Die Bedeutung alter Quittensorten für die Zukunft
Im Oktober, wenn die Früchte reif sind und ihren Duft entfalten, lässt sich die Quitte „Die Langfrüchtige“ anhand ihrer typischen Form gut erkennen und bestimmen. Dies konnten Besucher des jüngsten Streuobsttages in der LWG erleben. Degenbeck hofft auf die Mithilfe der Bevölkerung bei der Suche, da der Bestand an Quitten in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen ist.
Die Quitte, reich an Vitaminen und Mineralstoffen, verschwand einst aus Gärten und Fluren, da sie als „schwierig zu verarbeiten“ galt. Aktuell erlebt sie eine Renaissance, und Quitten werden tonnenweise importiert. Die zunehmende Neuanpflanzung in wärmeren Regionen Deutschlands täuscht jedoch über die mangelnde Sortenvielfalt hinweg.
Geschrumpft sind natürlich auch die Angebotslisten der deutschen Baumschulen. Nur ein paar wenige Sorten haben hier den Exodus der vergangenen 50 Jahre überlebt.
Wittur sucht seit vielen Jahren bundesweit nach alten Sorten, vermehrt sie und pflanzt sie wieder an. Diese alten Sorten enthalten oft wichtige Eigenschaften wie besondere Aromen, Inhaltsstoffe, Gesundheit und Widerstandsfähigkeit. Besucher des Streuobsttages konnten dies in Weinen, Seccos und Säften aus Witturs Erzeugung schmecken. Auf dem von ihm initiierten „Astheimer Quittenlehrpfad“ können Spaziergänger bis zu hundertjährige Quittenbäume entdecken.
Wissenschaftlicher Hintergrund der Suche
Degenbeck betont den wissenschaftlichen Aspekt der Suche:
Für die Züchtung der Zukunft ist es wichtig, einen großen Gen-Vorrat zu besitzen. Wissen wir zum Beispiel, welche Herausforderungen der Klimawandel noch an unsere Obstbäume stellen wird? Wir brauchen die alten Sorten.
Wittur und Degenbeck sind zuversichtlich, „Die Langfrüchtige“ wiederzuentdecken.
In den privaten Gärten stehen sicher noch viele wertvolle alte Bäume. Hier werden wir vielleicht auch die Verschollene finden.
„Die Langfrüchtige“ wird in älterer Literatur als äußerst aromatische Frucht mit markant länglicher Form beschrieben. In Mainfranken wurde sie wohl zuletzt 1958 von der Baumschule Müllerklein in Karlstadt angeboten. Die Experten bitten Quittenbaumbesitzer, die zwischen 1948 und 1958 in Karlstadt gekauft haben, sich zu melden.
