Pflanzen und Pflanzenteile

Innovative Pflanzeninstallationen bei der Weltausstellung Reformation

In Lutherstadt Wittenberg präsentiert Dr. Alina Schick von der Universität Hohenheim eine einzigartige Pflanzeninstallation. Sie zeigt waagrecht wachsende Bäume und einen schwebenden Weinberg, die mit computergesteuerter Technik realisiert wurden.

Pflanzenwachstum neu interpretiert – Technik und Methode

Das Prinzip des waagrechten Pflanzenwachstums basiert auf einer Methode, bei der Bäume und Pflanzen in speziell konstruierten Pflanzkübeln um die eigene Achse rotieren. Dadurch verlieren die Pflanzen ihre natürliche Orientierung nach oben und wachsen parallel zum Boden. Dr. Schick betont, dass dieser Prozess den Pflanzen nicht schadet. Ein Ligusterbaum, der seit drei Jahren in einem solchen rotierenden Kübel wächst, sei weiterhin gesund.

Der erste waagrecht wachsende Baum wurde zusammen mit zwei weiteren Bäumen sowie verschiedenen Blumen- und Gräserarten von der Universität Hohenheim nach Wittenberg gebracht. Entlang der Außenwand der ehemaligen Schmiedehalle entsteht auf 54 Quadratmetern vertikaler Fläche eine Art Park, der auch einen Fahrradweg integriert. Sensoren in den Pflanzgefäßen überwachen kontinuierlich den Feuchtigkeitsgehalt der Erde und steuern die Wasserzufuhr. Das Team um Dr. Schick kann den Zustand der Pflanzen per Computer überwachen.

Die Evangelische Landeskirche in Württemberg möchte mit diesem Beitrag zur Weltausstellung Reformation die Verbindung von landwirtschaftlicher Tradition und schwäbischer Innovationsfreude demonstrieren. Jürgen Kaiser vom Evangelischen Medienhaus erklärte, dass bewusst ein Start-up gesucht wurde, das neue Wege geht, und Visioverdis diese Kriterien erfüllte.

Weinberg als Blickfang in der Halle

Im Inneren der Halle hat Dr. Schick einen Weinberg gestaltet. An einer Seilkonstruktion wachsen in 80 aufgeschnittenen Weinflaschen Reben einer speziell gezüchteten Sorte der Weinbauschule Weinsberg. LED-Lampen zwischen den Reben sorgen für eine besondere Beleuchtung. Die neuen Weinpflanzen vereinen Erbanteile von Riesling und Sauvignon Blanc und sind durch die Einkreuzung amerikanischer und asiatischer Wildreben weitgehend resistent gegen Pilzkrankheiten. Dieser Weinberg dient als Hintergrund für Veranstaltungen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg während des Jubiläumsjahres. Bei besonderen Anlässen führt Dr. Schick persönlich durch die Installation.

Nachhaltigkeit im Fokus der Stadtbegrünung

Die Landeskirche in Württemberg thematisiert mit der Installation auch den Erhalt der Schöpfung und die Gestaltung der Zukunft. Visioverdis entstand als Antwort auf die Frage, wie in wachsenden Städten für saubere Luft gesorgt werden kann. Dr. Schick weist darauf hin, dass Feinstaub, Stickstoffoxide und Ozon die Luft in deutschen Städten belasten, obwohl es dort Grünflächen gibt. Weltweit sei die Situation in Mega-Cities mit über 10 Millionen Einwohnern, wo Grünflächen Wolkenkratzern weichen müssen, noch dramatischer.

Rund 68 Prozent der CO2-Emissionen, so die Biologin, entstünden in Städten – mit weitreichenden Auswirkungen auf das Weltklima. Pflanzen können die Luftqualität verbessern und die Luft von Schadstoffen befreien. Es ist deshalb dringend nötig, neuen Raum für Pflanzen in den Städten zu schaffen. Hier setzt unsere Technologie zur Fassadenbegrünung an.

Dr. Schick ist überzeugt, dass waagrecht wachsende Pflanzen dem Flächenkonflikt in wachsenden Städten begegnen können. Dies ermögliche weitere Nutzungen für die bislang ungenutzten vertikalen Flächen in Städten, beispielsweise im Bereich des Vertical Farming zur Nahrungsmittelproduktion.

Hintergrund des Start-ups Visioverdis und Auszeichnungen

Dr. Schick forscht seit 2011 an waagrecht wachsenden Pflanzen. Im Jahr 2015 erhielt sie eine Förderung im Rahmen des EXIST-Programms, einem Stipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zur Unterstützung von Hochschulgründungen. Das Visioverdis-Team gewann im November 2015 den ersten Platz beim PUSH! Campus Challenge der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart (WRS) für die beste Geschäftsidee. Im Folgejahr wurde ebenfalls ein Hohenheimer Projekt, Geco-Gardens, ausgezeichnet, das platzsparende vertikale Kleingärten für den ökologischen Eigenanbau anbietet.

18.05.2017

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