Die Notwendigkeit eines effizienten Wassermanagements
Die Fachvereinigung Betriebs- und Regenwassernutzung e.V. (fbr) fordert angesichts des Klimawandels ein effizientes Management und den Schutz der Ressource Wasser. Die Organisation plädiert für eine intensivere Berücksichtigung von Regenwassernutzung und Regenwasserbewirtschaftung. Trotz der globalen Nachfrage nach deutscher Technologie stagniert die Regenwassernutzung im Inland. Die fbr sieht in dezentralen Lösungen für das Wassermanagement ein Zukunftsmodell, ähnlich der Entwicklung im Bereich erneuerbarer Energien.
Herausforderungen der aktuellen Wasserinfrastruktur
Während das Thema Energie politisch stark beachtet wird, findet Wasser als Ressource und die Regenwassernutzung als Maßnahme zur CO2-Reduzierung weniger Beachtung.
Die heutigen zentralen Wasserinfrastruktursysteme sind zu teuer und nur begrenzt zukunftsfähig.
Dies erklärte fbr-Vizepräsident Torsten Grüter. Er prognostiziert, dass der rückläufige Wasserverbrauch durch den demografischen Wandel weiter sinken wird. Flexible, dezentrale Systeme könnten hier hohe Kosten einsparen und die Effizienz des Wassermanagements steigern. Grüter betont, dass Regenwassernutzung und Grauwasserrecycling Verbrauchern ermöglichen, als eigene Wasserwirte aufzutreten, was zudem Kanäle und Kläranlagen entlastet.
Kritik an überdimensionierten Netzen und Gebührenmodellen
Einflussreiche Ver- und Entsorgungsunternehmen fordern Verbraucher auf, ihren Wasserverbrauch zu erhöhen, um die Instandhaltung der Wasserrohre zu gewährleisten und Preise zu senken. Klaus W. König, Architekt, Sachverständiger und fbr-Vorstandsmitglied, bezeichnet dies als Fehlinterpretation. Er argumentiert, dass die Wasserqualität nicht unter sparsamem Wasserumgang leidet, sondern unter überdimensionierten Netzen, deren Sanierungsbedarf sich auf rund 50 Milliarden Euro beläuft.
Der rückläufige Wasserverbrauch resultiert aus Privathaushalten und dem Strukturwandel in der Industrie. fbr-Vorstand Markus Böll fordert hier Kombinationslösungen mit dezentralen Systemen. Vorschläge der Wasserversorger, Gebühren mit einem 80-prozentigen Fixkostenanteil zu erheben, lehnt die fbr ab. König vergleicht dies mit einer Flatrate für alkoholische Getränke. Eine Versuchsanlage in Knittlingen zeigt bereits, wie aus Regen- und Rohwasser bedarfsgerecht Trinkwasser aufbereitet wird. König erwartet, dass solche integrierten Systeme in 30 Jahren Standard sein werden, auch wenn sie derzeit noch kostspielig sind.
Der weltweite Klimawandel macht Wasser zu einem begrenzten Gut, dessen nachhaltiges Management in den kommenden Jahren in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses rücken wird.
Dies unterstreicht fbr-Präsident Martin Bullermann und fordert eine Neuorientierung der Siedlungswasserwirtschaft.
Notwendigkeit des Umbaus der Wasserinfrastruktur
Claudia Kleinert, TV-Wettermoderatorin, hob die Relevanz des Klimawandels für die Wasserversorgung hervor. Sie sieht die zeitliche und regionale Verfügbarkeit von Feuchtigkeit und Wasser in Frage gestellt. fbr-Präsident Martin Bullermann kritisierte das zentrale System der Wasserversorgung, dessen Ansatz aus der Römerzeit stamme. Ein Umbau hin zu tatsächlichen und zukünftigen Bedürfnissen sei überfällig.
Fördermittel und rechtliche Rahmenbedingungen
Die Branche sieht in Fördermitteln für Regenwassersysteme, wie sie in Frankreich praktiziert werden, kein Allheilmittel. Markus Grimm, Geschäftsführer der Firma Mall Umweltsysteme, betrachtet Förderungen bestenfalls als zeitlich begrenzte Anschubhilfe für dezentrale Systeme.
Subventionen für die zentrale Wasserver- und -entsorgung einzustellen und damit Chancengleichheit zwischen den Systemen herstellen!
Dies fordert Grimm. Bullermann sieht im administrativen Geflecht der Regelungen in Deutschland ein Hauptproblem. Anschluss- und Benutzungszwang, eine unklare Trinkwasserverordnung und der Widerstand vieler Wasserversorgungsunternehmen verhindern einen fairen Wettbewerb.
Privatdozent Dr. Reinhard Holländer vom Institut für Allgemeine Hygiene am Klinikum Bremen bestätigt, dass die Trinkwasserverordnung in ihrer Haltung zur Regenwassernutzung nicht immer den Stand der Wissenschaft widerspiegelt. Obwohl das Robert-Koch-Institut der Regenwassernutzung positiver gegenübersteht, hätten sich im Umweltbundesamt bei der Formulierung der Trinkwasserverordnung eher emotionale statt wissenschaftlich fundierte Meinungen durchgesetzt. Angesichts der anstehenden Novellierung der Trinkwasserverordnung empfiehlt Horst Meierhofer, FDP-Bundestagsabgeordneter, der fbr, konkrete Vorstellungen in den Prozess einzubringen.