Anpassung urbaner Räume durch Baumbegrünung
Die Gestaltung urbaner Räume wird sich in den kommenden zehn Jahren maßgeblich verändern, insbesondere im Hinblick auf die Baumbegrünung. Angesichts des Klimawandels ist eine Zunahme von hitze- und trockenheitstoleranten Baumarten wie Ginkgo, Eisenholzbaum und Zerreiche zu erwarten. Diese sogenannten Zukunftsbäume sollen in Städten Schatten spenden und zur Kühlung beitragen.
Die Produktion dieser Bäume ist jedoch zeit- und kostenintensiv. Sie erfordert eine aufwendige Züchtung in Baumschulen. Christoph Dirksen von der Baumschule Ley beschreibt dies als eine große Herausforderung für die Branche. Die Nachfrage nach Zukunftsbäumen ist in den letzten drei Jahren stark gestiegen, was er als „Greta-Effekt“ bezeichnet. Landschaftsarchitekten, Planer und Grünflächenämter suchen verstärkt nach diesen Arten, wobei es jedoch keinen einzelnen idealen Zukunftsbaum gibt.
Zukunftsbaumliste gibt Orientierung für Anwender
Um eine breite Diversität zu fördern und einen einseitigen Fokus auf wenige Arten zu vermeiden, veröffentlichten die Deutsche Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) und der Bund deutscher Baumschulen (BdB) im Jahr 2021 die Broschüre „Zukunftsbäume für die Stadt“. Diese enthält eine Empfehlungsliste mit 65 zukunftsfähigen Baumarten. Trotz dieser Empfehlung konzentriert sich die aktuelle Nachfrage oft auf wenige Arten wie Feldahorn (Acer campestre), Linde (Tilia tomentosa) oder Amberbaum (Liquidambar).
Dirksen betont die Bedeutung von Diversität und einer Mischung aus neuen und bewährten Baumarten. Das etablierte Sortiment umfasst über 500 Sorten, darunter Klassiker wie Platane (Platanus hispanica), Linde (Tilia pallida) und Spitzahorn (Acer platanoides), die weiterhin relevant und verfügbar sind. Dennoch ist die allgemeine Verfügbarkeit von Bäumen derzeit sehr begrenzt, eine Situation, die voraussichtlich noch mindestens zehn Jahre anhalten wird.
Baumproduktion braucht Zeit
Der Begriff „Warteliste“ ist in der Geschichte der Baumschulen neu und wird die kommenden Jahre prägen. Viele aktuelle Bestellungen können erst im nächsten oder übernächsten Jahr geliefert werden. Die Produktion eines Zukunftsbaumes dauert laut Dirksen mindestens zehn Jahre, bei bestimmten Arten sogar bis zu 20 Jahre, bis aus einem Sämling ein Alleebaum herangewachsen ist.
Besonders lange Wachstumszeiten weisen Arten wie der Französische Ahorn (Acer monspessulanum), die Kornelkirsche (Cornus mas) oder der Eisenholzbaum (Parrotia persica) auf. Auch der Ginkgo, insbesondere die säulenförmige Sorte 'Fastigiata Blagon', ist wegen seiner Herbstfärbung gefragt. Der Produktionsablauf und der Zeitaufwand für Zukunftsbäume sind teilweise erheblich höher und fachlich anspruchsvoller, da einige Arten, wie der Französische Ahorn, nicht geradlinig wachsen. Diese Herausforderungen werden durch einen Fachkräftemangel und die Halbierung der Baumschulanzahl auf rund 1.700 Betriebe in den letzten 20 Jahren verstärkt.
Baumschulen bleiben Partner für Zukunftsbäume und Stadtgrün
Christoph Dirksen unterstreicht die zentrale Rolle der Baumschulen für die Begrünung und die Verbesserung klimawandelgestresster Innenstädte. Der „Greta-Effekt“ wird seiner Einschätzung nach bestehen bleiben. Er merkt an, dass viele der heute gefragten „neuartigen“ Zukunftsbäume den Baumschulen bereits vor Jahren bekannt waren, damals aber keine Nachfrage bestand. Die Weitsicht bei der Züchtung und Pflanzung der richtigen Baumarten für die Bedürfnisse in zehn oder zwanzig Jahren bleibt daher ein „gewisses Lotteriespiel“.
Broschüre „Zukunftsbäume für die Stadt“
Die gemeinsam mit der Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) herausgegebene Empfehlungsliste ist digital verfügbar oder kann als Exemplar bestellt werden.
