die Nähe zu Grünflächen (fünf Minuten Fußweg) erhöht die Nutzungshäufigkeit. In Großstädten über einer Million Einwohner sind Bewohner jedoch oft unzufrieden mit dem Pflegezustand der Grünanlagen und wünschen sich mehr Sitzmöglichkeiten, Spielgelegenheiten, Wasserflächen und Sportmöglichkeiten.

Das Projekt „GrüneLunge“ am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) erforscht gemeinsam mit Partnern die Widerstands- und Anpassungsfähigkeit städtischer Bäume und Wälder, die durch den Klimawandel und neue Schädlinge gefährdet sind. Ziel ist ein optimiertes Baum-Management-System zur Klimaanpassung und die Sensibilisierung der Gesellschaft für die Bedeutung grüner Städte, da Grün das physische und psychische Wohlbefinden der Menschen verbessert. Aktuell gibt es in Deutschland eine halbe Million verwaister Baumscheiben.

Dächer, Fassaden und Hinterhöfe als grüne Oasen

Jeder Baum und jeder Quadratmeter Grün in der Stadt sind wichtig. Die Entsiegelung von Hinterhöfen ermöglicht nicht nur Erholung, sondern auch die Versickerung von Niederschlagswasser oder dessen Auffangen in Zisternen. Dachflächen bieten ebenfalls Potenzial für Gärten, Gemüse- und Obstanbau, sofern Statik und Sicherheit dies zulassen. Bei Neubauten kann die Integration von Grünflächen und „GardenOffice“-Konzepten bereits in der Planung berücksichtigt werden.

Dachbegrünungen speichern je nach Bauart 50 bis 90 Prozent des Niederschlagswassers. Das restliche Wasser kann in Retentionsräumen auf dem Dach verbleiben, was eine optimale Wasserversorgung für die Pflanzen und eine kühlende Verdunstung für ein angenehmes Kleinklima schafft. „Mit dem entsprechenden Fachwissen gelingt es inzwischen sogar, eine gewisse Biodiversität auf diese Dachflächen zu holen“, so Uschi App, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des VGL BW.

Auch Fassadenbegrünungen tragen dazu bei, dass sich Gebäude weniger aufheizen und weniger Wärme an die Umgebung abgeben. Die Beschattung kann zudem den Bedarf an Klimaanlagen in Innenräumen reduzieren. Das Bundesbauministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen hat den Bundespreis Stadtgrün 2022 mit dem Schwerpunkt „Klimaanpassung und Lebensqualität“ ausgelobt, dotiert mit 100.000 Euro Preisgeldern.

Förderprogramme und Gartenschauen als Motor für Stadtentwicklung

Kommunen erhalten finanzielle Unterstützung für grüne Vorhaben, beispielsweise durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Mehr Stadtgrün fördert die Gesundheit, schafft Begegnungs- und Bewegungsräume, filtert Feinstaub und Schadstoffe, fördert die Artenvielfalt, verbessert Lebensräume und vermeidet Hitzeinseln. Dies führt zu besseren CO2-Werten und einem angenehmen Mikroklima.

Die Verwaltungsvereinbarung Städtebauförderung 2021 stellt den Ländern 790 Millionen Euro an Finanzhilfen zur Verfügung. Die Förderung ist seit 2020 einfacher, flexibler und grüner, mit Fokus auf die Programme „Lebendige Zentren“, „Sozialer Zusammenhalt“ sowie „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“. Neu ist die Fördervoraussetzung Klimawandel/Klimaanpassung einschließlich Stadtgrün für alle Bund-Länder-Programme. Einzelne Bundesländer ergänzen diese Fördermöglichkeiten mit eigenen Programmen.

Gartenschauen sind ein wichtiger Impulsgeber für die Stadtentwicklung und die Verbesserung der urbanen Lebensqualität. „Gartenschauen sind der grüne Startpunkt für Stadtentwicklungsprozesse hin zu mehr urbaner Lebensqualität“, erklärt App. Sie schaffen zukunftsorientierten Lebensraum für kommende Generationen, inklusive neuer Sport-, Spiel- und Mobilitätsangebote. Die sogenannte Daueranlage bietet einen Mehrwert für die Bevölkerung, der über Jahrzehnte erhalten bleibt.

Neue Radwegenetze, die Erschließung von Flüssen und neue Parks sind Beispiele für Maßnahmen, die im Rahmen von Gartenschauen umgesetzt werden. Parallel dazu entstehen oft neue Wohnlösungen, wie auf dem Gelände der Bundesgartenschau in Heilbronn (2019). Aufgeschobene städtische Projekte für eine bessere Infrastruktur werden gefördert und kommen allen zugute. Gartenschauen fördern auch den Tourismus und schaffen bleibende Erinnerungen.

Landesgartenschau Neuenburg am Rhein (2022)

Die Landesgartenschau in Neuenburg am Rhein, die am 22. April 2022 beginnt, verbindet Stadt, Land und Fluss. Unter dem Motto „Weil es uns zusammenbringt“ entstanden neue Naherholungs- und Freizeitbereiche am Rhein. Ein Wegenetz führt durch die Rheinwiesen, und die Rheinterrasse mit ihrer 665 Meter langen und 35 Meter breiten Parkpromenade ist ein Hauptelement der Schau. Landschaftsgärtner präsentieren Schaugärten, die Inspiration für den eigenen Garten bieten, inklusive Wellness-Trends wie Sauna und Pool. Das Konzept des „GardenOffice“ wird ebenfalls vorgestellt.

Gartenschau Eppingen (2022)

Ab dem 20. Mai 2022 präsentiert die Gartenschau in Eppingen ihren „Grünen Bogen“ rund um die historische Altstadt. „Die nachhaltige Aufwertung der öffentlichen Freiräume durch eine harmonische Verwebung von Stadt und neuem Grün wird hier zum vollen Genuss“, berichtet App. Fünf regionale Betriebe zeigen am Zusammenfluss von Elsenz und Hilsbach, wie Lebensqualität im Garten gesteigert werden kann. Highlights sind der Kraichgaugarten, der Garten der Sinne mit Wasserspielen und ein Sportplatz der Gegensätze. Ein Wellness- und Urlaubsgarten rundet das Angebot ab.

Nach dem Gartenschau-Sommer 2022 folgt im April 2023 die Bundesgartenschau in Mannheim. „Auch hier präsentieren sich die Landschaftsgärtner/innen aus Baden-Württemberg mit außergewöhnlichen Gärten und einem breiten Veranstaltungsprogramm wie immer äußerst nachhaltig und fachkompetent“, blickt App voraus.

Der Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg e.V.

Der VGL BW vertritt als Wirtschafts- und Arbeitgeberverband die Interessen der Grünen Branche auf Landesebene. Er organisiert derzeit 809 Fachbetriebe, die private, öffentliche oder gewerbliche Garten- und Außenanlagen konzipieren, bauen, umgestalten und pflegen. Dazu gehören private Gärten, Außenanlagen für Wohn- und Gewerbebauten, Schwimmteiche und Dachbegrünungen. Die Experten für Garten und Landschaft tragen zur Schaffung und Erhaltung einer grünen, lebenswerten Umwelt bei.

10.03.2022

Weitere Informationen erhalten Sie hier:

Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg e. V.

Filderstr. 109 / 111
70771Leinfelden-Echterdingen
Deutschland

Tel.:+49 711 97566-0
Fax:+49 711 97566-20

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