QBB-Offensive zur Fachkräftesicherung
Die Qualitätsgemeinschaft Baumpflege und Baumsanierung (QBB) hat auf ihrer Mitgliederversammlung am 23. Juni in Starnberg eine Offensive zur Fachkräftesicherung beschlossen. Die Mitglieder sprachen sich dafür aus, die Ausbildungssituation in der Baumpflege zu optimieren und hierfür den Bundesverband für Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) einzubeziehen.
Zentrale Forderungen sind die Einführung einer Ausbildungsberechtigung für Baumpflegebetriebe, die Bereitstellung von Fördermitteln durch das Ausbildungsförderwerk Garten- und Landschaftsbau (AuGaLa) sowie die Festlegung von Qualitätsstandards in der Weiterbildung. Die Baumpflege nimmt im Bereich der Grünen Branche eine Sonderstellung ein, da "Baumpfleger" kein eigenständiger Ausbildungsberuf ist. Die Qualifikation erfolgt über Fort- und Weiterbildungen zum Fachagrarwirt, European Tree Worker (ETW) oder European Tree Technician (ETT).
Hans Rhiem, Vorsitzender der QBB, erläutert die Problematik:
Im Gegensatz zu den sechs gärtnerischen Fachrichtungen, die als Ausbildungsberuf anerkannt sind, können Baumpflegebetriebe also keine eigenen Nachwuchskräfte ausbilden. In Zeiten des demografischen Wandels, in denen die Sicherung qualifizierter Fachkräfte mehr und mehr zu einer wirtschaftlich existenziellen Herausforderung wird, ist dies kein haltbarer Zustand.Aktuell ist die Baumpflege dem Garten- und Landschaftsbau angegliedert. Da Baumpflegefirmen nicht selbst ausbilden können, rekrutieren sich die Fachkräfte aus anderen Disziplinen wie dem Garten- und Landschaftsbau, dem Baumschulwesen oder der Forstwirtschaft und bilden sich eigeninitiativ weiter.
Rhiem resümiert:
Seit etwa 14 Jahren funktioniert das im Prinzip sehr zufriedenstellend. Die Baumpflege hat sich in dieser Zeit gut entwickelt und viel erreicht.Dennoch sei es an der Zeit, die Ausbildungssituation zu optimieren. Die QBB hat hierfür den "Arbeitskreis Bildung" ins Leben gerufen, der tragfähige Lösungen erarbeiten soll. Ein wesentlicher Punkt ist das Fehlen von Mindeststandards für Lehrpläne in der Fort- und Weiterbildung zum Baumpfleger, die eine Zertifizierung und Kontrolle von Schulen und Lehrkräften ermöglichen würden.
Das Ziel der QBB ist es, gemeinsam mit Verbänden und Schulen einheitliche Standards zu etablieren. Frank Chr. Hagen, Mitglied des Arbeitskreises Bildung, betont:
Es muss weitergehen, wenn wir die Baumpflege zukunftsfähig machen möchten.Die Etablierung eines siebten gärtnerischen Ausbildungsberufs wird von vielen Baumpflegern als langwieriger Prozess eingeschätzt. Dennoch möchten die qualifizierten Baumpflegebetriebe die Sicherung ihres Nachwuchses selbst in die Hand nehmen. Rhiem dazu:
Uns geht es auch hier darum, einen für alle Seiten funktionierenden Kompromiss zu finden. Daher sind wir im Dialog mit dem BGL als unserem Dachverband und suchen gemeinsam nach einer Lösung des Problems.
Verbundausbildung als Lösungsansatz
Ein vorgeschlagenes Modell ist die Verbundausbildung, bei der GaLaBau- und Baumpflegebetriebe gemeinsam ausbilden. Auszubildende würden dabei grundlegende Kenntnisse der landschaftsgärtnerischen Ausbildung erhalten und einen wesentlichen Teil der Ausbildungszeit im Baumpflegebetrieb verbringen. Die QBB ist überzeugt, dass diese fachliche Ergänzung die Ausbildung im GaLaBau aufwerten und für Nachwuchskräfte attraktiver machen würde. Rhiem betont:
Unsere Vorstellung ist, dass bei dieser Kooperation auch Baumpflegebetriebe ihre eigenen Auszubildenden führen und später in den Betrieb übernehmen können.
Ein weiterer Kritikpunkt der QBB betrifft die Ausbildungsförderung durch das AuGaLa. Baumpflegebetriebe, die Mitglied im BGL sind, zahlen eine Umlage an das Ausbildungsförderungswerk. Der QBB-Vorsitzende kritisiert:
Wir werden hier wie ein GaLaBau-Betrieb behandelt mit dem Unterschied, dass die Baumpfleger keine Leistungen vom AuGaLa zurück erhalten. Da wir nicht ausbilden dürfen, gibt es für uns auch keine Ausbildungsförderung in Form von finanzierten Seminaren, Lehrmitteln oder ähnlichem.Die QBB strebt daher eine Förderung für die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter zum ETW, ETT oder Fachagrarwirt an.
Im Rahmen der Mitgliederversammlung wurde auch die Praxis der Ausschreibungsverfahren kritisch beleuchtet. Die Fachbetriebe bemängelten den Trend zur Ausschreibung von Baumpflegemaßnahmen nach VOL. Dies werde als Methode gesehen, die bei VOB-Ausschreibungen notwendige Präqualifizierung zu umgehen und Billiganbietern Zugang zu verschaffen. Die QBB vertritt die Ansicht, dass es im Interesse öffentlicher Auftraggeber liegen sollte, Baumpflegemaßnahmen ausschließlich von qualifizierten Baumpflegebetrieben mit entsprechendem Fachpersonal durchführen zu lassen.