Dünger und Substrate, Pflanzen und Pflanzenteile

Risikomanagement im Pflanzenschutz: Nationale und europäische Perspektiven

Die 20. AGRO-Konferenz beleuchtete das Risikomanagement im Pflanzenschutz. Experten diskutierten nationale und europäische Bewertungsmethoden, Harmonisierung und den Umgang mit Sprühnebelabdrift. Neue Leitfäden und Tools zur Reduzierung von Pestizidübertragungen wurden vorgestellt.

Herausforderungen und Entwicklungen bei der Risikobewertung

Die 20. internationale AGRO-Konferenz der Akademie Fresenius in Mainz widmete sich dem Risikomanagement im Bereich Pflanzenschutz. Experten aus Behörden, Wissenschaft und Industrie diskutierten Herausforderungen und Entwicklungen bei der Bewertung, Zulassung und Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. Im Fokus standen der Vergleich nationaler und europäischer Risikobewertungsmethoden, die Harmonisierung von Bewertungsansätzen sowie der Umgang mit Sprühnebelabdrift.

Ein zentrales Thema war die Anwendung von Glyphosat und Aminomethylphosphonsäure (AMPA), insbesondere im Hinblick auf Laborexperimente und den Datenaustausch. Die Konferenz beleuchtete zudem, wie Sprühnebelabdrift in Risikobewertungen integriert werden kann.

Neuer EFSA-Leitfaden für Bodenorganismen

Michael Stemmer von der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) präsentierte den neuen Leitfaden der Europäischen Lebensmittelbehörde (EFSA) zur Expositionsbeurteilung von Bodenorganismen gegenüber Pflanzenschutzmitteln (PEC Soil Guidance). Dieser Leitfaden bietet eine Anleitung zur Untersuchung von Konzentrationen im gesamten Boden und im Porenwasser, die für ökotoxische Bewertungen relevant sind. Das empfohlene Expositionsbewertungsverfahren ist mehrstufig aufgebaut.

Zur Unterstützung der regulatorischen Praxis werden Software-Tools bereitgestellt. Die EFSA plant für das kommende Jahr Trainings und Webinare, um die Anwendung des Leitfadens zu erleichtern.

Pufferzonen zur Reduzierung von Pestizidübertragungen

Nadia Carluer vom französischen Forschungsinstitut Irstea stellte das Online-Tool BUVARD vor. Dieses Tool ermöglicht die Planung vegetativer Pufferzonen, um den Transfer von Pestiziden aus benachbarten Parzellen zu begrenzen und somit die Präsenz von Pestiziden in aquatischen Gebieten zu reduzieren. Grasbewachsene oder bewaldete Streifen können Pestizidabflussübertragungen vermindern. Die Effizienz dieser Pufferzonen hängt von ihrer Anlage, Erhaltung sowie der Anpassung an agronomische, bodenkundliche und klimatische Gegebenheiten ab.

BUVARD (Buffer strip runoff Attenuation and Pesticide Retention Design tool) vereinfacht die Berechnung von Größen und die Erstellung von Szenarien für Pufferzonen.

BUVARD macht es möglich, jede Pufferzone unter Berücksichtigung aller lokalen Eigenschaften so gut wie möglich zu gestalten.

Aufgrund der Verfügbarkeit von Niederschlagsdaten ist BUVARD derzeit auf französische Inhalte beschränkt.

Auch zur Verminderung der Übertragung von Pestiziden durch Sprühmittelabdrift können Pufferzonen eingerichtet und online berechnet werden. Die kanadische Regulierungsbehörde für Schädlingsbekämpfungsmittel hat hierfür einen Online-Kalkulator entwickelt. Dieser liefert Anwendern genaue Einstellungen unter Berücksichtigung von Windgeschwindigkeit, Temperatur, Sprühqualität und Sprühgerätetyp. John David Whall stellte den Kalkulator auf der Konferenz vor. Das Tool ist kostenfrei über den Suchbegriff „Buffer Zone Calculator“ im Web zugänglich.

Fortschritte in der Abdriftreduzierung durch moderne Technik

Neil Mackay von FMC Agricultural Solutions betonte die Verfügbarkeit zahlreicher Möglichkeiten für aussagekräftige Risikountersuchungen und effektive Maßnahmen zur Risikominderung bei der Sprühmittelabdrift. Er ist überzeugt, dass moderne Technik zur Abdriftreduzierung (SDRT: Spray Drift Reduction Technology) eine grundlegende Anwendung werden könnte. Voraussetzung hierfür seien robuste Berechnungsmodelle, die auf große und detaillierte Datensätze zur Validierung zurückgreifen können. Die Erfahrung zeige, dass Sprühnebelabdrift mittlerweile gut gemanagt werden kann.

Moderne Technologien zur Abdriftreduzierung können an Landschaften und lokale Bedingungen angepasst werden und kommen häufig zum Einsatz.

Kommunikation als Herausforderung für effiziente Risikobewertung

Jos Boesten von der Universität Wageningen thematisierte die Definition von Zielvorgaben für die Expositionsabschätzung (Exposure Assessment Goals – ExAGs). Er sieht die Schwierigkeit darin, die Elemente „Wirkung“ und „Exposition“ in der Risikoabschätzung korrekt zu kombinieren. Das Grundproblem liege in der Definition stimmiger Zielkombinationen aus Expositions- und Wirkungsabschätzung. Boesten zufolge arbeiten Fachleute für Ökotoxikologie und Wirkungsabschätzung oft in unterschiedlichen Welten, was zu einer inkohärenten gesamthaften Risikobewertung führe.

Diese Kommunikationsprobleme behindern Verbesserungen in der Risikobewertung für Organismen.

Bei Kommunikationsproblemen in der Risikobewertung liegt die Schuld immer bei alle Beteiligten – und nicht nur auf einer Seite.

Als Lösung schlägt Jos Boesten vor, im Rahmen des Risikobeurteilungsprozesses Arbeitsgruppen einzurichten. Diese sollen paritätisch mit Ökotoxikologie-Experten und Experten für die Beurteilung des Verhaltens von Pflanzenschutzmitteln besetzt sein. Ziel ist die gemeinsame Entwicklung kohärenter Pakete von Exposure- und Effect-Assessment-Zielen. Der Impuls zur Zusammensetzung dieser Gruppen müsse vom Top-Management ausgehen, da ein Bottom-up-Ansatz sich als ineffizient erwiesen habe.

09.07.2018

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