Pilotprojekt „Carbon Footprint“: Ein Leitfaden für nachhaltige GaLaBau-Betriebe
Der Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Bayern (VGL Bayern) hat im März dieses Jahres das Pilotprojekt „Carbon Footprint“ initiiert. Ziel ist es, den Mitgliedsbetrieben einen Leitfaden zur Reduktion von CO2-Emissionen an die Hand zu geben und so den Beitrag der grünen Branche zum Klimaschutz zu stärken.
Die Ausrichtung von Unternehmen auf Umweltschutz gewinnt für Bürger und Auftraggeber zunehmend an Bedeutung. Bauherren fordern vermehrt eine umweltbewusste Unternehmensführung, ressourcenschonende Materialbeschaffung und den Einsatz energieeffizienter Techniken. Auch die öffentliche Hand wird voraussichtlich entsprechende Anforderungen stellen.
Vor diesem Hintergrund startete der VGL Bayern das Projekt gemeinsam mit 13 Mitgliedsbetrieben unterschiedlicher Größe und dem Berufsbildungszentrum DEULA Bayern. Unter Anleitung der Unternehmensberatungsgesellschaft FutureCamp Climate GmbH wurden im ersten Schritt die im Garten- und Landschaftsbau (GaLaBau) üblichen Kohlendioxidquellen und deren Emissionswerte ermittelt. Die Vorgehensweise orientierte sich an den Emissions-Kategorien (Scopes) des Greenhouse Gas Protocol (GHG Protocol).
Die Projektgruppe erarbeitete zudem Handlungsempfehlungen zur Minimierung der Kohlendioxidemissionen und zur Kompensation nicht vermeidbarer Emissionen. Das GHG Protocol ist ein transnationaler Standard zur Bilanzierung von Treibhausgasemissionen und dem dazugehörigen Berichtswesen für Unternehmen und den öffentlichen Bereich.
Nach dem GHG Protocol umfasst Scope 1 die direkten Emissionen eines Betriebs (Gebäude, Einrichtungen, Fuhrpark, Maschinen, Werkzeuge). Scope 2 beinhaltet die indirekten Emissionen aus dem Bezug von Wärme, Strom und Energie. In Scope 3 werden sowohl vorgelagerte indirekte Emissionen (Pendelverkehr der Mitarbeiter, Geschäftsreisen, Anlieferungen, Produktion/Erstellung von eingekauften Materialien/Dienstleistungen, Abfälle) als auch nachgelagerte indirekte Emissionen (Transport und Verteilung von Materialien, Fuhrpark von Vertragspartnern/Speditionen, Weiterverarbeitung von Produkten, Produktnutzung, ausgelagerte Aktivitäten, Abfälle) zusammengefasst.
Bei der Abschlussveranstaltung des Projekts am 20. Juli 2021 präsentierten Mario Nast, Inhaber der Firma Die Gartenzwerge Garten- und Landschaftsbau, und Mitarbeiterin Veronika Hintermaier die Evaluierung der Emissionsquellen und -werte sowie die Ergebnisse für ihren Betrieb. Im Jahr 2019 lag der Schwerpunkt des Kohlendioxidausstoßes auf den unter Scope 3 definierten Emissionsquellen. Insbesondere der Bezug und Einsatz von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen machten knapp 64 Prozent aus, während Arbeitswege der Mitarbeiter, Abfall und Logistik jeweils zwischen 5 und 7 Prozent beitrugen.
Aus Scope 1 schlug vor allem der eigene Fuhrpark mit etwa 17 Prozent zu Buche. Florian Herrhammer, Geschäftsführer der Herrhammer GbR – Gärtner von Eden, berichtete von betrieblichen Erfahrungen. Marius Nowak erläuterte seine Herangehensweise zur Berechnung des CO2-Fußabdrucks der Firma Herrhammer im Rahmen seiner Bachelorarbeit. Der Fachbetrieb aus dem Allgäu ist durch Vermeidung, Reduktion und Kompensation von Kohlendioxid seit knapp zwei Jahren klimaneutral.
Im nächsten Schritt wird der Leitfaden weiter ausgearbeitet. Er wird eine Grundlage zur Berechnung des individuellen, betrieblichen CO2-Fußabdrucks sowie Informationen zur freiwilligen Kompensation von Treibhausgasemissionen, beispielsweise durch Zertifikate, enthalten. Der Leitfaden soll den Verbandsmitgliedern im kommenden Herbst zur Verfügung gestellt werden. Diese Hilfestellung ist auch für die Geschäftsstelle des VGL Bayern relevant, um die eigene Klimaneutralität zu erreichen.

