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Nachhaltige Schnittblumen aus regionaler Produktion

13.02.2026

Regionale Schnittblumen aus hydroponischem Anbau bieten Gärtnereien neue wirtschaftliche Chancen bei geringeren Emissionen. Ein Forschungsprojekt zeigt, wie sich bestehende Gewächshausflächen effizient und nachhaltig nutzen lassen.

Hydroponik ermöglicht effiziente Schnittblumenproduktion auf bestehenden Flächen

Frische Schnittblumen sind in Deutschland ganzjährig gefragt. Gleichzeitig verursacht der Import von rund 3,8 Milliarden Pflanzen pro Jahr erhebliche Emissionen durch lange Transportwege und energieintensiven Anbau. Ein Forschungsprojekt der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf setzt genau hier an und entwickelt ein Konzept für den regionalen, umweltfreundlichen Anbau von Schnittblumen. Gefördert wird das Vorhaben von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit rund 340.000 Euro.

Strukturwandel eröffnet Chancen für Betriebe

Die Gartenbau-Branche befindet sich im Umbruch: Die Zahl der Betriebe und Anbauflächen für Zierpflanzen sinkt, während Importe zunehmen. Viele Blumen gelangen über die Niederlande nach Deutschland, stammen jedoch ursprünglich aus Afrika oder Südamerika. Für kleine und mittelständische Betriebe entsteht dadurch ein wachsender Wettbewerbsdruck.

„Klimaschonende, regionale Konzepte schützen die Umwelt und lohnen sich oft auch wirtschaftlich – besonders für kleine und mittelständische Unternehmen.“

Das neue Konzept soll genau hier ansetzen. Ziel ist es, bestehende Gewächshausflächen effizienter zu nutzen und zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen.

Hydroponik ersetzt klassische Substrate

Kern des Projekts ist ein hydroponisches Verfahren. Dabei wachsen die Pflanzen nicht in Erde, sondern in einer Nährlösung. Die direkte Aufnahme der Nährstoffe beschleunigt das Wachstum und verkürzt die Produktionszeit deutlich.

„Da die Wurzeln die verfügbaren Nährstoffe direkt mit der Flüssigkeit aufnehmen, wachsen die Pflanzen schneller.“

Ein entscheidender Vorteil liegt in der Nutzung vorhandener Infrastruktur. Leerstände auf Pflanztischen – etwa nach der Beet- und Balkonpflanzensaison – können gezielt für die Produktion von Schnittblumen genutzt werden. Geeignete Kulturen sind unter anderem Löwenmäulchen, Zinnien, Islandmohn, Bartnelken oder Ranunkeln.

Energieeinsparung durch geeignete Artenwahl

Für eine wirtschaftliche Umsetzung spielt die Auswahl der Pflanzen eine zentrale Rolle. Im Fokus stehen Arten mit geringem Temperaturbedarf, um Heizkosten und Emissionen zu reduzieren.

„Wir achten darauf, Arten mit möglichst geringem Temperaturanspruch zu verwenden, damit wenig zusätzlich geheizt werden muss.“

Das System ermöglicht zudem eine mehrfache Ernte, da die Pflanzen ohne neue Aussaat nachwachsen. Betriebe können flexibel entscheiden, wann und wie lange sie produzieren. Das erhöht die Auslastung und verbessert die Wirtschaftlichkeit.

Praxisnahe Umsetzung für Gärtnereien

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der einfachen Integration in bestehende Betriebsabläufe. Entwickelt werden unter anderem optimierte Düngerlösungen, geeignete Gefäße sowie Halterungssysteme. Dabei stehen Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit gleichermaßen im Fokus.

Zum Einsatz kommen Substrat-Behältnisse aus Materialien wie Sphagnum-Moos oder Holzfasern. Auf Kunststoff-Übertöpfe wird verzichtet. Wiederverwendbare Hydroponik-Platten sollen die Investitionskosten gering halten. Perspektivisch ist zudem geplant, chemische Pflanzenschutzmittel durch Nützlinge zu ersetzen.

Die Ergebnisse werden gemeinsam mit Praxispartnern digital aufbereitet und sollen breit verfügbar gemacht werden. Damit erhalten Betriebe im Garten- und Landschaftsbau sowie im Gartenbau ein direkt anwendbares Konzept für die nachhaltige Produktion von Schnittblumen.

Das Projekt zeigt, wie sich ökologische Anforderungen und wirtschaftliche Interessen verbinden lassen. Regionale Produktion reduziert Emissionen und stärkt gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe in einem sich wandelnden Markt.

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