Naturschutz

Langzeit-Monitoring im Nationalpark Berchtesgaden erforscht Artenvielfalt und Klimawandel

Ein neues Langzeit-Monitoring im Nationalpark Berchtesgaden erforscht die Biodiversität und Auswirkungen des Klimawandels. Das Projekt, eine Kooperation mit der TUM, nutzt moderne Technik zur Datenerfassung und soll Strategien für den Artenschutz liefern.

Umfassende Inventur der Alpenwelt

Im Nationalpark Berchtesgaden hat ein Forschungsprojekt zum Langzeit-Monitoring der Biodiversität im Alpenraum begonnen. Die Nationalparkverwaltung konzipierte das Vorhaben gemeinsam mit der Technischen Universität München (TUM). Ziel ist es, Veränderungen in Ökosystemen zu dokumentieren, Grundlagendaten zu erheben und daraus Strategien für den Erhalt der Biodiversität zu entwickeln. Dabei kommen moderne technische Geräte zum Einsatz.

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber hob die Bedeutung des Projekts für Wissenschaft und Naturschutz hervor. Er sprach von einer umfassenden Inventur von Tieren, Pflanzen und Pilzen im Nationalpark Berchtesgaden. Der Nationalpark biete mit seiner einzigartigen Natur und dem dichten Klimamessnetz ideale Bedingungen für die Erforschung der Alpenwelt.

Methoden des Langzeit-Monitorings

Für das Langzeit-Monitoring wurden rund 50 Standorte im Nationalpark ausgewählt, die ein Versuchsflächennetz bilden. Dort soll die Artenvielfalt halbautomatisch erfasst werden. Dazu gehören Batcorder in Waldboxen zur Erfassung von Fledermäusen sowie Soundrecorder zur Dokumentation von Vogelarten.

Kleinsäuger werden mittels schneller Fotofallen mit hoher Auflösung erfasst. Künstliche Verstecke dienen der Gewinnung von Erkenntnissen über Amphibien und Reptilien. Bodenproben liefern Aufschluss über Pilze und Bakterien. Das Monitoring umfasst zudem fliegende und laufende Insekten, mittelgroße und große Säugetiere sowie die Vegetation.

Zusammenarbeit von Wissenschaft und Naturschutz

TUM-Präsident Prof. Thomas F. Hofmann betonte die Chancen der Kooperation. Er hob die Verbindung der Expertise des Nationalparks im Naturschutzmanagement mit der Forschungskompetenz der TUM hervor. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen dem Naturschutz in den Alpen zugutekommen und zur Bewältigung globaler Herausforderungen beitragen.

Der Nationalpark Berchtesgaden ist für dieses Monitoring geeignet, da natürliche Prozesse dort weitgehend unbeeinflusst ablaufen. Dr. Roland Baier, Leiter des Nationalparks, verwies darauf, dass Nationalparks durch das Zulassen natürlicher Dynamik einzigartige Forschungslandschaften darstellen. Die beiden bayerischen Nationalparks nutzen dieses Potenzial in dem Projekt partnerschaftlich.

Grundlagen für nachhaltiges Management

Die eingesetzten Erfassungsmethoden wurden wissenschaftlich erprobt. Die erhobenen Daten bilden die Grundlage für die Entwicklung fundierter Managementkonzepte im Alpenraum, insbesondere im Hinblick auf den Klimawandel. Umweltminister Glauber betonte die Verantwortung für das Naturerbe und die Notwendigkeit, die Alpen zu verstehen, um sie schützen zu können. Die Forschungsergebnisse sollen ein nachhaltiges Management von Gebirgslandschaften ermöglichen und die Verbindung zwischen Wissenschaft und Praxis herstellen.

Langfristige Kooperation und erste Ergebnisse

Das Biodiversitäts-Monitoring ist das erste große Forschungsprojekt im Rahmen einer vom Umweltministerium geförderten Kooperation zwischen der Technischen Universität München und dem Nationalpark Berchtesgaden. Das Umweltministerium unterstützt diese Zusammenarbeit mit 310.000 Euro pro Jahr. Die Leitung des Projekts obliegt Prof. Rupert Seidl, Inhaber des Lehrstuhls für „Ökosystemdynamik und Waldmanagement in Gebirgslandschaften“ an der TUM School of Life Sciences, der ersten deutschen Professur für alpine Ökosysteme.

Dr. Sebastian Seibold betreut als Forschungskoordinator die Schnittstelle zwischen Professur und Nationalparkleitung. Die enge Zusammenarbeit schafft Synergien für beide Institutionen. Auch die Forschung in der Biosphärenregion Berchtesgadener Land wird einbezogen. Das Monitoring findet parallel im Nationalpark Bayerischer Wald statt und soll in beiden Nationalparks als dauerhafte Aufgabe etabliert werden.

Erste Ergebnisse für den Nationalpark Berchtesgaden werden Ende 2021 erwartet. Der Klimawandel ist in den Alpen besonders deutlich messbar: Die Temperaturen sind dort in den letzten 100 Jahren um rund 2 Grad Celsius gestiegen, was dem doppelten globalen Durchschnitt entspricht.

06.10.2020

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