Pflanzen und Pflanzenteile

Stinsenpflanzen, natürlich Vintage

Immer häufiger stößt man auf den Begriff: Stinsenpflanzen. Aber was ist das dann und weshalb spricht man eigentlich über diese Jahrhunderte alten Blumenzwiebeln?

Was sind Stinsenpflanzen?

„Stinse“ oder „Stinze“ ist ein friesisches Wort und bedeutet Steinhaus. Stein war früher ein kostbares Baumaterial und wurde daher nur selten verwendet. Klöster, Kirchen, Schlösser, Landhäuser und wohlhabende Bauernhöfe hingegen wurden aus Stein errichtet, da ihre Eigentümer über die entsprechenden Mittel verfügten.

In den Gärten dieser repräsentativen Gebäude – und oft auch davor – pflanzte man Blumenzwiebeln, um den Wohlstand und das Ansehen der Besitzer zusätzlich zu unterstreichen. Diese frühjahrsblühenden, verwilderungsfähigen Blumenzwiebeln werden heute als Stinsenpflanzen bezeichnet.

Stinsenpflanzen erleben derzeit eine Renaissance. Sie sind wieder in Mode und dürfen mit Recht als „Vintage“-Pflanzen bezeichnet werden.

Woher stammen Stinsenpflanzen?

Die Ursprünge der Stinsenpflanzen liegen nicht in den Niederlanden oder in Deutschland. Vielmehr wurden sie von Abenteurern und Botanikern entdeckt und nach Westeuropa gebracht. Zu den bekanntesten Namen zählen Carolus Clusius, William Robinson sowie die Brüder Cornelis und Marinus van Tubergen, die zahlreiche Arten auf ihren Reisen sammelten.

Bereits ab dem 16. Jahrhundert wurden die ersten Stinsenpflanzen in Westeuropa eingeführt und gezielt in Parks und Gärten kultiviert.

Typische Stinsenpflanzen

Ursprünglich handelt es sich bei Stinsenpflanzen um Waldpflanzen. Sie gedeihen daher gut im Halbschatten und blühen im zeitigen Frühjahr, noch bevor Bäume und Sträucher ihr Laub entwickelt haben.

Zu den klassischen, besonders „vintage“-typischen Stinsenpflanzen zählen unter anderem:

  • Hasenglöckchen (Hyacinthoides)
  • Wald-Tulpe (Tulipa sylvestris)
  • Weißes Buschwindröschen (Anemone nemorosa)
  • Bärlauch (Allium ursinum)
  • Schachblume (Fritillaria meleagris)
  • Nickender Milchstern (Ornithogalum nutans)
  • Krokus (Crocus)
  • Maiglöckchen (Convallaria majalis)
  • Frühlings-Knotenblume (Leucojum vernum)
  • Balkan-Windröschen (Anemone blanda)
  • Sibirischer Blaustern (Scilla siberica)
  • Schneeglöckchen (Galanthus)
  • Sternhyazinthe (Chionodoxa)
  • Gefingerter Lerchensporn (Corydalis solida)
  • Dichter-Narzisse (Narcissus poeticus)
  • Winterling (Eranthis)
  • Sommer-Knotenblume (Leucojum aestivum)

Stinsenpflanzen richtig pflanzen

Für Stinsenpflanzen gilt eine einfache Grundregel: Sie lieben Gartenbereiche, in denen der Boden möglichst unberührt bleibt. Ideal sind Standorte unter laubabwerfenden Bäumen oder Sträuchern, in Wiesen und Weiden, zwischen Stauden in Randbereichen oder in Kombination mit bodendeckenden Pflanzen.

Wenn diese Voraussetzung erfüllt ist, gestaltet sich der Rest denkbar einfach: pflanzen und genießen.

Wissenswertes zur Pflege

  • Es gibt Orte, an denen Schlösser oder Landhäuser längst verschwunden sind, während die Stinsenpflanzen dort noch heute jedes Frühjahr zuverlässig blühen.
  • Die beste Pflege für Stinsenpflanzen ist, sie weitgehend sich selbst zu überlassen. Sie verwildern am besten, wenn man sie in Ruhe lässt.
  • Wiesen und Grasflächen sollten erst etwa sechs Wochen nach der letzten Blüte gemäht werden. So haben die Pflanzen genügend Zeit, einzuziehen und sich weiter auszubreiten.

26.05.2016

Zurück