Wetter schlägt Wirtschaftskrise: Auswirkungen auf den Pflanzenmarkt
Bis Juni 2013 lagen die Temperaturen deutlich unter dem Fünfjahresmittel. Dies führte zu fehlender verkaufsfertiger Ware in kurzen Verkaufsfenstern, was jedoch kaum Auswirkungen auf die Preise hatte. Ab Juli verursachte die Sommerhitze Preisdruck und Preisverfall, von dem sich die Preise bis zum Herbst nicht erholten. Die Nachfrage nach Pflanzen blieb bis zum Herbst gering, obwohl sich die Wirtschaft im Euroraum erholte.
Wirtschaftsexperten prognostizierten für 2013 einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,3 % im Euroraum, für 2014 jedoch ein Wachstum von einem Prozentpunkt. Insbesondere in Deutschland herrschte ein positives Konsumklima mit optimistischen Verbrauchern. Die Ifo-Konjunkturprognose vom Juni 2013 erwartete für 2013 einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 0,6 % und für 2014 um 1,9 %. Die Konsumneigung in Deutschland erreichte im August und September 2013 die höchsten Werte seit Dezember 2006.
Trotz des positiven Konsumklimas belebte sich die Nachfrage nach Blumen und Pflanzen nicht, was darauf hindeutet, dass die wirtschaftliche Entwicklung weniger Einfluss auf die Nachfrage hat als die Wetterlage. Im Vorjahr wurde der Blumen- und Pflanzenhandel als resistent gegenüber der Wirtschaftskrise beschrieben, jedoch nicht gegenüber extremen Wetterbedingungen.
Topfpflanzenmarkt unter Druck durch Nachfragerückgang
Der wetterbedingte Nachfragerückgang zeigte sich besonders im Bereich der Topfpflanzen und wirkte sich stark auf den Außenhandel aus. Die Topfpflanzenimporte der EU sanken laut Eurostat im ersten Halbjahr 2013 gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich. Auch die niederländischen Pflanzenexporte verringerten sich im ersten Halbjahr 2013 um 3,7 %, im Hauptexportland Deutschland sogar um 8,6 %.
Die negative Entwicklung verstärkte sich bis August 2013, wobei die monatlichen Exportzahlen für Blumen und Pflanzen zum sechsten Mal in Folge rückläufig waren. Frühere Ausweichmöglichkeiten auf südeuropäische Märkte waren aufgrund der Wirtschaftskrise und schwacher Nachfrage in Spanien, Portugal, Griechenland und Frankreich nicht mehr gegeben. Verstärkte Lieferungen nach Skandinavien und England sowie die Markterschließung in Osteuropa konnten den Einbruch der deutschen Nachfrage nicht vollständig kompensieren.
Im Jahr 2012 waren die niederländischen Lieferungen in einige osteuropäische Märkte, darunter Polen, Tschechien, Rumänien und Ungarn, gesunken und hatten sich bis Mitte 2013 nicht erholt. Der Exportzuwachs in nordeuropäische Staaten zeigte in diesem Zeitraum ein deutlich geringeres Niveau als im Vorjahr. Auch der wichtigste osteuropäische Zielmarkt Russland verzeichnete von Januar bis August 2013 erstmals keine Steigerungsraten bei Pflanzenlieferungen, was auch durch den angekündigten Importstopp für Freilandware beeinflusst sein könnte.
Schnittblumenhandel zeigt sich stabiler als der Pflanzenmarkt
Der innereuropäische Handel mit Schnittblumen zeigte sich im ersten Halbjahr 2013 stabiler als der Pflanzenhandel. Das Wetter hatte weniger Einfluss auf die Schnittblumennachfrage, und typische Frühlings- und Sommerblumen verzeichneten gute Verkaufszahlen. Eurostat wies einen geringfügigen Rückgang der Schnittblumenimporte aus, der sich durch Nachmeldungen noch ausgleichen könnte. Importe aus Südamerika schienen zugunsten afrikanischer Lieferländer nachzugeben.
Die niederländische Exportstatistik zeigte einen Rückgang der Schnittblumenexporte um 3,5 % bis Juni und um 4,0 % bis August 2013 im Vergleich zum Vorjahr, auch bei Lieferungen nach Deutschland. Angesichts der starken Zuwächse im Jahr 2012 kann für 2013 von einem stabilen, aber nicht wachsenden Niveau ausgegangen werden, vergleichbar mit 2011. Experten sehen in Deutschland einen Trend zu einem wachsenden Schnittblumenangebot aus regionaler Freilandproduktion. Es bleibt abzuwarten, ob diese Entwicklung die niederländischen Exportmengen in der Sommersaison beeinflusst.
