Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Rund 180 Vertreter der Erdenbranche kamen am 29. September 2022 ins Ammerland nach Bad Zwischenahn zum 56. Deutschen Torf- und Humustag (DTHT). Nach zweijähriger Pause konnte das Format, in dem sich nahezu alle Hersteller von Blumenerden und Kultursubstraten in Deutschland zusammengeschlossen haben, wieder als Präsenzveranstaltung stattfinden. Ausgerichtet wurde es vom Industrieverband Garten (IVG) e.V.

Bild: IVG

„Wir sind sehr zufrieden mit den Besucherzahlen“, sagt Philip Testroet, Referent Gartenbau und Umwelt beim IVG. „Zudem freuen wir uns darüber, dass das neue Konzept von allen Teilnehmern sehr positiv aufgenommen wurde.“ Zu Beginn der Veranstaltung diskutierten Vertreter aus Politik und Industrie in einer Talkrunde über Torf, Rohstoffverfügbarkeiten und Kooperationsmöglichkeiten mit der Landwirtschaft. Danach erhielten acht Expertinnen und Experten im Rahmen eines sogenannten Science Slam die Möglichkeit, ihr Forschungsfeld zu präsentieren. Zudem stellten fachkundige Referentinnen und Referenten neue Entwicklungen im Bereich Torfersatzstoffe vor. 

Nachdem Steffi Lemke, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz, mit einer Videobotschaft die Gäste begrüßt hatte, wurde im Polit-Talk kontrovers über die Zukunft der Branche diskutiert. Zu Gast waren Professor Dr. Ludwig Theuvsen, Staatssekretär im Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Manfred Tannen, Vizepräsident Landvolk Niedersachsen Landesbauernverband e. V, Bernd Hofer, Hofer & Pautz GbR, sowie Ulrich von Glahn, Geschäftsführer Floragard Vertriebs-GmbH. Die Teilnehmer kamen unter anderem zu dem Schluss, dass es vielversprechende Gemeinsamkeiten zwischen Landwirtschaft und Substratindustrie gäbe und die Politik den Rahmen für erfolgreiche Kooperationen setzen müsste. Nach wie vor stehen beide Branchen allerdings vor großen Herausforderungen in Bezug auf die Moorschutzstrategie der Bundesregierung. Erkannt wurde auch ein Bedarf der Industrie an mehreren Millionen Kubikmetern Torfersatzstoffen. Diese könnten, die Wirtschaftlichkeit vorausgesetzt, auch aus der Kultur von Torfmoosen stammen. 

Im Science Slam konnten dann acht Expertinnen und Experten innerhalb von zehn Minuten Themen aus ihrem Fachbereich vorstellen. Die Inhalte reichten dabei vom Torfersatz aus Rohrkolben und Torfmoos über die schnelle Moorrenaturierung mithilfe von Sphagnum Mikrosphären bis hin zum vermehrten Einsatz von landwirtschaftlichem Oberboden als Torfersatzstoff. Ein Gewinner wurde anschließend per Applaus durch das Publikum gewählt. Knapper Sieger war André Sradnick, Wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) e.V., mit seinem Vortrag „Eingemischt! Eine Abkürzung hin zu torfreduzierten Substraten im Gartenbau?“, bei dem es um das Mischungsverhältnis optimaler Substrate ging. 

Neue Entwicklungen im Bereich Torfersatzstoffe im Fokus

Im Mittelpunkt des anschließenden Programmblocks stand das Thema Torfersatzstoffe. Als erste Referentin stellte Julia Ostrowski von der Meo Carbon Solutions GmbH die Entwicklung und Implementierung eines international ausgerichteten Zertifizierungssystems für Torfersatzstoffe vor. Anschließend erklärte Dr. Susanne Amberger-Ochsenbauer, Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, wie man den Herausforderungen von steigenden Anteilen an Torfersatzstoffen in Kultursubstraten begegnen kann. Im letzten Vortrag ging Prof. Dr. Rudolf Ehwald von der WaldWieseHolz GmbH auf den Einsatz von Torfmoos bei der Vorkultur und Pflanzung von Stiel- und Traubeneichen mit Wurzelhüllen ein. Die Veranstaltung beendete Dr.-Ing. Herbert Theodor Propfe, Geschäftsführer der Propfe GmbH & Co. KG, mit seinem Impulsvortrag „Zeitenwende“, mit dem er einige Denkanstöße gab und zu einer lebhaften Diskussion zu den Veränderungen in der heutigen Zeit anregte. 

Der nächste Deutsche Torf- und Humustag wird voraussichtlich am 21. September 2023 in der Wandelhalle in Bad Zwischenahn stattfinden.

 

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