Grüne Verbände Hessens setzen Impulse für Stadtentwicklung und Freiraumqualität
Mehr als 300 Gäste aus Politik, Verwaltung und Garten- & Landschaftsbau folgten am 22. Januar der Einladung der grünen Berufsverbände Hessens zum gemeinsamen Neujahrsempfang im Frankfurter Planungsdezernat. Veranstalter waren der Bund Deutscher Landschaftsarchitekten (bdla) Hessen, die Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur (DGGL) Hessen, der Fachverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Hessen-Thüringen (FGL), die Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) sowie die Hessische Vereinigung für Naturschutz und Landschaftspflege (HVNL).
Stephan Heldmann, Landesvorsitzender der GALK und Leiter des Frankfurter Grünflächenamtes, betonte die stark gewachsene Bedeutung des öffentlichen Grüns für expandierende Metropolregionen. Frankfurt habe durch eine gute Grünausstattung und Investitionen von nahezu 70 Millionen Euro in den vergangenen sieben Jahren national wie international Spitzenplätze in Standortvergleichen erreicht. Öffentliches Grün sei längst zu einem harten Standortfaktor geworden.
Bürgermeister Olaf Cunitz unterstrich die Notwendigkeit integrierter Planungsansätze in einer wachsenden und flächenmäßig begrenzten Stadt.
„Insbesondere in einer flächenmäßig so begrenzten Stadt wie Frankfurt, deren Einwohnerzahl stark wächst, müssen unterschiedlichste Flächennutzungsansprüche berücksichtigt werden. Für eine lebenswerte Stadt sind Flächen für Wohnraum ebenso notwendig wie Frei- und Grünflächen, aber auch Verkehrsflächen, Flächen für Landwirtschaft, Gewerbe und Industrie. Deshalb erarbeiten wir derzeit ein integriertes Stadtentwicklungskonzept, bei dem diese verschiedenen Belange angemessen berücksichtigt werden – und wir das Wachstum der Stadt und damit auch ihre Zukunft aktiv gestalten.“
Preis für zeitgenössische Gartenkunst vergeben
Ein Höhepunkt des Abends war die Verleihung des DGGL-Preises für zeitgenössische Gartenkunst, auch als „Garten-Oskar“ bekannt. Ausgezeichnet werden im jährlichen Wechsel öffentliche oder private Projekte. In diesem Jahr ging die Ehrung an das Büro Adler & Olesch, Landschaftsarchitekten und Ingenieure Mainz GmbH, vertreten durch Dipl.-Ing. (FH) Landschaftsarchitekt Stefan Bitter.
Prämiert wurde das Projekt „Terroir, zeitgenössische Gartenkunst im alten Weinberg“. Die private Gartenanlage verbindet die umgebende Kulturlandschaft mit moderner Architektur und setzt gestalterische Akzente im sensiblen Kontext historischer Weinbergstrukturen. Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert und wird vom Wiesbadener Garten- und Landschaftsbaubetrieb Gramenz gestiftet. Bestandteil der Auszeichnung ist zudem eine Edelstahlskulptur des Frankfurter Künstlers Bernhard Jäger.
Einen Ehrenpreis im Rahmen des Projekts „Offene Gartenpforte Hessen“ erhielt Gerhard Roßkopf, Inhaber eines gleichnamigen Garten- und Landschaftsbaubetriebs in Frankfurt-Goldstein und Mitglied im FGL Hessen-Thüringen. Gewürdigt wurde sein langjähriges Engagement für die Initiative.
IBA Rhein-Main als Motor für Freiraumentwicklung
Mit Spannung erwartet wurde der Festvortrag von Uli Hellweg zum Thema „IBA Rhein-Main – Chancen einer grünen Bauausstellung für die Metropolregion“. Hellweg, ehemaliger Geschäftsführer der Internationalen Bauausstellung (IBA) Hamburg GmbH, ordnete Bauausstellungen als wirkungsvolles Instrument der Stadt- und Regionalentwicklung ein.
Neben architektonischen, städtebaulichen, sozialen und kulturellen Aspekten spielten Freiräume bei Bauausstellungen stets eine zentrale Rolle. Investitionsmittel flössen unmittelbar in strukturelle Maßnahmen und erzeugten dadurch nachhaltige Effekte. Im Unterschied zu sportlichen Großveranstaltungen, bei denen erhebliche Mittel in die Durchführung der Events selbst gebunden seien, entstünden bei einer IBA dauerhafte Strukturen.
Für die Rhein-Main-Region sieht Hellweg die Chance, national wie international Vorbild zu sein. Voraussetzung sei, dass Politik und Kommunen Partikularinteressen zugunsten gemeinsamer regionaler Ziele zurückstellen. Im Anschluss nutzten die Gäste den Abend zu intensiven Fachgesprächen und zum Austausch über die Zukunft urbaner Freiräume.
