Vorbereitungen für die „Lebendige Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland“
Nach seinem ersten Amtsjahr als Vorsitzender des Landesverbandes Schleswig-Holstein im Bund deutscher Baumschulen (BdB) e.V. zog Axel Huckfeldt (45) auf der Mitgliederversammlung am 31. Januar 2013 im Gartenbauzentrum der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein in Ellerhoop Bilanz für das Jahr 2012. Dieses stand maßgeblich im Zeichen der Vorbereitung des Leitprojektes „Lebendige Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland“.
Vor rund 160 Mitgliedern und Gästen aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft, darunter agrarpolitische Sprecher der Fraktionen des Landtags Schleswig-Holsteins, betonte Huckfeldt die Absicht, die Sichtbarkeit des Verbandes im Norden zu erhöhen. Ein zentraler Punkt der Verbandsarbeit war die Planung der Ausstellungsbeteiligung „Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland“ auf der Internationalen Gartenschau (igs 2013) in Hamburg-Wilhelmsburg, die am 26. April 2013 beginnen sollte. Dort soll die Funktionsweise der Baumschule, die Gehölzproduktion und deren gesellschaftlicher Wert dargestellt werden.
Das Pinneberger Baumschulland im Fokus
Martina Schneekloth und Dr. Heike Meyer-Schoppa vom Projekt-Regionalmanagement präsentierten die Entwicklung der Pflanzungen auf der Gartenschaufläche sowie das wachsende Netzwerk von Akteuren und Unterstützern. Begleitende Aktionen umfassen eine Baummenschen-Kunstaktion in Kooperation mit der S-Bahn Hamburg unter dem Motto „Komm mit mir ins Baumschulland!“ sowie ein Filmprojekt mit Schülern des 8. Jahrgangs der Caspar-Voght-Schule Rellingen. Dieses Projekt, „Ich zeig dir, wo ich wohne...“, soll die Bedeutung der Kulturlandschaft Baumschulland aus jugendlicher Perspektive beleuchten.
Der Planungsprozess zeigte eine hohe Unterstützung durch verschiedene Akteure. Das Potenzial der Kulturlandschaft wurde unter dem Aspekt der „nachhaltigen Kultur- und Umweltbildung“ deutlich. Huckfeldt hob hervor, dass die Idee der Metropolregion Hamburg, nachhaltige Verbindungen innerhalb der Kulturlandschaften zu schaffen, durch das entstandene Netzwerk bereits aufgegangen sei.
Wir streben für 2013 daher die Gründung eines gemeinnützigen Trägervereins an, um die Förderung von Gartenkultur, Naherholung und Tourismus im Kreis Pinneberg voranzutreiben.
Er bat die Anwesenden um Unterstützung, um die Bedeutung des rund 200 Jahre alten Baumschulgebietes im Kreis Pinneberg mit etwa 300 Baumschulen sowie den Wert von Gehölzen im öffentlichen Bewusstsein zu halten.
Zur Öffentlichkeitsarbeit wurde ein Imagefilm über das schleswig-holsteinische Baumschulgebiet vorgestellt. Huckfeldt bezeichnete die umfassende Öffentlichkeitsarbeit auf der igs und in der Region als einmalig für den Landesverband. Ein weiterer Eckpfeiler ist der 3. Norddeutsche Baumschultag am 18. Juni 2013, der ebenfalls auf dem Gartenschaugelände stattfindet. Dort sollen gemeinsam mit dem Hamburger Landesverband Gäste aus Politik und Verwaltung über den Mehrwert von Grün, insbesondere im städtischen Raum, informiert werden, um dem Baumschulslogan „Grün ist Leben – Baumschulen schaffen Leben“ Nachdruck zu verleihen.
Marktlage 2012 und Ausblick
Im Marktlagebericht für 2012 stellte Huckfeldt eine gute Nachfrage nach Gehölzen im Absatz an den Gartenfacheinzelhandel sowie den Garten- und Landschaftsbau fest. Der Absatz an die öffentliche Hand, insbesondere Kommunen, verlief aufgrund fehlender großer Begrünungsobjekte in Deutschland zögerlich. Erfreulich waren die guten Exportabsätze nach Skandinavien, Osteuropa, Russland, Österreich und die Schweiz, während die Exporte nach Frankreich mäßig ausfielen.
