Von Mexiko nach Europa: Die Reise der Tomate
Die Tomate, botanisch den Nachtschattengewächsen zugehörig, ist in Deutschland seit über hundert Jahren ein fester Bestandteil der Speisepläne. Ursprünglich aus Mexiko stammend, fand sie im 16. Jahrhundert durch den spanischen Eroberer Hernán Cortés ihren Weg nach Europa. Dort wurde sie zunächst in Spanien und später in Italien kultiviert, wo sie als „pomi d’oro“ (Goldapfel) oder „Liebesapfel“ bezeichnet wurde. Erst im 17. Jahrhundert begann man auch in Deutschland, die Früchte zu verzehren, nachdem sie lange Zeit als ungenießbar oder gar giftig galten.
Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von rund 8,4 Kilogramm im Jahr 2020 zählt die Tomate zu den meistgegessenen Gemüsesorten in Deutschland. Insgesamt wurden in diesem Jahr etwa 700.000 Tonnen Tomaten konsumiert, was einen leichten Anstieg gegenüber dem Vorjahr darstellt.
Beliebte Sorten und Anbaugebiete
Die beliebteste Sorte ist die Cocktail- oder Cherrytomate, von der 2020 rund 220.899 Tonnen gekauft wurden. An zweiter Stelle folgen Rispentomaten mit 157.259 Tonnen. Romatomaten und Fleischtomaten erreichten Einkaufsmengen von 42.686 Tonnen beziehungsweise 19.756 Tonnen.
Die größten Anbauflächen für deutsche Tomaten befanden sich 2020 in Bayern (76 Hektar), Baden-Württemberg (70 Hektar) und Nordrhein-Westfalen (65 Hektar).
Nachhaltiger Anbau und Erntezeiten
Vollreife Tomaten zeichnen sich durch ihr besonders aromatisches und fruchtiges Aroma aus. Während Freilandtomaten meist nur von Ende Juli bis September geerntet werden können, ermöglicht der Anbau unter Glas oder Folie eine längere Reifezeit und schützt die Pflanzen vor Witterungseinflüssen. Dadurch können Tomaten aus geschütztem Anbau von April bis Oktober geerntet werden.
Im Tomatenanbau spielt Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. Oft wird auf organischem Substrat angebaut und biologische Verfahren im Pflanzenschutz eingesetzt. Beispielsweise bekämpfen Schlupfwespen Schädlinge, und Hummeln bestäuben die Tomatenblüten. Viele Betriebe nutzen geschlossene Wasserkreisläufe, die bis zu 75 Prozent Regenwasser verwenden. Zudem erfolgt die Düngung bedarfsorientiert und Pflanzenschutzmittel werden sparsam eingesetzt, um das volle Aroma der Tomaten zu fördern.
Vielfalt und gesundheitlicher Nutzen
Weltweit existieren über 3000 verschiedene Tomatensorten, die sich in Farbe, Form und Größe unterscheiden. Neben den bekannten roten Varianten gibt es Tomaten in Gelb, Orange, Blau-Schwarz, Grün, Weiß und Marmoriert. Die Größen reichen von kleinen Cocktailtomaten bis zu Riesentomaten, die bis zu einem Kilogramm wiegen können.
Tomaten sind nicht nur vielseitig in der Küche, sondern auch gesund. Ihre rote Farbe erhalten sie durch das Carotinoid Lycopin. Darüber hinaus enthalten sie Vitamin C, Kalium und Ballaststoffe. Sekundäre Pflanzenstoffe in Tomaten sollen dazu beitragen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen und die Abwehrkräfte zu stärken. Mit 94 Prozent Wasseranteil und nur etwa 17 kcal pro 100 Gramm sind Tomaten zudem figurfreundlich.
Einkauf, Lagerung und Verwendung
Frische Tomaten erkennt man an ihrer leuchtenden Farbe und einem festen Fruchtfleisch, das unter leichtem Druck leicht nachgibt. Die Schale sollte unbeschädigt sein. Bei Tomaten mit Grün ist darauf zu achten, dass dieses nicht welk oder trocken ist. Bei verpackten Tomaten sollte sich nicht zu viel Feuchtigkeit unter der Folie angesammelt haben. Unreife Tomaten können bei Zimmertemperatur nachreifen.
Die optimale Lagertemperatur für Tomaten liegt bei 12 bis 18 Grad Celsius, außerhalb des Kühlschranks. Bei kühleren Temperaturen können sie an Geschmack einbüßen. Da Tomaten, ähnlich wie Äpfel, das Reifegas Ethylen absondern, sollten sie getrennt von anderem Obst und Gemüse gelagert werden, um deren Reifeprozess nicht zu beschleunigen. Bei richtiger Lagerung bleiben Tomaten bis zu 14 Tage frisch.
Tomaten bieten vielfältige Verwendungsmöglichkeiten in der Küche. Roh als Snack oder im Salat mit Dressing oder Öl entfalten sie ihren puren Geschmack. Sie eignen sich als Antipasti, können im Ganzen gegart als Beilage zu Fisch, Fleisch oder vegetarischen Gerichten serviert werden. Auch zum Grillen, in Ofengemüse, als Soße, Suppe oder Mark verarbeitet sind sie beliebt. Tomatenmarmeladen mit Zitrone und Zucker sind eine weitere Möglichkeit, die Süße der Frucht hervorzuheben und passen gut zu Käseplatten oder als Dip. Beim Kochen mit Tomaten kann eine Prise Zucker den Geschmack verstärken. Besonders in mediterranen Gerichten, wie einer Feta-Tomaten-Pasta, entfalten sie ihr volles Aroma.
Tomaten im Fakten-Check
- Obst oder Gemüse? Botanisch sind Tomaten ein Fruchtgemüse. Die Pflanze ist krautig und einjährig (Gemüse), die verzehrte Frucht ist eine Beere.
- Farbenvielfalt: Tomaten sind nicht nur rot, sondern auch in Violett, Gelb, Orange, Grün, Braun und Schwarz erhältlich.
- Pomi d’oro: In Italien werden Tomaten liebevoll „pomodoro“ genannt, was „Liebesapfel“ oder „Goldapfel“ bedeutet.
- Tomatenflecken entfernen: Frische Flecken sollten sofort mit Gallseife und lauwarmem oder kohlensäurehaltigem Wasser vorbehandelt werden. Bei hellen Kleidungsstücken kann Bleiche, bei eingetrockneten Flecken Rasierschaum helfen, bevor das Kleidungsstück so heiß wie möglich gewaschen wird.
- Grüne Tomaten: Grüne Tomaten reifen farblich nach, entwickeln ihr volles fruchtiges Aroma jedoch nur, solange sie an der Pflanze wachsen.
