Pflanzen und Pflanzenteile

Zertifizierung von Pflanzen: Herausforderungen und Chancen für den Gartenbau

Eine Podiumsdiskussion auf der IPM ESSEN beleuchtete die Zertifizierung von Pflanzen und Blumen. Experten diskutierten Vor- und Nachteile sowie Möglichkeiten und Hindernisse bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitskriterien in der Grünen Branche. Die Relevanz von Zertifizierungen als Marktzugang und Entwicklungsinstrument stand im Fokus.

Zertifizierung als Marktzugang und Entwicklungsinstrument im Gartenbau

Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Frage, ob die Zertifizierung von Unternehmen und Produkten im Bereich Schnittblumen und Pflanzen primär eine Grundvoraussetzung für die Marktteilnahme darstellt oder zusätzlich zur Umsatzsteigerung, Verbesserung und zum Monitoring genutzt werden kann. Die Bedeutung von Nachhaltigkeit in der Blumen- und Pflanzenzucht nimmt zu, was auch der Consumer Trends Report 2024 des Capgemini Research Institute belegt. Demnach wünschen sich etwa die Hälfte der Endkunden mehr Transparenz und Informationen zur Nachhaltigkeit von Produkten.

Dieser Trend wird durch zunehmende gesetzliche Anforderungen an Unternehmen in Deutschland und der Europäischen Union verstärkt. Katharina Schwab von Fairtrade Deutschland betonte, dass Zertifizierungssysteme Unternehmen bei der Erfüllung ihrer Sorgfaltspflichten unterstützen können.

Zertifizierungssysteme wie Fairtrade können Unternehmen bei der Erfüllung ihrer unternehmerischen Sorgfaltspflichten unterstützen. Über den Einkauf zertifizierter Schnittblumen oder Jungpflanzen aus dem globalen Süden und mithilfe von Programmen vor Ort kann Fairtrade hier einen wichtigen Beitrag leisten – auch was die Transparenz gegenüber Verbraucher*innen angeht.

Maik Mandemaker von MPS hob ebenfalls die Vorteile einer Unternehmenszertifizierung hervor.

Mit unabhängiger Zertifizierung übernimmt unsere Branche Verantwortung. Mit validierten, messbaren Daten werden unsere bisherigen Nachhaltigkeitsbemühungen sichtbar. Außerdem helfen uns diese Daten bei der Weiterentwicklung auf Branchenniveau sowie im Betriebsmanagement. Das Resultat ist somit nicht nur für die Abnehmer*innen, sondern auch für die zertifizierten Betriebe besonders interessant und relevant.

Sarah von Fintel von GLOBALG.A.P. ergänzte, dass Transparenz und Nachhaltigkeit zunehmend wichtige Kauffaktoren für Verbraucher sind und Vertrauen eine große Rolle spielt. Die Kommunikation über bereits gut umgesetzte Aspekte in Bezug auf ökologische Nachhaltigkeit, Arbeitnehmerwohl und Rückverfolgbarkeit der Lieferkette sei entscheidend. Das GGN Label biete hierfür ein geeignetes Werkzeug, das von der gesamten Branche genutzt werden könne.

Herausforderungen für Produzenten und die gesamte Lieferkette

Dr. Karlheinz Kroell von BLUETENPRACHT Frischblumen GmbH beleuchtete die Schwierigkeiten aus Produzentensicht. Zertifizierungen müssten sich für Produzenten in höheren Preisen oder einer besseren Markenwahrnehmung niederschlagen. Dies sei nur möglich, wenn die Branche den Verbrauchern eine abgestimmte Nachhaltigkeitsstrategie und -kommunikation biete, die auf umfassender Transparenz basiere. Diese Aufgabe müsse im Dialog mit allen Stakeholdern angegangen werden.

John Janssen vom SMK/Nachhaltiger Florist ergänzte, dass Nachhaltigkeit nicht nur bei der Produktion von Blumen und Pflanzen wichtig sei, sondern auch in der nachfolgenden Kette. Handelsunternehmen, Floristen und Gartencenter trügen ebenfalls Verantwortung, insbesondere da immer mehr Geschäfts- und Endkunden Garantien für die Produkte wünschen.

Fazit der Diskussionsrunde

Der IVG begrüßte die Diskussion und das Interesse des Publikums auf der IPM ESSEN. Philip Testroet, Referatsleiter Gartenbau und Umwelt beim IVG, fasste zusammen, dass die Anforderungen und Herausforderungen im Bereich der Nachhaltigkeit für den Gartenbau gestiegen sind, aber auch interessante Chancen bieten. Gleichzeitig müsse sich der Mehraufwand finanziell lohnen und dürfe nicht überbürokratisiert werden, da Nachhaltigkeit auch eine ökonomische Seite habe.

27.01.2024

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