„Fläche im Kreis“: Ein Forschungsprojekt für nachhaltige Flächennutzung
Der tägliche Flächenverbrauch in Deutschland beträgt rund 140 Fußballfelder. Dies steht im Kontrast zur demografischen Entwicklung, die eine sinkende Bevölkerungszahl prognostiziert. Eine geringere Bevölkerungsdichte führt zu einer reduzierten Auslastung der Infrastruktur, während gleichzeitig Investitionen in Gebäude und Straßen zur Werterhaltung notwendig sind.
Ein Forschungsprojekt hat nun Ergebnisse vorgelegt, die aufzeigen, wie der Flächenverbrauch reduziert, brachliegende Flächen mobilisiert und Haushalte entlastet werden können. Hierfür wird ein neuer Policy-Mix zur wirksamen Verminderung des Flächenverbrauchs vorgeschlagen. Begleitend dazu soll die Stadtentwicklung stärker auf die Innenbereiche konzentriert werden. Das Ziel ist es, Flächen möglichst dauerhaft in Nutzung zu halten, was als Flächenkreislaufwirtschaft bezeichnet wird.
Das dreijährige Forschungsvorhaben „Fläche im Kreis – Kreislaufwirtschaft in der städtischen/stadtregionalen Flächennutzung“ wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) und des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung (BBR) durchgeführt. Bearbeitet wurde es vom Deutschen Institut für Urbanistik in Kooperation mit der Projektgruppe Stadt + Entwicklung und der Sonderforschungsgruppe Institutionenanalyse.
Im Rahmen von Planspielen entwickelten Wissenschaftler gemeinsam mit kommunalen Praktikern Strategien und Instrumente, um die Flächeninanspruchnahme bis zum Jahr 2020 auf 30 Hektar pro Tag zu reduzieren. Beteiligte am Forschungsfeld des „Experimentellen Wohnungs- und Städtebau (ExWoSt)“ waren die StadtRegion Stuttgart, die Region Mölln, die Planungsregion Rheinhessen-Nahe, die Stadt Duisburg sowie die Planungsregion Nordthüringen.
Die entwickelte Flächenkreislaufwirtschaft stellt einen neuen Politik- und Steuerungsansatz dar, der auf der Nutzungsphilosophie „Vermeiden – Verwerten – Ausgleichen“ basiert. Ziel ist es, Stadtentwicklung nicht mehr primär durch Siedlungsexpansion zu definieren, sondern vorwiegend auf Bestandsflächen zu konzentrieren. Dies soll dem Wohl der Stadt und ihrer Bewohner dienen.
Chancen der Innenentwicklung und Brachflächenrecycling
Die Flächenkreislaufwirtschaft zielt darauf ab, vorhandene Flächenpotenziale intensiver zu nutzen und die Inanspruchnahme neuer Flächen nur unter bestimmten Bedingungen zuzulassen.
Es gilt, die planerischen und gestalterischen Herausforderungen von Innenentwicklung, Brachflächenrecycling und Anpassung der Siedlungsstruktur an neue Bedarfe als Chance zu begreifen, um attraktive Standortbedingungen zu schaffen, die eine hohe Wohn- und Lebensqualität mit wirtschaftlichem Wachstum vereint.
Dies erklärte Staatssekretär Dr. Engelbert Lütke Daldrup vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) auf der Konferenz „Perspektive Flächenkreislaufwirtschaft“ am 17. November 2006 in Berlin.
Die Planspielregionen bewerteten und gewichteten im Forschungsfeld über 50 bestehende und neue Instrumente und Strategien. Durch die Kombination dieser planerischen, rechtlichen und ökonomischen Instrumente und Strategien soll der Weg zur Erreichung der flächenpolitischen Ziele geebnet werden. Dieser Policy-Mix zielt auf eine Schonung des unbebauten Außenbereichs, eine verstärkte Innenentwicklung durch Nutzung von Brachflächen, Baulücken und Nachverdichtungsmöglichkeiten, die Aufwertung von Siedlungsflächen und die Begrenzung der Neuinanspruchnahme von Flächen ab.
Anpassung an demografische Entwicklungen und Förderprogramme
Der Ansatz reagiert auf die unterschiedlichen Anforderungen in wachsenden und schrumpfenden Regionen, Städten und Stadtteilen. Die Empfehlungen der Planspielregionen konzentrieren sich darauf, den Flächenverbrauch durch verbesserte Informationen über vorhandene Flächenpotenziale zu senken. Zudem sollen realistische, an demografischen Entwicklungen orientierte Abschätzungen des Flächenbedarfs in der Planung vorgenommen und konsequente Mengenziele in der Regionalplanung festgelegt werden.
Bestehende Förderprogramme sollen künftig vorrangig in die Entwicklung von Flächen und Gebäuden im Innenbereich von Städten und Gemeinden gelenkt werden. Der Stadtumbau spielt dabei eine wichtige Rolle in Gebieten mit Leerstands- und Wegzugstendenzen. Die Forschungsgruppe schätzt, dass zur Erreichung der flächenpolitischen Ziele bis 2020 weitere und neue Maßnahmen erforderlich sind. Diese sollen bestehende Instrumente ergänzen und finanzielle Anreize für die gezielte Flächenausweisung und -nutzung bieten.
Hierzu könnten Kosten-Nutzen-Betrachtungen zur Bilanzierung investiver und langfristiger Kosten von Flächenneuausweisungen beitragen. Eine Neuausweisungsumlage für die Inanspruchnahme bisher unbebauter Flächen sowie eine Reform des Kommunalen Finanzausgleichs zur Unterstützung von Innenentwicklungsvorhaben durch Zweckzuweisungen könnten sich positiv auswirken. Auch Grundstücksfonds können zur Mobilisierung des Brachflächenpotenzials in einigen Regionen Deutschlands beitragen.