Nachfrage im Konsumland Deutschland: Schnittblumen vs. Topfpflanzen
Die Nachfrage in Deutschland spiegelte die Entwicklungen im Außenhandel wider: Schnittblumen stabil, Topfpflanzen sehr schwach. Die Nachfrage nach Schnittblumen zu Höhepunkten wie Valentinstag, Muttertag und Ostern war laut Umfragen gut. Gute Preise und Verkäufe ließen positiv auf das gesamte Jahr 2013 blicken. Es scheint, dass Schnittblumenkäufe im Frühjahr von der Zurückhaltung beim Pflanzenkauf profitierten. Abgesehen von einem Nachfragetief während der Hitzeperiode im Juli und August wurde von einem guten Schnittblumenjahr gesprochen.
Im Gegensatz dazu meldete der deutsche Topfpflanzengroßhandel eine dramatische Kaufzurückhaltung. Dem wetterbedingten Ausfall der Frühjahrsblüher folgte ein verspäteter und geringer Abverkauf von Beet- und Balkonpflanzen. Verkaufsfertige Ware staute sich in den Produktionsbetrieben an und wurde dann als Überangebot über den Preis verkauft. Laut Großhandel gaben Einzelhändler die niedrigen Preise teilweise an Endverbraucher weiter, was jedoch nicht zu einem Nachfrageanstieg, sondern zu Irritationen führte.
Der Einzelhandel sprach von einem regional unterschiedlich Nachfragerückgang zwischen 10 und 30 %, der bis Jahresende nicht mehr aufzuholen sei. Die Baumarktbranche verzeichnete im ersten Halbjahr 2013 einen Umsatzrückgang von 12,8 % in der Warengruppe „Lebendes Grün“. Dies zeigte, dass Dumpingpreise keine Nachfrage erzeugen, sondern das Produkt in seiner Bedeutung entwerten und die Nachfrage langfristig schwächen. Die Nachfrage nach Topfpflanzen entwickelte sich bis zum Herbst nicht.
Experten schätzten, dass auch Ende September kein reges Herbstgeschäft spürbar war und die Preise erneut unter Druck gerieten. Möglicherweise war das Wetter mit hohen Temperaturen, die Sommerblumen zu lange blühen ließen und Herbstbepflanzungen blockierten, die Ursache. Oder der Konsument hatte das Interesse am Pflanzenkauf verloren. Die Daten der AMI über die Verbraucherausgaben der deutschen Konsumenten wurden mit Spannung erwartet. Das Jahr 2013 zeigte, wie stark die Branche von Wetterbedingungen abhängt.
Es stellt sich die Frage, wie solchen Ausnahmejahren vorgebeugt und die Nachfrage langfristig gesichert werden kann. Wenn es nicht gelingt, in nachfragestarken Ländern, insbesondere in Deutschland, neue Konsumentengruppen zu begeistern, wird dies, wie die Erfahrung aus der Nachfrageflaute 2013 zeigt, Auswirkungen auf die gesamte Branche in Europa und die Exportländer in Übersee haben. Experten bestätigten auf dem Zukunftskongress Deutscher Gartenbau im September in Berlin, dass Blumen und Pflanzen stärker als hochwertiger Bestandteil im Leben der Konsumenten verankert werden müssen.
„Ohne Blumen und Pflanzen fehlt dir was.“
Dies ist die vordringliche Aufgabe des Sektors. Andere Entwicklungen im Welthandel, wie Änderungen der Warenströme und Absatzmittlerstrukturen durch neue Kommunikationstechnologien, Transportkostenentwicklung, Anforderungen an die CO2-Bilanz und Kooperationen zur Effizienzsteigerung, treten in den Hintergrund, wenn die Nachfrage nach Blumen und Pflanzen nicht gesteigert wird. Dies ist eine Gemeinschaftsaufgabe aller Akteure im Sektor. Bundesministerin Aigner zitierte zu Beginn des Zukunftskongresses ein afrikanisches Sprichwort:
„Wenn du schnell gehen willst, gehe allein. Wenn du weit gehen willst, gehe gemeinsam mit anderen.“