Die Preise blieben 2012 stabil. Für 2013 wird jedoch in einigen Gehölzgruppen mit höheren Kosten gerechnet, bedingt durch die strengen Wintertage im Februar 2012. Frostschäden, Wachstumsverluste oder Totalverluste in Privatgärten und der freien Landschaft belebten die Nachfrage besonders im späteren Frühjahr und Sommer. Endverbraucher griffen vermehrt zu Edelrosen, Zwerg- und Säulenobst, Stauden sowie Heckengehölzen wie Hainbuche.
Die Produktion von Gehölzen in Töpfen wird aufgrund der Absatzverschiebung bis in die Spätsommermonate verstärkt. Das Frühjahr bleibt mit 50 Prozent die umsatzstärkste Zeit in den Baumschulen. Sommer und Herbst teilen sich die restlichen Umsätze zu je einem Viertel. Die Aussichten für das kommende Frühjahrsgeschäft werden als gut eingeschätzt.
Ehrung mit dem „Günther-Schmidt-Preis“
Zum zweiten Mal in der Geschichte des Landesverbandes wurde der „Günther-Schmidt-Preis“ verliehen. Dieser Preis ehrt Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise um den Erhalt von Kultur und Geschichte der Baumschulwirtschaft in Schleswig-Holstein und Deutschland verdient gemacht haben. Axel Huckfeldt überreichte den mit 1000 Euro dotierten Preis an Klaus Fliegel aus Rellingen. Fliegel ist seit der Gründung 2001 Vorsitzender des Fördervereins Deutsches Baumschulmuseum und seit vielen Jahren ehrenamtlich für das Museum tätig.
In seiner Dankesrede erinnerte Fliegel an den Namensgeber des Preises, Günther Schmidt, einen großen Förderer des Deutschen Baumschulmuseums. Schmidt gehörte zu den Wiedergründern des BdB und engagierte sich als Baumschulinhaber über Jahrzehnte für die Bewahrung des Baumschulwesens als Kulturgut. Eine geplante Ehrung mit der „Goldenen Ehrennadel“ musste aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig verschoben werden.
Gartenbaupolitische Rahmenbedingungen und Herausforderungen
Jürgen Mertz, Präsident des Zentralverbandes Gartenbau (ZVG), stellte in seinem Grußwort die Schwerpunkte seiner zukünftigen Arbeit für den Gartenbau vor und betonte die Notwendigkeit eines spartenübergreifenden Schulterschlusses für gemeinsame Ziele. Er identifizierte den Fachkräftenachwuchs als eines der dringendsten Themen der Branche. Der ZVG setzt daher eine kürzlich beschlossene Kampagne um, die auch die Wiedererkennungsmarke „Gärtner“ über alle Sparten hinweg etablieren soll.
Mertz ging auf die Herausforderungen in der neuen Sozialversicherung ein. Der Berufsstand habe viel bei der Errichtung des Bundesträgers für die landwirtschaftliche Sozialversicherung erreicht. Nun gelte es, vernünftige Konditionen für die Gartenbau-Unternehmen auszuhandeln. Präsident Mertz rief zu gemeinsamen Anstrengungen der landwirtschaftlichen Verbände im europäischen Pflanzenschutzrecht auf. Der ZVG habe mit dem Deutschen Bauernverband (DBV) den Antrag zum Verbundprojekt Lückenindikation auf den Weg gebracht. Hier sei das Engagement aller betroffenen Gartenbausparten, einschließlich des BdB, erforderlich.
Ein weiterer Schwerpunkt in Mertz' Rede war die Notwendigkeit, „Gesicht zu zeigen in Brüssel“, da die meisten gartenbaupolitischen Entscheidungen dort fielen. Der ZVG begegne dieser Dringlichkeit mit der Neubesetzung einer hauptamtlichen Stelle und entsprechendem ehrenamtlichen Engagement. Dies gelte insbesondere für den ermäßigten Mehrwertsteuersatz für Blumen und Pflanzen. Hinsichtlich eines „Grünen Daches“ der deutschen Gartenbauverbände bot Mertz dem ZVG eine konstruktive Zusammenarbeit an. Die Mitgliederversammlung des BdB Landesverbandes wurde von der Sparkasse Südholstein gesponsert.
