Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Ob Starkregen oder Hitzeperioden: Die Klimakrise machte in den Sommermonaten vor allem Stadtbewohnerinnen und -bewohnern zu schaffen. Versiegelte Flächen setzen dem Stadtklima dabei besonders zu: Sie heizen sich stark auf und speichern die Wärme auch über Nacht. Im Gegensatz dazu steigt bei Starkregen die Gefahr von Hochwasser und einer Überlastung der Kanalisation.

(Abb. NABU (Naturschutzbund Deutschland) e.V.)

Die Probleme drohen sich weiter verschärfen, da Extremwetterereignisse durch die Klimakrise zukünftig zunehmen werden. Um das städtische Klima zu verbessern, fordert der NABU konsequente Maßnahmen zum Regenwassermanagement, zur Entsiegelung sowie die Förderung von Grünflächen und Fassadenbegrünung. 

NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller: „Der Hitzesommer 2022 zeigt einmal mehr, wie sehr Mensch und Natur schon heute unter den Folgen des Klimawandels leiden. Durch den hohen Grad der Versiegelung trifft Stadtbewohnerinnen und -bewohner die enorme Hitze noch heftiger als die Bevölkerung auf dem Land. Dabei ist der Lösungsweg denkbar einfach: Städtische Grünflächen puffern Hitze und Starkregen ab und sorgen so für ein angenehmes Klima und natürlichen Hochwasserschutz. Mehr Grün in der Stadt wirkt zugleich wie ein Staub- und Schadstofffilter, der die Luft reinhält und zugleich Kohlendioxid bindet. Und nicht zuletzt bieten Grünflächen wertvollen Lebensraum für die Artenvielfalt und erhöhen die Lebensqualität für Mensch und Tier.” 

Das Gebot der Stunde lautet aber nicht nur, Flächen zu entsiegeln. Es gilt auch zu verhindern, dass zusätzliche Flächen versiegelt werden. So müssen etwa bei der Stadtplanung Grünflächen ausreichend mitgedacht werden. Sie können im Vergleich zu ihrer bebauten Umgebung an heißen, windstillen Tagen um drei bis vier Grad und in klaren Nächten sogar um fünf bis zehn Grad kühler sein. Auch auf Dächern und an Hausfassaden sorgen Pflanzen an heißen Tagen für ein angenehmes Klima. Durch Verdunstung erhöhen sie die Luftfeuchtigkeit und kühlen ihre Umgebung um mehrere Grad ab. Je höherwüchsiger und flächiger die Vegetation, desto größer der Effekt. 

Stefan Petzold, Referent für Siedlungsentwicklung: „Bei der Gebäudebegrünung wird in Städten bislang viel Potential verschenkt – etwa bei Flachdächern oder Gebäudefassaden. Dort würde mehr Grün für Abkühlung im Sommer sorgen und Auskühlung im Winter verhindern. Studien zeigen bereits, dass das im Vergleich zu konservativen Klimaanlagen oder automatischen Jalousien, erheblich Kosten einspart. Und nicht zuletzt bietet die Begrünung Lebensraum für Tiere und Pflanzen.“ 

Hintergrund: Bereits heute leben mehr als Dreiviertel der Deutschen in Städten oder Ballungsräumen – Tendenz steigend. Doch die Klimakrise erschwert das Leben in urbanen Räumen zunehmend. Die Zahl der Hitzetage und Tropennächte über 20 Grad Celsius hat sich im Vergleich zum vorherigen Jahrhundert verdreifacht. Die Flächenversiegelung verschärft das Problem: Asphalt und Beton können an Sommertagen mehr als 60 Grad heiß werden und speichern die hohen Temperaturen auch noch für den Tag darauf. Ohne Regenschauer oder Freiluftschneisen, durch die die Luft zirkulieren kann, kühlen die Städte nur langsam ab – mit erheblichen Konsequenzen für Gesundheit und Leben. So sind in Berlin etwa vier bis fünf Prozent der Sterbefälle im Sommer auf die Hitze zurückzuführen.  

Von Gartenbegrünung über Baumpatenschaften bis Bürgerinitiative: Die NABU-Infobroschüre „Stadt-Natur-Plan!“ gibt Bürgerinnen und Bürgern Tipps, wie sie sich aktiv für eine grüne Stadt mit gesundem Klima einsetzen können (siehe Link unten).

 

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