Entwicklung der Baugenehmigungen und Herausforderungen im Wohnungsbau
In Deutschland wurden von Januar bis November 2018 insgesamt 315.200 Baugenehmigungen für Wohnungen erteilt. Dies entspricht einem Anstieg von 0,5 Prozent oder 1.600 Genehmigungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Besonders deutlich zeigte sich der Zuwachs bei Wohngebäuden mit drei oder mehr Wohnungen, wo ein Plus von 4,5 Prozent verzeichnet wurde. Im Gegensatz dazu sanken die Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser um 0,5 Prozent und für Zweifamilienhäuser um 5,2 Prozent.
Der Verein zur Qualitäts-Controlle am Bau e.V. (VQC) schätzt, dass zur Deckung der Wohnraumnachfrage in den kommenden Jahren weitaus größere Anstrengungen erforderlich sein werden. Das im Koalitionsvertrag festgelegte Ziel, bis 2021 anderthalb Millionen Wohnungen zu bauen, sei mit der aktuellen Geschwindigkeit nicht erreichbar. Hierfür wären jährlich 375.000 zusätzliche Wohnungen notwendig.
Dieses Ziel dürfte im vergangenen Jahr verfehlt worden sein, auch wenn die Dezember-Zahlen noch ausstehen. Der Anstieg von 4,5 Prozent bei Wohngebäuden mit mehr als drei Wohnungen könnte laut VQC darauf hindeuten, dass die Bautätigkeiten insbesondere in Ballungsgebieten zunehmen.
Der Rückgang der Baugenehmigungen für Ein- und Zweifamilienhäuser könnte eine Reaktion auf steigende Baupreise und den Mangel an Handwerkern sein, insbesondere in städtischen Zentren. Der Fachkräftemangel im Baugewerbe könnte sich weiter verstärken, falls die geplanten Maßnahmen der Großen Koalition greifen sollten.
Wenn tatsächlich jährlich bis zu 375.000 Wohnungen gebaut werden sollten, könnte die Übernachfrage nach Facharbeitern nachhaltige Konsequenzen – besonders für den privaten Bauherren – haben.
Dies befürchtet Udo-Schumacher-Ritz, Vorsitzender des VQC. Mögliche Folgen wären weiter steigende Baukosten, längere Bauzeiten und teilweise fehlerhafte Bauausführungen. Aus diesem Grund empfiehlt der VQC privaten Bauherren eine zusätzliche unabhängige Qualitätskontrolle. Bausachverständige des VQC begleiten den Bau von Einfamilienhäusern, um diesen Prozess präzise zu gestalten und unkalkulierbare Risiken zu minimieren.
