Vielfältige Strukturen und wachsende Aufgaben
Die Organisation der Grünverwaltung variiert stark zwischen den Kommunen, was sich in unterschiedlichen Bezeichnungen wie Amt für Stadtgrün und Gewässer oder Tiefbau- und Grünflächenamt widerspiegelt. Teilweise wurden die Zuständigkeiten für das städtische Grün auch an Regiebetriebe ausgelagert.
Helmut Selders, Präsident des Bund deutscher Baumschulen (BdB) e.V., äußert sich besorgt über diese Entwicklung:
[cite_start]Wiederholte Umstrukturierungen und Haushaltskürzungen führen in Verbindung mit steigenden Anforderungen in vielen Städten und Gemeinden zu einer Verunsicherung bei den Grünverantwortlichen. Andererseits gibt es aber auch Kommunen, in denen die Grünverwaltung mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen höchst präsent ist und einen starken Stand hat. Sicher ist, dass Stadtentwicklung heute nur in Verbindung mit nachhaltiger Grünplanung funktioniert.[cite: 20]
Wachsende Aufgaben und Klimawandel
Städtische Freiräume und Grünflächen tragen maßgeblich zur Lebensqualität der Bevölkerung bei und beeinflussen die Attraktivität einer Kommune als Wohn- und Wirtschaftsstandort. Eine Umfrage der Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) zeigt, dass Grünflächen und Landschaft für über 60 Prozent der Befragten ausschlaggebend bei der Wahl des Wohnortes sind. Dies stellt hohe Anforderungen an die lokale Grünverwaltung und betrifft Bereiche wie Stadtmarketing, Tourismus und Wirtschaftsförderung.
Die Folgen des Klimawandels führen zu zusätzlichen Aufgaben. Grünflächen werden zunehmend als Instrumente des Wassermanagements, zur Kaltluftproduktion, als Schattenspender und Luftbefeuchter anerkannt und gezielt in Planungen berücksichtigt. Gleichzeitig stehen Grünflächen in Städten unter Druck, insbesondere in wachsenden Kommunen mit hohem Wohnraumbedarf. Kommunen setzen hier auf Strategien der „doppelten Innenverdichtung“, um vorhandene Flächenreserven baulich zu nutzen und gleichzeitig die Freiraumversorgung zu erhalten. Ziel ist es auch, die Flächenversiegelung zu reduzieren und ein weiteres Wachstum der Städte in die Peripherie zu vermeiden.
Grünflächeninformationssysteme als Steuerungsinstrument
Angesichts der zunehmenden Aufgaben und Erwartungen der Bürger fordert Selders eine stärkere Gewichtung des Grünbereichs:
[cite_start]Gemeinsam mit anderen Verbänden, unter anderem der GALK fordern wir, das Grün in Zukunft nicht mehr als freiwillige, sondern als kommunale Pflichtaufgabe zu verstehen. Es muss eine angemessene und dauerhafte finanzielle Mittelausstattung geben, die Städte in die Lage versetzt, das städtische Grün zu sichern und zu entwickeln.[cite: 20]
Der Bereich Pflege und Unterhaltung macht erfahrungsgemäß 80 bis 90 Prozent der Aufwendungen eines Grünflächenamtes aus. Eine detaillierte Kenntnis über das öffentliche Grün ist daher entscheidend für eine zielgerichtete Planung. Eine umfassende Katalogisierung von Größe und Verteilung der Grünflächen, Bewuchsarten, Alter, Pflegezustand sowie Qualität von Wegen und Einbauten ermöglicht eine präzise Bedarfsplanung.
Ein geschlossenes System zur Grünflächenverwaltung umfasst den Bedarf an Personal, Schulungen, Material, Technik, Maschinen und Werkzeugen. Es dient der Planung und Kontrolle des Aufwands bei Eigenleistungen und Vergaben sowie der Belegführung zur Absicherung. Weit verbreitet sind Baumkataster zur Steuerung von Kontrollen und Maßnahmen bei Straßenbäumen. Diese werden zunehmend digitalisiert, oft unter Nutzung von GPS-Koordinaten zur eindeutigen Identifizierung der Bäume.
In größeren Städten und Gemeinden kommen zudem Grünflächeninformationssysteme (GIS oder GRIS) zum Einsatz. Eine Arbeitsgruppe des GALK-Arbeitskreises „Organisation und Betriebswirtschaft“ hat hierzu einen Leitfaden für Kommunen entwickelt. Die GALK-Erfahrungen zeigen, dass der Aufwand für die Erstellung und Fortführung eines GRIS, obwohl oft unterschätzt, sich durch eine optimale Steuerung von Kosten und Qualitäten amortisiert.

