Optimale Schnittzeitpunkte und Wundversorgung bei Obstbäumen
Der Winterschnitt von Obstbäumen bietet den Vorteil einer besseren Übersicht im laubfreien Zustand im Vergleich zum Sommerschnitt. Bei robusten Kernobst- und Zwetschgenbäumen kann der Schnitt im Januar beginnen, sobald die Bäume aus der Winterruhe erwachen. Für kälteempfindliches Steinobst empfiehlt es sich, bis zum Frühling und einer trockenen, milden Witterungsphase zu warten. Sobald der Saftstrom der Bäume wieder die Triebspitzen erreicht, können Schnittwunden besser versorgt werden. Zudem ermöglichen höhere Temperaturen ein angenehmeres Arbeiten im Freien.
Schnittzeitpunkte und Wundversorgung
Äste mit einem Durchmesser von über 3 cm sollten vorzugsweise im Sommer geschnitten werden.
Äste ab einem Durchmesser von 3 cm sind ohnehin Sache des Sommerschnitts, nicht nur wegen der besseren Wundversorgung, sondern auch, weil starker Rückschnitt im Winter das Wachstum von Gehölzen ganz besonders ankurbelt, während der Schnitt im Sommer es eher bremst und den Fruchtansatz fördert.
so Katja Batakovic, fachliche Leiterin von „Natur im Garten“[cite_end].
Beim Arbeiten außerhalb des eigenen Gartens ist es ratsam, das Werkzeug vor und nach Gebrauch mit einem handelsüblichen Spray zu desinfizieren und trocknen zu lassen. Der Einsatz von Wundverschlussmitteln ist nicht mehr zeitgemäß, da sich unter wasserundurchlässigen Überzügen Feuchtigkeit sammeln kann, was Pilzbefall fördert. Gehölze sind in der Lage, Schnittflächen selbst abzuschotten. Dies gelingt umso besser, je kleiner, glatter und sauberer die Schnittflächen sind. Daher ist die Verwendung von gut gewartetem, qualitativ hochwertigem Werkzeug entscheidend.
Baumerziehung und Pflegemaßnahmen
Durch die Wahl einer baumgerechten Größe entsprechend dem Platzbedarf und regelmäßige Pflege kann auf den Einsatz einer Motorsäge verzichtet werden. Es genügt, jährlich fingerdicke Jungtriebe zu entfernen, die länger als 20 cm sind, zu dicht stehen oder in die Krone hineinwachsen.
Um das Wachstum und die Verzweigung eines Langtriebs zu fördern, kann dieser im Winter knapp oberhalb oder außerhalb einer Knospe angeschnitten werden, idealerweise dort, wo eine Verzweigung gewünscht ist. Dies ist besonders im Rahmen der Baumerziehung sinnvoll, um ein lockeres, gut verteiltes und tragfähiges Astgerüst aufzubauen. Bei älteren Bäumen mit sogenannten Wasserschossen, die pfeilgerade nach oben wachsen, sollte der Schnitt reduziert werden. Diese Triebe sollten, wenn überhaupt, vollständig an der Basis entfernt und nicht eingekürzt werden. Kurztriebe unter 20 cm sollten am Baum belassen werden, da sie im nächsten Jahr tendenziell Fruchtknospen ansetzen, insbesondere wenn sie flach stehen.
Spezielle Schnitttechniken für Pfirsich und Weinreben
Der Pfirsichbaum trägt auch an Langtrieben Früchte, insbesondere wenn diese mit Tripel-Knospen ausgestattet sind. Diese bestehen aus zwei rundlichen Blütenknospen, die eine längliche Blatt-Triebknospe flankieren. Diese Fruchttriebe sind am besten im April zu erkennen, wenn sich die Blüten im Ballonstadium befinden: zwei rundliche rosa Ballons mit einem grünen Strich dazwischen, regelmäßig entlang des Zweiges angeordnet. Die wahren Fruchttriebe werden auf eine Handvoll Tripelknospen eingekürzt, andere Langtriebe werden zurückgestummelt. Dieser starke Schnitt fördert die jährliche Entwicklung vieler Langtriebe und Früchte in erreichbarer Höhe.
Weinreben stellen eine Ausnahme dar, sowohl hinsichtlich des Schnittzeitpunkts als auch der Schnitttechnik. Bei ihnen wird bewusst nicht zu knapp über den Knospen geschnitten, sondern ein Überstand von etwa 1 cm belassen. Die diesjährigen Ranken können im laubfreien Zustand jederzeit auf ellenlange Strecker mit mehreren Augen oder auf kurze Zapfen mit zwei Augen eingekürzt werden. Als Augen werden die Knospen für das nächste Jahr bezeichnet, die in den ehemaligen Blattachseln verteilt sind und auf ihren Austrieb warten.
