Naturschutz, Pflanzen und Pflanzenteile

Heimische oder nicht heimische Arten – was nützt den Insekten?

Der Bund deutscher Staudengärtner (BdS) und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) suchen den Dialog zum Thema insektenfreundliche Pflanzen. Sie erwägen eine Koordination von Versuchsansätzen, um die Insektenpopulationen nachhaltig zu stärken.

Pflanzenwanderung und die Bedeutung der Sortimentsbreite

Till Hofmann, Staudengärtnermeister aus Rödelsee, erläuterte bei einer Journalistenreise des Bundes deutscher Staudengärtner (BdS) in Weihenstephan, dass viele als heimisch wahrgenommene Pflanzen nach offizieller Definition oft nicht heimisch sind. Er skizzierte die evolutionäre Wanderung von Pflanzen seit der letzten Eiszeit sowie die Einführung von Pflanzen durch Menschen aus verschiedenen Gründen.

Pflanzen haben sich demnach stets bewegt und freie oder gestörte Biotope besiedelt. Hofmann stellte fest, dass Pflanzenbewegungen Symptome einer veränderten Landschaftsnutzung sind und aktuell eine hohe Dynamik aufweisen. Staudengärtner benötigen ein breites Sortiment, um auf diese Veränderungen reagieren zu können. Pflanzen müssen robust sein, um Standortprobleme zu bewältigen, als Nahrung für Menschen und Tiere zu dienen oder Funktionen im Naturkreislauf sowie bei ingenieurbiologischen Maßnahmen zu erfüllen.

Herausforderungen für Bienen und die Pflanzenwahl

Untersuchungen der Ludwig-Maximilian-Universität in München zur Bienendiskussion zeigten, dass die Spezialisierung auf einen Lebensraum und eine Flugzeit im Spätsommer Bienenpopulationen stark gefährden. Im Spätsommer stehen nur noch wenige heimische Arten als Bienenweide zur Verfügung. Zudem sind heimische Pflanzen dem Stadtklima oft nicht gewachsen.

Magnus Wessel, Leiter Naturschutzpolitik und -koordinierung des BUND, sprach sich für eine vorrangige Verwendung heimischer Pflanzen aus. Staudengärtner sehen es hingegen als notwendig an, für kommende Herausforderungen auch weiterhin mit heimischen Pflanzen aus anderen Regionen zu experimentieren. Sie gehen dabei verantwortungsvoll mit Neueinführungen um und testen diese etwa 10 bis 15 Jahre lang auf ihre Ansprüche und Ausbreitungstendenzen. Gefährliche invasive Arten wurden von Gartenbaubetrieben bereits vor einer offiziellen Listung aus dem Sortiment genommen.

Einigkeit bestand darin, dass kurzfristige Aussaaten nur einen kurzfristigen Effekt haben und Insekten mehr umfassen als nur Bienen und Schmetterlinge. Laut Wessel sind etwa fünf bis sechs Jahre notwendig, um eine Population in einem Lebensraum zu festigen.

06.08.2019

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