Intensiver Austausch zwischen Politik und grüner Branche
Die Gartenbauverbände Baden-Württembergs luden zum traditionellen Parlamentarischen Abend ins Haus der Landschaftsgärtner in Leinfelden-Echterdingen ein. Über 80 Gäste aus Gartenbau und Politik, darunter Minister Peter Hauk, die Staatssekretärinnen Sabine Kurtz und Dr. Ute Leidig sowie Martin Hahn, Vorsitzender des Ausschusses für Ernährung, Ländlicher Raum und Verbraucherschutz, nutzten die Gelegenheit zum Austausch mit zahlreichen Landtagsabgeordneten.
Die Veranstaltung, ausgerichtet vom Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg (VGL-BW) und dem Gartenbauverband Baden-Württemberg-Hessen (GVBWH), bot eine Plattform für intensive Gespräche zwischen Unternehmern der grünen Branche und den anwesenden Parlamentariern.
Herausforderungen durch gesellschaftliche Veränderungen und Kostenexplosion
In einer Talkrunde mit Martin Joos, Vorstandsvorsitzender des VGL-BW, und Gerhard Hugenschmidt, Präsident des GVBWH, wurden zentrale Herausforderungen thematisiert. Martin Joos wies auf die aktuelle Lage im Garten- und Landschaftsbau (GaLaBau) hin:
„Noch ist die Auftragslage auf dem Privatmarkt im Garten- und Landschaftsbau (GaLaBau) gut, doch man muss kein Prophet sein, um zu ahnen, dass nach dem Hochbau zeitversetzt auch der GaLaBau folgt. Einen sorgenvollen Blick richten wir bereits auf die öffentlichen Aufträge und die Zusammenarbeit mit Bauträgern.“Er befürchtet Auswirkungen der Baukonjunktur auf den GaLaBau.
Die hohen Energiekosten belasten insbesondere den Produktionsgartenbau. Im GaLaBau machen sie sich vor allem in Form von teurem Kraftstoff bemerkbar. Gerhard Hugenschmidt kritisierte zudem die zunehmende Bürokratie aus Brüssel. Ein geplantes vollständiges Verbot jeder Mittelanwendung in Schutzgebieten, die etwa 27 Prozent der Landesfläche ausmachen, würde die Produktion behindern. Der uneinheitliche europäische Mindestlohn erschwert deutschen Betrieben die Wettbewerbsfähigkeit bei arbeitsintensiven Kulturen.
Hugenschmidt hob jedoch auch positive Entwicklungen hervor:
„Gerade jüngere Kundschaft und Familien decken ihren Bedarf an Blumen und Pflanzen wieder bei unseren Betrieben.“Diese Kunden seien kritisch, suchten Beratung und fragten nach Bienenfreundlichkeit und Trockenheitsresistenz. Für die Energiewende benötigen die Betriebe umsetzbare Richtlinien, kompetente Beratung und Planungssicherheit. Hugenschmidt mahnte:
„Eine funktionierende Gesellschaft braucht eine starke Wirtschaft.“
Grün-blaue Infrastruktur und Klimaanpassung im urbanen Raum
Martin Joos betonte die Dringlichkeit, das Bauen mit Grün und die grün-blaue Infrastruktur in Städten stärker zu fördern. Intelligente Planung müsse der zunehmenden Versiegelung entgegenwirken, da weiterhin Wohnraum und zukunftsfähiges Gewerbe benötigt werden. Ausreichende Grün- und Freiflächen steigern die Lebensqualität und erfordern ein gezieltes Förderprogramm zur Umsetzung der Klimaziele und des Green Deals der Europäischen Kommission. Joos ergänzte:
„Bauen ohne uns Landschaftsgärtner darf es in Zukunft nicht mehr geben, denn wir machen die Städte klimafit.“
Wetterkatastrophen und die Notwendigkeit von Versicherungen
Der Klimawandel mit seinen Extremwetterlagen macht für Gartenbaubetriebe eine Mehrgefahrenversicherung, die entsprechende Schäden abdeckt, immer wichtiger. Gerhard Hugenschmidt wies darauf hin, dass es für den Obstbau bereits eine Förderung von Bund und Land für die Hälfte der hohen Beiträge gibt. Diese Unterstützung wünschen sich auch die anderen Sparten des Produktionsgartenbaus.
Moderne und zeitgemäße Ausbildung
Die Nachwuchswerbung und Ausbildung bleiben ein zentrales Thema. Martin Joos zeigte sich erfreut über den neuen Studiengang „Management im Garten- und Landschaftsbau“, der am 1. Oktober 2023 in Zusammenarbeit mit der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau (LVG) in Heidelberg und der Dualen Hochschule Mosbach startet und bereits gut angenommen wird.
Dennoch sei das finanzielle Ringen um die Staatsschule Hohenheim noch nicht beendet und im Etat 2025/2026 nicht konkret berücksichtigt. Sowohl an der LVG in Heidelberg als auch an der Staatsschule für Gartenbau in Hohenheim werden dringend Lehrkräfte benötigt, um die Meisterausbildung für jährlich über 60 junge Menschen sicherzustellen. Die Branche ist auf qualifizierte Fachkräfte angewiesen.
Die DEULA in Kirchheim entwickelt sich positiv, nicht zuletzt durch einen Landeszuschuss von 1,8 Millionen Euro für Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen. Joos merkte an, dass mittelfristig weiterer Förderbedarf bestehen wird. Alle Bildungseinrichtungen müssen sich dem digitalen Wandel stellen. Hugenschmidt unterstrich die Bedeutung der LVG in Heidelberg und Hohenheim für die Ausbildung der anderen Sparten des Gartenbaus sowie die Rolle der DEULA als wichtige Bildungseinrichtung mit attraktiven Kursangeboten für eine zeitgemäße Ausbildung.
Erfolgsmodell Gartenschauen
Gerhard Hugenschmidt hob die Bedeutung von Gartenschauen hervor:
„Gartenschauen sind seit Jahren ein Erfolgsmodell und dieses wird zurzeit in Balingen und auf der BUGA in Mannheim fortgesetzt. Die Besucherzahlen sprechen für sich und die Schauen zeigen, wie eine Stadt, zusammen mit dem Rückhalt der Bevölkerung, lebenswerter gestaltet werden kann.“Er erntete hierfür zustimmendes Nicken aus der Politik.
Angesichts der hohen Erwartungshaltung bei Gartenschauen und Landesgartenschauen forderte Hugenschmidt eine Erhöhung der Fördergelder, auch in Zeiten knapper finanzieller Mittel. Die sich daran anschließende Investitionsbereitschaft in den Kommunen rechtfertige diesen Wunsch. Er betonte, dass der Staat sein Geld kaum besser investieren könne, um Baden-Württemberg auch zukünftig eine bundesweite Vorreiterposition bei Landesgartenschauen zu sichern.
Der Parlamentarische Abend der Gartenbauverbände dient jährlich als wichtige Plattform für den direkten Dialog zwischen Unternehmern und Parlamentariern, um aktuelle Anliegen des Berufsstandes zu diskutieren und auszutauschen. Aus diesen Gesprächen ergeben sich regelmäßig Besuchstermine in den Unternehmen der Branche.
