Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Was für ein Endspurt für die Europäische Bürgerinitiative (EBI) „Save bees and farmers – Bienen und Bauern retten“: Am Mittwoch hat Papst Franziskus Vertreter:innen des Bündnisses bei der Generalaudienz in Rom empfangen und dabei deren Botschaften für eine bienenfreundlichere Landwirtschaft angenommen.

Bild: Umweltinstitut München e.V.

Als Repräsentant des Bürgerausschusses war auch Karl Bär, Referent für Agrar- und Handelspolitik am Umweltinstitut München, Teil der Delegation. Das EBI-Bündnis aus mehr als 140 Organisationen aus ganz Europa fordert, dass der Einsatz gefährlicher Pestizide in der EU beendet wird und Bäuerinnen und Bauern bei der Umstellung hin zu einer gesünderen und umweltfreundlicheren Produktionsweise unterstützt werden. Noch bis zum 30. September können EU-Bürger:innen die EBI unterzeichnen. Erzielt die Initiative eine Million Unterschriften, muss sich die EU mit deren Forderungen auseinandersetzen.

Die Idee für eine Audienz bei Papst Franziskus kam von der Südtiroler Bio-Bäuerin Annemarie Gluderer, der italienischen Vertreterin der Initiative. Die Biobäuerin aus dem Vinschgau kennt die Probleme des hohen Pestizideinsatzes im konventionellen Anbau aus eigener Erfahrung, da ihre  Anbauflächen bereits von Abdrift betroffen waren. Bereits Ende August war sie in ihrer Heimat gestartet und mit dem Wohnmobil durch Italien nach Rom gereist. Während ihrer Reise sammelte sie Botschaften für Papst Franziskus. Bei der Generalaudienz konnte sie dem Papst diese nun persönlich übergeben: „Wir waren uns überhaupt nicht sicher, ob wir Gelegenheit haben würden, persönlich mit dem Papst zu sprechen“, berichtet Gluderer. „Doch Papst Franziskus hat mir die Hand gegeben und ich konnte ihm von unserer Initiative berichten. Ich hoffe, dass diese Wertschätzung durch den Papst eine klare Botschaft an Menschen ist, denen die Schöpfung am Herzen liegt – und ein Signal nach Brüssel, die Rahmenbedingungen für eine bienenfreundliche Landwirtschaft und eine gesunde Umwelt zu schaffen.“

Karl Bär hat die Audienz in Rom zusammen mit Mitgliedern des Bündnisses aus vier Ländern besucht. „Papst Franziskus ist dafür bekannt, ökologische Anliegen zu unterstützen. In seiner Umweltenzyklika Laudato Si bezieht er ganz klar Position, wie wichtig der Schutz von Insekten ist - und kritisiert auch den übermäßigen Einsatz von Ackergiften“, berichtet Bär. „Das entspricht den Forderungen unserer Initiative. Ohne tiefgreifende Veränderungen unserer landwirtschaftlichen Produktion wird der Kollaps unserer Ökosysteme nicht aufzuhalten sein.“ Viele Bienenarten und andere bestäubende Insekten drohen auszusterben. Zudem müssen immer mehr kleinbäuerliche Betriebe schließen und werden durch immer weniger, immer größere Betriebe und lebensfeindliche Agrarwüsten ersetzt. Bär muss sich in Südtirol vor Gericht verantworten, weil er mit einer satirischen Plakataktion den übermäßigen Pestizideinsatz im Südtiroler Obstbau kritisiert hatte.

Die Europäische Bürgerinitiative „Bienen und Bauern retten“

Die europäische Bürgerinitiative „Bienen und Bauern retten!“ tritt für eine bienenfreundliche Landwirtschaft und eine gesunde Umwelt ein. Zivilgesellschaftliche Organisationen aus der gesamten Europäischen Union aus den Bereichen Umwelt-, Natur- und Tierschutz, Landwirtschaft, Imkerei, Wissenschaft und öffentliche Gesundheit unterstützen die Initiative. Sie fordern die Kommission dazu auf, chemisch-synthetischenPestiziden EU-weit bis spätestens 2035 komplett zu verbieten, natürliche Ökosysteme in landwirtschaftlich genutzten Gebieten wiederherzustellen und bäuerliche Betriebe bei der notwendigen Transformation hin zu einer nachhaltigen Landwirtschaft zu unterstützen. Die Unterschriftensammlung läuft noch bis zum 30. September - jede Unterschrift zählt: siehe 1. Link

Zum Träger- und Unterstützernetzwerk der Bürgerinitiative gehören unter anderem die europäischen Netzwerke Friends of the Earth Europe und das Pesticide Action Network (PAN), GLOBAL 2000 in Österreich, die französische Umweltorganisation Générations Futures, das Umweltinstitut München, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND), die Aurelia-Stiftung, der Europäische Berufsimkerverband und zahlreiche weitere europäische Akteure.

 

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