Branchenverbände, Pflanzen und Pflanzenteile

BdS-Wintertagung diskutiert Wege für die Zukunft des Gartenbaus

Auf der BdS-Wintertagung in Grünberg diskutierten Staudengärtner über zentrale Zukunftsfragen des Gartenbaus – von Degrowth-Ansätzen und Fachkräftemangel bis zu Zertifizierung und Pflanzenschutz. Rund 50 Teilnehmer tauschten sich zudem auf der begleitenden Hausmesse aus.

Branchenexperten diskutieren Wachstum, Fachkräfte und Pflanzenschutz im Staudenbau

Bei der Wintertagung des Bundes deutscher Staudengärtner (BdS) in Grünberg standen zentrale Zukunftsfragen für Gartenbau und Staudenproduktion im Mittelpunkt. Rund 50 Teilnehmer diskutierten aktuelle Herausforderungen der Branche – von wirtschaftspolitischen Grundsatzfragen über Zertifizierungssysteme bis hin zu praxisrelevanten Themen im Pflanzenschutz.

Besonders intensiv wurde die Frage diskutiert, ob wirtschaftliches Wachstum weiterhin oberste Priorität haben sollte oder ob eine Begrenzung des Wachstums langfristig sinnvoller ist. Unterschiedliche Positionen machten deutlich, wie vielschichtig die Perspektiven innerhalb der Branche sind.

Wachstum oder „Degrowth“ als Zukunftsstrategie

Der portugiesische Experte Dr. Gualter Barbas Baptista stellte die These auf, dass Effizienzsteigerungen nicht automatisch zu geringerem Energieverbrauch führen. Als Beispiel nannte er ein sparsames Auto, das in der Praxis häufig dazu führt, dass mehr gefahren wird.

Stattdessen plädierte Baptista für eine sogenannte Wachstumswende, das Konzept des „Down-Scaling“ beziehungsweise „Degrowth“. Dieses zielt darauf ab, wirtschaftliche Aktivitäten bewusst zu reduzieren, um Ressourcen zu schonen. Auch für den Gartenbau zeigte er mögliche Ansätze auf.

Die anwesenden Staudengärtner begegneten diesen Überlegungen mit Interesse. Viele Betriebe beschäftigen sich bereits aus eigener Initiative mit ressourcenschonenden Produktionsmethoden, etwa mit torfreduzierten Substraten.

Arbeitskräftepotenzial stärker nutzen

Einen anderen Ansatz vertrat Dr. Bernd Eitner von MANDEV EUROPE GmbH. Er betonte die wirtschaftliche Bedeutung einer breiten Arbeitskräftebasis. Würden nicht alle verfügbaren Potenziale – etwa ältere Menschen, Frauen oder Migranten – stärker in die Produktion einbezogen, könne das Bruttoinlandsprodukt um mehr als 16 Prozent sinken.

Der Arbeitskräftemangel wird sich in den kommenden Jahren deutlich verschärfen. Bis 2030 könnten rund sieben Millionen Arbeitskräfte fehlen, darunter etwa 5,3 Millionen Fachkräfte. Besonders stark betroffen seien ländliche Regionen.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, sollten die genannten Zielgruppen sowohl als Mitarbeiter als auch als Kunden stärker angesprochen werden. Maßnahmen könnten beispielsweise angepasstes Arbeitsplatzdesign oder gezielte Marketingstrategien wie Ethnomarketing sein.

Zertifizierung im Gartenbau richtig einordnen

Dirk Teuber von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen widmete sich dem Thema Zertifizierung. Er stellte klar, dass eine Zertifizierung in erster Linie ein Verfahren zum Nachweis bestimmter Anforderungen darstellt.

Sie sei jedoch kein Qualitätszeichen, das automatisch Aussagen über die Güte eines Produkts trifft. Diese Differenzierung sei für Betriebe im Gartenbau wichtig, wenn sie Zertifizierungsverfahren im Betrieb einsetzen oder gegenüber Kunden kommunizieren.

In der anschließenden Diskussion zeigte sich, dass eine Kombination aus Zertifizierung und zusätzlichem Qualitätszeichen aus Sicht des BdS nicht zielführend ist. Der Konsens lautete, dass eine Zertifizierung nur für einen begrenzten Teil der Mitgliedsbetriebe notwendig sein dürfte.

Pflanzenschutz: Schädlinge konsequent eliminieren

Rainer Wilke vom Pflanzenschutzamt Bonn gab den Teilnehmern zahlreiche praxisnahe Hinweise zur Pflanzenschutzstrategie im Betrieb. Sein zentraler Rat: Bei der Bekämpfung von Schädlingen sollte das Ziel grundsätzlich deren vollständige Eliminierung sein.

Eine bloße Reduzierung der Schädlingspopulation führe häufig zu erneuten Behandlungen und damit zu zusätzlichem Aufwand. Neben praktischen Empfehlungen informierte Wilke auch über aktuelle Änderungen im Pflanzenschutzrecht.

Hausmesse ergänzt Fachprogramm

Ein fester Bestandteil der BdS-Wintertagung ist die begleitende Hausmesse. In diesem Jahr präsentierten 14 Unternehmen Produkte und Dienstleistungen für den Gartenbau und die Staudenproduktion.

Die nächste Wintertagung des Bundes deutscher Staudengärtner ist bereits terminiert. Die Veranstaltung wird künftig um einen halben Tag verkürzt und findet vom 11. bis 13. Februar 2014 erneut in Grünberg statt.

17.02.2013

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