Die Grüne Stadt, Klima- und Umweltschutz

Klimaschutz und Klimaanpassung in Nordrhein-Westfalens Städten

Nordrhein-Westfalen setzt verstärkt auf Grün- und Freiflächen im urbanen Raum, um Klimaschutz und Klimaanpassung voranzutreiben. Neue Förderprogramme und ein Potenzialkataster für Dachbegrünungen unterstützen diese Entwicklung maßgeblich.

Grünflächenstrategien in NRW: Fokus auf urbane Räume

Nordrhein-Westfalen (NRW) legt einen besonderen Fokus auf Grün- und Freiflächen im urbanen Raum. Dies ist vor allem angesichts der hohen Bevölkerungsdichte und des Verkehrsaufkommens im Bundesland von Bedeutung.

Es ist noch längst nicht alles so, wie es sein könnte ... und mit Blick auf die Notwendigkeit zur Klimaanpassung auch sein sollte! Aber wir sind stolz darauf, dass unser dichtbesiedeltes und verkehrsreiches Bundesland so großen Wert auf die Grün- und Freiflächen legt.

Diese Einschätzung teilt H. Christian Leonhards, Präsident des Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Nordrhein-Westfalen (VGL) e.V.

Flächenverbrauch und Gebäudegrün in NRW

Aktuelle Statistiken des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) zeigen, dass der Flächenverbrauch für Siedlungs- und Verkehrsflächen in NRW im Jahr 2020 gesunken ist. Mit rund 5,7 Hektar pro Tag wurde 2020 deutlich weniger Fläche neu in Anspruch genommen als im Vorjahr (8,1 Hektar) oder im Durchschnitt der Jahre 2006 bis 2015 (11,2 Hektar).

Es ist wichtig zu beachten, dass der Flächenverbrauch in dieser Statistik nicht gleichbedeutend mit Flächenversiegelung ist. Siedlungsflächen umfassen auch unversiegelte Bereiche wie Gärten und Parkflächen. Etwa 50 Prozent der Siedlungs- und Verkehrsflächen sind vollständig versiegelt.

Der VGL NRW beobachtet, dass in Neubaugebieten tendenziell kleinere Gärten geplant werden. Dies wird als Folge hoher Baukosten und der Notwendigkeit zur optimalen Flächenvermarktung gesehen. Gleichzeitig nimmt der Bau mit Dach- und Fassadenbegrünung zu.

Neben Bundesförderprogrammen tragen auch zusätzliche Förderprogramme des Landes NRW zur Ausweitung des Gebäudegrüns bei. Dr. Gunter Mann, Präsident des Bundesverband Gebäudegrün (BuGG) e.V., bestätigt dies in seinem Marktbericht 2021. Er hebt hervor, dass NRW im Bundesvergleich die meisten kommunalen Förderprogramme und somit überdurchschnittlich viele Dach- und Fassadenbegrünungs-Projekte aufweist.

Leitfaden und Gründachkataster als Hilfestellung

Der VGL NRW hat in Zusammenarbeit mit dem Verband der Wohnungswirtschaft Rheinland Westfalen, dem BuGG und Greenpass einen Leitfaden namens „Begrüntes Wohnen“ entwickelt. Dieser Leitfaden bietet einen Überblick über Bausteine und Prozesse für eine nachhaltige Gebäude- und Quartiersentwicklung sowie mögliche Begrünungsmaßnahmen an Dächern und Fassaden oder im Quartier.

Ein Anhang mit Übersichtstabellen für Dach- und Fassadenbegrünung dient Unternehmen und Genossenschaften als Hilfestellung bei der Entwicklung nachhaltiger Projekte in der Wohnungswirtschaft.

Seit Sommer 2021 existiert in NRW ein flächendeckendes Potenzialkataster für Dachbegrünungen. Es liefert Informationen darüber, ob eine Dachfläche für eine Gründach-Nachrüstung geeignet ist, welche Vorteile damit verbunden sind und welche Kosten entstehen könnten. Von den rund 11,3 Millionen Gebäuden in NRW mit einer Dachfläche von etwa 1.380 Quadratkilometern sind circa 440 Quadratkilometer Dachfläche potenziell „sehr gut geeignet“ bis „noch geeignet“. Diese Einstufung erfolgt basierend auf Dachneigung und Exposition.

Wir empfehlen Hausbesitzern - privaten wie gewerblichen - unbedingt, dieses Potenzialkataster des Landes zu nutzen, um abschätzen zu können, ob das eigene Dach einen Beitrag zu Klimaanpassung und zum Klimaschutz leisten kann.

So H. Christian Leonhards.

Allianzen für eine grüne Stadtentwicklung

Mit der Ampel-Koalition in Berlin rückt die Klimaneutralität für Deutschland noch stärker in den Fokus.

Es besteht inzwischen in allen politischen Lagern Konsens darüber, dass es kein ‚Weiter so‘ geben kann. Um aus der Klimakrise herauszukommen, bedarf es großer Entschlossenheit bei allen Beteiligten, das eigene Handeln auf den Prüfstand zu stellen. Wir als grüne Branche sehen hier nicht nur große Aufgaben, sondern auch große Chancen für das Land. Der Garten- und Landschaftsbau in NRW bietet den Städten und Gemeinden mit seiner Expertise neue Allianzen und Kooperationen an, um den Herausforderungen unserer Zeit gerecht zu werden.

Dies betont Christoph Lau, Geschäftsführer des VGL NRW. Die Erfahrungen der Corona-Pandemie haben die Bedeutung von Freiräumen in Städten und die Wichtigkeit einer hohen Aufenthaltsqualität für das soziale Miteinander verdeutlicht. Investitionen in die grün-blaue Infrastruktur leisten gleichzeitig wirksame Beiträge zu mehr Klimaschutz und Klimaanpassung, was die Richtung der heutigen Stadtentwicklung aufzeigt, so die Position des VGL NRW.

14.12.2021

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