Notenbankmaßnahmen und ihre Auswirkungen auf die Finanzmärkte
Die Notenbanken reagieren auf die wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus mit Maßnahmenpaketen. Parallel dazu zeigten die Baufinanzierungszinsen in den letzten Wochen eine konstante Entwicklung oder einen leichten Anstieg.
Maßnahmen der EZB und Diskussion um Corona-Bonds
Nach der Verabschiedung ihres Maßnahmenpakets im März erwarb die Europäische Zentralbank (EZB) Anleihen im Wert von 33,75 Milliarden Euro. Davon entfielen etwa 35 Prozent auf italienische Papiere. Diese hohe Quote weicht von den bisherigen anteiligen Anleihenkäufen der Mitgliedsstaaten ab und diente der Stabilisierung der Kurse italienischer Staatspapiere.
Ein derart hoher Prozentsatz entspricht nicht den bisherigen anteiligen Anleihenkäufen von Mitgliedsstaaten und wurde unternommen, um die Kurse der italienischen Staatspapiere stabil zu halten.
Ergänzend dazu bleibt die Einführung sogenannter Corona-Bonds, die eine Vergemeinschaftung von Staatsschulden vorsehen, ein zentrales Diskussionsthema. Beim jüngsten Treffen der EU-Finanzminister konnte keine Einigung über ein geeignetes Corona-Rettungspaket erzielt werden. Bundesfinanzminister Olaf Scholz schlug gemeinsam mit einigen EU-Kollegen vor, Mittel des Eurorettungsschirms ESM zu nutzen, einen Garantiefonds für Unternehmenskredite über die Europäische Investitionsbank einzurichten und ein Kurzarbeiterprogramm zu implementieren. Mitgliedsstaaten wie Italien und Spanien forderten hingegen die Einführung von Corona-Bonds.
US-Leitzins auf Niedrigniveau gesenkt
Die US-Notenbank Fed senkte im März den Leitzins um einen Prozentpunkt auf 0 bis 0,25 Prozent. Zudem wurde ein Anleihenkaufprogramm im Volumen von 700 Milliarden Dollar verabschiedet und Finanzinstituten Notfallkredite ermöglicht.
Die US-Notenbank reagierte gewohnt schnell und mit vergleichsweise drastischen Maßnahmen, welche die Markterwartungen noch übertrafen. Fed-Präsident Powell legte im Anschluss sogar noch nach und stellte klar, dass Spielraum für weitere geldpolitische Maßnahmen besteht. Die Fed tut demnach momentan alles, um die Märkte in Schach zu halten.
Entwicklung der Baufinanzierungszinsen
Die Bestzinsen für Baufinanzierungen beendeten im März ihren seit Jahresbeginn anhaltenden Abwärtstrend. Die 10-jährigen Zinsbindungen verharrten bis Anfang April bei 0,41 Prozent. Die 15-jährigen Zinsbindungen stiegen leicht von 0,64 Prozent Anfang März auf 0,75 Prozent Anfang April.
Es gab starke Bewegungen auf dem Anleihenmarkt. Die Anleger flüchteten nach der Verschärfung der Coronakrise in Europa in Anleihen, die in Krisenzeiten als sicherer Hafen gelten. Entsprechend rutschten die Renditen 10-jähriger Bundesanleihen Anfang März deutlich ab und markierten einen neuen Tiefpunkt. Dies führte kurzfristig auch zu einem extremen Ausschlag der Zinsen nach unten. Im Anschluss erholte sich der Anleihekurs schnell wieder, die Rendite auf Bundesanleihen bleibt jedoch nach wie vor negativ.
Ein weiterer Faktor, der die Zinsen beeinflusst, sind die aktuell langen Bearbeitungszeiten vieler Banken. Hier wird versucht, den Eingang von Neuanträgen über leicht höhere Konditionen zu steuern. Die Unterstützung durch die Notenbanken und die massive Hilfe von Regierungsseite konnten vorerst für eine gewisse Beruhigung sorgen. Die Einschränkungen durch Covid-19 werden voraussichtlich nicht kurzfristig beendet werden können. Die weitere Entwicklung nach dem 20. April ist derzeit unklar, was kurzfristig zu Volatilität auf dem Anleihen- und Zinsmarkt führen kann. Langfristig wird ein Seitwärtstrend auf sehr niedrigem Niveau erwartet.
Tendenz:
- Kurzfristig: konstant bis leicht aufwärts
- Langfristig: seitwärts
