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Donnerstag, den 21.04.2011

Sandstürme in Deutschland - ist das der Klimawandel?

Wie Forscher des INKA BB die Ursachen von Winderosion erklären - und Anpassungsstrategien an den Klimawandel empfehlen. Nach der verheerenden Verkehrskatastrophe auf der A 19 fragen sich viele Menschen: ein Sandsturm in Deutschland, kann das sein?

Naturereignisse dieser Art kennt man eher aus der Sahara - doch bei uns? Sind dies Vorboten des Klimawandels und was kann man gegen solche Ereignisse tun?

Dr. Carsten Hoffmann untersucht im Rahmen des INKA BB (Innovationsnetzwerk Klimaanpassung Brandenburg-Berlin) Feinstaubemissionen durch Bodenbearbeitungsmaßnahmen und Winderosion.

"Tatsächlich ist durch die globale Temperaturerhöhung mehr Energie in der Atmosphäre, die Luftdruckgradienten verstärken sich. Die Klimaforschung erwartet daher mehr orkanartige Stürme und eine häufigere, höhere Windgeschwindigkeit in den kommenden Jahrzehnten. Gleichzeitig projizieren die Klimamodelle für den Nordosten Deutschlands im Durchschnitt höhere Niederschläge im Frühjahr, aber auch höhere potentielle Verdunstungsraten. Bleiben die Frühjahrsniederschläge aus, steigt die Erosionsgefährdung also deutlich an.", so Hoffmann.

Ursachen der Katastrophe und Ziele für die Zukunft

"Eine ungünstige Kombination aus mehreren Faktoren führte zu dem Unglück.", so Hoffmann.

Trockenheit, starker Wind und offene Böden sind dies zum einen. Geringe oder vernachlässigte Windschutzhecken und zum Teil übergroße Ackerflächen führen zudem dazu, dass Sand und Staub aufwirbelt und verweht. Dieses Jahr treten Wind und Trockenheit stärker auf, als in durchschnittlichen Jahren. Die Folgeprozesse sind dementsprechend heftig. Helle Sandflecken auf und neben den Äckern zeugen davon, dass die Erosion dieses Jahr sehr großflächig in der Region auftritt. Notiz nimmt man aber vor allem dann, wenn Autofahrer durch ein Erosionsereignis überrascht werden.

Sein Teilprojekt innerhalb des vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung geförderten INKA BB beschäftigt sich mit Feldmessungen und feuchteabhängigen Staubemissionen im Windkanal. Das Projekt hat zum Ziel Empfehlungen zur Reduzierung der klimawandelbedingten Feinstaubemissionen und Nährstoffverluste von Ackerflächen zu formulieren.

Klimawandelanpassung: Wege zur Lösung

"Maßnahmen sind beispielsweise die Pflege von Windschutzhecken, das Mulchen von Böden oder einfaches Stehenlassen von Stoppeln. Auch ein verstärkter Anbau von Wintergetreide kann helfen.", erläutert Hoffmann. "Ebenso empfehlen sich eine spätere Aussaat nach den Frühjahrsstürmen und die Erhöhung der Oberflächenrauhigkeit durch bestimmte Bodenbearbeitungsmaßnahmen, dies möglichst quer zur Hauptwindrichtung. Allzu sandige Ackerflächen sollten für Reihenkulturen mit Anbaubeschränkungen belegt werden, beispielsweise bei besonders erosionsanfälligen Kulturen wie Mais.", so der Geoökologe.

"Das Anlegen von Windschutzhecken, die Verringerung der Entwässerung, die Verbesserung der Bodenstruktur und das Verkleinern von Ackerschlägen sind wirkungsvolle aber langfristig zu planende Maßnahmen. Sie würden zu einer Verringerung der Erosionsgefahr beitragen, die aber erst in vielen Jahren greifen.", legt Hoffman dar.

Land und Politik gefordert

Dass unabhängig von der genauen Entwicklung des Klimas Anpassungsstrategien für die Landwirtschaft notwendig sind, zeigen nun die Ereignisse der letzten Tage. Böden verarmen und die Luftqualität verschlechtert sich, wenn mineralischer Feinstaub in der Luft schwebt und Verkehr und Infrastruktur durch Staub und Sand beeinträchtigt sind. Viele gewichtige Gründe sprechen dafür, frühzeitig Vorsorgemaßnahmen gegen Winderosion zu treffen.

"Deswegen sollten diese von den verantwortlichen Stellen entsprechend schnell beschlossen und umgesetzt werden.", unterstreicht auch Dr. Andrea Knierim, die Projektkoordinatorin von INKA BB.

Wer ist INKA BB?

INKA BB ist das Innovationsnetzwerk Klimaanpassung Berlin Brandenburg. Es hat zum Ziel, Anpassungsstrategien für den Klimawandel zu untersuchen und innovative Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Im Fokus steht dabei die Sicherung einer nachhaltigen Land- und Wassernutzung in der Region.

Ebenso will INKA BB ein angepasstes Gesundheitsmanagement fördern. 24 Teilprojekte umfasst das Forschungs­projekt. Es ist auf 5 Jahre angelegt, 18 Millionen Euro sollen dafür eingesetzt werden. Der Förderanteil des Bundesministeriums für Bildung und Forschung beträgt davon 15 Millionen Euro.

Netzwerkpartner des INKA BB sind Forschungseinrichtungen aus Berlin und Brandenburg sowie zahlreiche Interessenverbände und Wirtschaftsunternehmen. Auch zählen eine Reihe von kommunalen Verwaltungen und Landesbehörden aus Berlin und Brandenburg dazu. Die Koordination des Projektes hat das ZALF, Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg.

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