Erntebericht 2021: Herausforderungen und Ergebnisse
Die deutsche Landwirtschaft ist zunehmend extremen Wetterereignissen ausgesetzt. Nach Dürrejahren wie 2018 sowie ausbleibenden Niederschlägen in den Folgejahren führten Hagel, Starkregen und Überschwemmungen im Sommer 2021 zu erheblichen Herausforderungen. Diese Entwicklungen spiegeln sich im aktuellen Erntebericht wider, den die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, vorgestellt hat.
Gleichzeitig präsentierte die Ministerin die Ackerbaustrategie als Instrument zur Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel. Klöckner betonte die Notwendigkeit der Klimaanpassung und bezeichnete die Strategie als einen wichtigen Baustein:
Die Ackerbaustrategie ist unser Instrumentenkasten für die Klimaanpassung in der Landwirtschaft. Wir bringen damit mehr Klimaschutz in den Boden und auf die Felder. So machen wir die Landwirtschaft in Deutschland nachhaltiger und ressourcenschonender. Gleichzeitig bleiben Erträge und Einkommen der Landwirte stabil. Unsere Ackerbaustrategie ist somit ein entscheidender Baustein dafür, dass auch in Zukunft flächendeckend regionale Lebensmittel angebaut werden können.
Erntebericht 2021: Unterdurchschnittliche Ergebnisse bei Getreide, Obst und Gemüse
Die anfänglich optimistischen Ernteerwartungen für 2021 haben sich nicht erfüllt. Verzögerungen bei den Erntearbeiten im Juli und August aufgrund von Schauern und Gewittern beeinträchtigten sowohl Erträge als auch Qualität. Die Getreideernte fällt daher unterdurchschnittlich aus.
Es wird eine Getreideernte von 42,1 Millionen Tonnen erwartet. Dies entspricht einem Rückgang von 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr und 4,8 Prozent im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2020.
Winterweizen und Hafer
Beim Winterweizen, der wichtigsten Getreideart, liegt die Erntemenge 3,5 Prozent unter dem Vorjahresergebnis, obwohl die Anbaufläche um 4,4 Prozent zugenommen hat. Bei anderen Getreidekulturen übertreffen die Hektarerträge den mehrjährigen Durchschnitt.
Die Anbaufläche von Hafer ist im Vergleich zum Vorjahr um 12,7 Prozent gewachsen. Dies ist auf eine steigende Nachfrage nach Haferprodukten sowie auf den Trend zu vielfältigeren Fruchtfolgen zurückzuführen.
Raps, Obst und Gemüse
Die Gesamterntemenge bei Raps liegt mit rund 3,5 Millionen Tonnen auf Vorjahresniveau, obwohl die Anbaufläche um etwa 5 Prozent zugenommen hat. Die Flächenerträge pro Hektar sind mit 3,5 Tonnen jedoch um fast 4,5 Prozent niedriger als im Vorjahr. Im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2020 beträgt der Rückgang sogar 11,3 Prozent.
Auch bei Obst und Gemüse zeichnet sich ein unterdurchschnittliches Ergebnis ab. Im Obstbau waren lange Phasen mit niedrigen Temperaturen, wenig Sonnenschein und übermäßigen Niederschlägen ursächlich. Im Gemüseanbau führten niedrige Temperaturen zu Wachstumsverzögerungen und nasse oder überschwemmte Böden erschwerten die termingerechte Ernte.
Futteranbau und Tierversorgung
Die Grundfutterversorgung (Grünland, Ackerfutter) hat sich in den meisten Futterbaubetrieben im Vergleich zu den trockenen Vorjahren durch vermehrten Regen verbessert. In den von Überschwemmungen betroffenen Gebieten wurden jedoch Futtervorräte vernichtet und Flächen unbrauchbar. Zur Unterstützung dieser Betriebe wurde die Nutzung ökologischer Vorrangflächen zu Futterzwecken zugelassen.
Ackerbaustrategie: Zwölf Handlungsfelder für Klimaanpassung und Ressourcenschonung
Die Ackerbaustrategie zielt darauf ab, die Produktivität in der Landwirtschaft zu sichern und gleichzeitig Boden und Klima zu schonen. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat hierfür in Zusammenarbeit mit der Wissenschaft zwölf Handlungsfelder identifiziert. Diese wurden gemeinsam mit Landwirten diskutiert, wobei sich 1.000 Praktiker einbrachten. Insgesamt umfasst die Strategie über 60 Einzelmaßnahmen, die Ernte- und Einkommenssicherung mit Ressourcen- und Klimaschutz verbinden.
Die zwölf Handlungsfelder umfassen:
- Stärkung des Bodenschutzes und der Bodenfruchtbarkeit, beispielsweise durch Humusaufbau.
- Erhöhung der Kulturpflanzenvielfalt durch erweiterte Fruchtfolgen (z.B. Dinkel, Hafer, Soja, Erbsen, Bohnen).
- Steigerung der Düngeeffizienz durch bedarfsgerechtere Düngung.
- Mehr integrierter Pflanzenschutz, unter anderem durch spezielle Fruchtfolgen.
- Stärkung der Züchtung von klimaresistenten und widerstandsfähigen Pflanzen.
- Vorantreiben der Digitalisierung in der Landwirtschaft.
- Stärkung der Biodiversität durch breitere Fruchtfolgen, Bäume, Hecken oder Blühstreifen.
- Entwicklung klimagerechter Anbaukonzepte und Ausbau des Klimaschutzes.
- Anpassung an den Klimawandel durch entsprechende Arten- und Sortenwahl sowie veränderte Anbausysteme.
- Optimierung der Bodenbearbeitung, etwa durch ganzjährige Bedeckung des Bodens.
- Stärkung der Bildung und Beratung.
- Mehr Wertschätzung für Landwirtinnen und Landwirte.
- Politische und finanzielle Begleitung der Ackerbaustrategie.
