Früher Saisonstart bringt heimischen Spargel bereits vor Ostern in den Handel
Die Spargelsaison 2024 beginnt vielerorts ungewöhnlich früh. Für Verbraucher bedeutet das eine längere Verfügbarkeit des beliebten Frühlingsgemüses aus heimischem Anbau, dessen Saison traditionell am 24. Juni, dem Johannistag, endet.
Möglich wird der frühe Saisonauftakt unter anderem durch Verfrühungstechniken wie Folientunnel oder beheizte Spargeldämme. Dabei werden die Wurzeln mithilfe von warmem Wasser früher zum Austreiben angeregt. Aufgrund des hohen technischen Aufwands wird dieses Verfahren allerdings nur von wenigen Betrieben eingesetzt.
Regionale Erzeuger rechnen mit steigenden Erntemengen
In mehreren deutschen Anbaugebieten wurde bereits vor Ostern erster Spargel gestochen. Noch handelt es sich vielerorts um kleinere Mengen, doch mit steigenden Temperaturen rechnen die Erzeuger in den kommenden Wochen mit deutlich höheren Erträgen.
„Durch die eher kühle Witterung ist die Spargelsaison im Westen zunächst noch etwas verhalten gestartet. Seit Anfang März vermarkten wir den ersten Spargel aus beheiztem regionalem Anbau. Nun hoffen wir gemeinsam mit unseren Mitgliedsbetrieben vor allem auf mehr Sonne“, erklärt Alexander Scheufen, Vertriebsleiter Gemüse bei der Landgard West Obst & Gemüse GmbH.
Auch in Brandenburg wird mit einem frühen Saisonverlauf gerechnet.
„Die Spargelsaison beginnt auch 2024 wieder sehr früh in Brandenburg. Kleinere Mengen gibt es schon vor Ostern. Größere nennenswerte Mengen werden ab April erwartet“, betont Carola Ernicke, Geschäftsführerin der Erzeugerorganisation Spargel & Beerenfrüchte GmbH.
In der Pfalz begann die Ernte bereits Anfang März. Dort erwarten die Erzeuger passend zum Osterfest regionale Ware in guter Qualität.
„Bereits zum Saisonstart passen die Qualitäten hervorragend. Sicher ist, dass es zum Osterfest Pfälzer Spargel gibt“, erläutert Hugo Da Mota vom Pfalzmarkt-Vertrieb.
Deutschland bleibt Europas größter Spargelerzeuger
Mit rund 112.000 Tonnen Spargel im Jahr 2023 ist Deutschland weiterhin der größte Spargelproduzent Europas. Insgesamt bewirtschaften rund 1.440 Betriebe eine Anbaufläche von mehr als 23.800 Hektar.
Die größten Anbauflächen liegen in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Bayern. Baden-Württemberg gilt dagegen als Hochburg des frühen Spargels.
Besonders gefragt bleibt weißer Spargel. Laut Marktanalysen wurden im vergangenen Jahr mehr als 64.000 Tonnen verkauft, während grüner Spargel auf rund 12.400 Tonnen kam.
Verfrühungstechniken und Standortbedingungen entscheidend
Spargel bevorzugt sandige, lockere und steinfreie Böden. Diese erwärmen sich schnell und erleichtern zudem das Stechen der empfindlichen Stangen.
Zum Saisonbeginn wächst Spargel zunächst langsam mit etwa einem Zentimeter pro Tag. Mit steigenden Temperaturen kann das Wachstum später auf bis zu fünf Zentimeter täglich ansteigen.
Weißer Spargel bleibt nur deshalb hell, weil die Triebe unter aufgeschütteten Dämmen ohne Licht wachsen. Grüner Spargel dagegen entwickelt seine Farbe oberirdisch durch Fotosynthese.
Qualität, Frische und Regionalität im Fokus
Die heimische Produktion spielt auch bei Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit eine wichtige Rolle. Der Selbstversorgungsgrad liegt laut Branchenangaben aktuell bei rund 83 Prozent.
Kurze Transportwege sorgen für frische Ware im Handel und verbessern die Klimabilanz. Gleichzeitig gelten in Deutschland vergleichsweise hohe Mindestlöhne für Erntehelfer im europäischen Vergleich.
Die Spargelsaison endet traditionell am 24. Juni. Die bekannte Bauernregel „Stich den Spargel nie nach Johanni“ hat weiterhin Bestand, damit die Pflanzen ausreichend Zeit zur Regeneration für das Folgejahr erhalten.
Vielfältige Zubereitungsmöglichkeiten für das Frühlingsgemüse
Spargel bleibt ein vielseitiges Saisongemüse. Weißer Spargel wird klassisch mit Kartoffeln, Butter oder Sauce Hollandaise serviert. Grüner Spargel eignet sich besonders zum Braten oder für Salate.
Für die Lagerung empfiehlt sich ein feuchtes Küchentuch im Gemüsefach des Kühlschranks. Geschälter Spargel kann zudem problemlos roh eingefroren werden.
Als Richtwert gelten etwa 500 Gramm ungeschälter Spargel pro Person. Besonders beliebt bleibt die Kombination mit trockenen Weißweinen mit geringer Säure.


