Funktionen und ökologischer Nutzen von Trockenmauern
Trockenmauern dienen im Garten- und Landschaftsbau vielfältigen Funktionen: Sie terrassieren Hänge, bieten Windschutz oder fassen Gartenbereiche ein. Ihre Bauweise ohne Mörtel ermöglicht die Entstehung von Lebensräumen für Pflanzen und Tiere. Durch die gezielte Bepflanzung mit Stauden entwickeln sie sich zu blühenden Gestaltungselementen.
Die Konstruktion einer Trockenmauer, bei der Steine ohne Bindemittel aufeinanderliegen, schafft zahlreiche Spalten und Ritzen. Diese bieten beispielsweise Eidechsen Unterschlupf. Fachgerecht errichtet, können selbst aus unterschiedlich geformten und wiederverwendeten Steinen stabile Bauwerke entstehen.
Gärtnermeister Frank Schroeder, Inhaber der „Frank Schroeder Gartenmanufaktur und Landschaftsbau“, verfügt über fast 40 Jahre Erfahrung im Bau und der Bepflanzung von Trockenmauern. In seinen Projekten spielen Pflanzen eine zentrale Rolle, auch in Verbindung mit Mauern.
Stauden und Steine: Eine symbiotische Verbindung
Die Bepflanzung von Trockenmauern zielt nicht darauf ab, die Steine zu verdecken, sondern eine optische Einheit zu schaffen, bei der Mauer und Pflanzen gleichermaßen zur Geltung kommen. Glockenblumen und Gamander, die aus einer Grauwacke-Mauer blühen, verdeutlichen diesen Effekt. Neben dem ästhetischen Gewinn trägt die Bepflanzung auch zur Erhöhung der Artenvielfalt und zur Belebung des Gartens bei.
Für die Bepflanzung eignen sich Stauden, die mit geringem Substratangebot und wenig Feuchtigkeit auskommen.
Optimale Bepflanzung bereits beim Bau
Idealerweise werden Pflanzplätze bereits während des Mauerbaus vorgesehen. Frank Schroeder plant beispielsweise Lochgrößen von 9 x 9 cm ein, um Stauden direkt einzusetzen. Dieses Maß entspricht der Standardgröße, in der Stauden angeboten werden, was einen späteren Austausch oder Ersatz erleichtert.
Bei Mauern, die Hänge terrassieren, empfiehlt Schroeder einen sogenannten Erdkern. Dieser verbindet den Wurzelballen der Stauden wie ein Docht mit dem angrenzenden Erdreich und leitet die Wurzeln durch die hinter der Trockenmauer liegende Schotterschicht. Dies bietet den Stauden zusätzlichen Wurzelraum.
Bepflanzung bestehender Mauern
Auch bestehende Trockenmauern können nachträglich bepflanzt werden. Für Ritzen und Spalten eignen sich Arten, die mit winzigen Wurzelballen auskommen. Hierzu zählen kleine Arten von:
- Fetthenne (Sedum)
- Hauswurz (Sempervivum)
- Steinbrech (Saxifraga)
- Goldtröpfchen (Chiastophyllum oppositifolium), das auch an schattigeren Standorten gedeiht
Umfänglichere Möglichkeiten bieten sich für die Mauerkrone. Hier können zusätzlich zu den genannten Gattungen weitere trockenheitsverträgliche Arten und Polsterstauden eingesetzt werden, die ihre Blütenmatten von oben herabhängen lassen. Beispiele hierfür sind:
- Sand-Nelke (Dianthus arenarius)
- Zimbelkraut (Cymbalaria pallida)
- Sonnenröschen (Helianthemum x cultorum)
Natürliche Vermehrung und Pflege
Viele Mauerstauden verfügen über effektive Vermehrungsstrategien. Das Spanische Gänseblümchen (Erigeron karvinskianus) bildet Sämlinge an verschiedenen Stellen. Zimbelkraut (Cymbalaria pallida) oder Echter Gamander (Teucrium chamaedrys) entwickeln Ausläufer, die hinter und unter Steinen entlangwachsen und in den Fugen wieder austreiben.
Die Befürchtung, dass das Wachstum der Pflanzen die Mauer schädigen könnte, ist bei fachgerecht errichteten Trockenmauern unbegründet. Frank Schroeder betont:
Ganz im Gegenteil, das Dickenwachstum innerhalb der Fuge quetscht die Steine aneinander. Da muss ich mir bei einer fachgerecht aufgesetzten Trockenmauer überhaupt keine Sorgen machen.
Sämlinge von Mauerstauden werden als willkommene Abwechslung betrachtet und lassen sich bei Bedarf leicht entfernen.
