Bodenversauerung: Ursachen, Folgen und die Rolle der Waldkalkung
Die EU-Kommission hat Strategiepläne für die Waldbewirtschaftung und den Bodenschutz vorgelegt, die den Schutz des Bodens vor Degeneration betonen. In regenreichen Klimazonen ist die Bodenversauerung durch Wasserversickerung ein natürlicher Prozess. Allerdings wurde dieser Prozess auf versauerungsgefährdeten Standorten über Jahrzehnte durch menschliche Säureeinträge erheblich verstärkt.
Seit etwa 40 Jahren existieren daher Waldkalkungsprogramme der Bundesländer, die staatlich gefördert werden. Ziel ist es, die Wälder widerstandsfähiger gegenüber dem Klimawandel zu machen. Dies wird vorrangig durch den Waldumbau mit einem höheren Anteil an Laubbaumarten auf ehemaligen Nadelwaldstandorten angestrebt. Dieser Umbau kann jedoch nur erfolgreich sein, wenn die Böden nicht zu sauer sind.
Laubbaumarten benötigen in der Regel höhere pH-Werte als Nadelbaumarten. Niedrige pH-Werte schwächen das Wurzelsystem der Bäume und beeinträchtigen somit die Stabilität des Waldes. In sehr sauren Böden (pH-Werte unter 4,2, dem Aluminiumpufferbereich) ist das Wachstum der Baumwurzeln eingeschränkt. Dies liegt daran, dass Aluminium in der Bodenlösung verstärkt toxisch auf die Wurzeln wirkt. Bei pH-Werten unter 4,2 im Mineralboden bilden sich daher weniger Feinwurzeln in der obersten Mineralbodenschicht.
Die Wurzeln suchen in solchen Fällen Nährstoffe im organischen Auflagehorizont. Dies führt dazu, dass Bäume bei Trockenheit, wie sie in den Jahren 2018/19 auftrat, weniger Wasser erschließen können. Ein eingeschränktes Wurzelsystem und eine schlechte Verankerung verringern die Stabilität der Wälder, die angesichts häufigerer Stürme und Trockenphasen jedoch dringend benötigt wird.
Bodenschutzkalkung hat sich als Teil einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung bewährt. Daher muss sie – bei entsprechenden Boden-pH-Werten – als Teil der ‘Guten fachlichen Praxis‘ gelten.
Dies resümiert Dr. Reinhard Müller von der Düngekalk-Hauptgemeinschaft.
