Öffentliche Wahrnehmung und politische Dimension des Pflanzenschutzes
Dr. Gaby-Fleur Böl vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) thematisierte die Diskrepanz zwischen der öffentlichen Wahrnehmung und der tatsächlichen Risikobewertung von Pflanzenschutzmitteln.
Die Kluft zwischen dem gefühlten Risiko und der tatsächlichen Gefahr wird immer größer.
Dr. Jürgen Buchwald, Staatssekretär im Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern, betonte die Notwendigkeit sicherer Lebensmittel, die von den Betrieben produziert werden. Er hob hervor, dass die öffentliche Wahrnehmung verändert werden müsse.
Aufgabe der Politik muss es sein, sich mit den Ängsten der Menschen auseinanderzusetzen.
Wissenschaftliche Erkenntnisse und innovative Lösungsansätze
Prof. Andreas Schaeffer von der Leopoldina (Nationale Akademie der Wissenschaften) und der RWTH Aachen präsentierte die wissenschaftliche Perspektive. Er wies darauf hin, dass Umweltbiologen Zusammenhänge zwischen dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und dem Rückgang von Vogel- oder Insektenpopulationen belegen können. Als Lösungsansatz schlug er unter anderem die Anlage von Hecken zur Abgrenzung von Nutzflächen und zur Schaffung neuer Lebensräume vor.
Dr. Jörn Wogram vom Umweltbundesamt stellte Überlegungen zur Extensivierung oder Segregierung von Flächen in der Landwirtschaft vor. Bei der Extensivierung müssten die Flächen deutlich ausgeweitet werden, da sie der Produktion nicht mehr zur Verfügung stünden. Bei der Segregierung würden Flächen intensiv für die Produktion genutzt, während andere Flächen als Ausgleich für Natur und Artenvielfalt nicht bearbeitet würden.
Landwirtschaft ist aber auch Wirtschaft, deshalb muss es sich für die Betriebe lohnen, etwas für die Umwelt zu tun.
Entwicklung neuer Mittel und Züchtungsperspektiven
Matthias Kastriotis von BASF erläuterte den hohen Aufwand bei der Entwicklung neuer Pflanzenschutzmittel. Angesichts der geringen Mengen, die im Gemüsebau benötigt werden, sei es unwahrscheinlicher, dass neue, umweltverträglichere Mittel zugelassen werden. BASF setzt auf Smart Farming, beispielsweise durch den Einsatz von Drohnen zur gezielten Erkennung und Bekämpfung von Krankheiten und Schädlingen.
Dr. Erich Jörg vom Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz gab Ausblicke zum Pflanzenschutz. Im Bereich der Wildkrautbekämpfung sieht er viele bereits genutzte mechanische Methoden. Fortschritte seien jedoch in der Züchtung resistenter Sorten oder an ein wärmeres Klima angepasster Arten wichtig.
CRISPR bietet die Chance, solche Sorten schnell auf den Markt zu bringen. Allerdings werden diese Verfahren von den Menschen mit Gentechnik in Verbindung gebracht und deshalb wahrscheinlich leider keine Chance haben.
In der Diskussion wurde deutlich, dass der Gemüsebau oft mit der klassischen Landwirtschaft gleichgesetzt wird, obwohl Gemüsekulturen intensiver sind, kleinere Sätze aufweisen und kürzere Anbauperioden haben. Der Austausch soll die Zusammenarbeit für eine umweltverträglichere Produktion fördern.

